„Beginn einer neuen Ära“:

Vorhang auf für den i3!

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„Beginn einer neuen Ära“: BMW stellt sein erstes E-Auto vor, den BMW i3.

Ein großer Schritt für BMW – in eine noch ungewisse Zukunft. Die Münchner trauen sich mit ihrem ersten Serienmodell mit Elektroantrieb auf den Markt. BMW-Chef Norbert Reithofer spricht vom „Beginn einer neuen Ära“.

Der 3,99 Meter lange Kleinwagen mit Karbonkarosserie und ungewöhnlich hohem Dach wurde am Montag zeitgleich in London, Peking und New York enthüllt. Wir erklären, was der neue Wagen kann und wie sich der Markt entwickeln könnte.

Was sind die wichtigsten technischen Daten des i3?

Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 22 Kilowattstunden liefert die Energie für den 125 kW/170 PS starken Elektromotor, der die Hinterachse antreibt. Er beschleunigt den i3 aus dem Stand in 7,2 Sekunden auf 100 km/h. Im luftig gestalteten und schlicht instrumentierten Innenraum bietet der Wagen Platz für vier Personen. Die komplette Antriebstechnik steckt in einem doppelten Fahrzeugboden aus Aluminium. Bei der Karosserie setzt BMW komplett auf leichte Materialien wie Karbon und Aluminium, um so das Gewicht der Batterien auszugleichen. Im Vergleich zu einem normalen Auto soll der i3 durch Leichtbauweise 250 bis 350 Kilogramm leichter sein.

Was wird der BMW i3 kosten?

Der Wagen wird ab 34.950 Euro erhältlich sein – in der Branche gilt das als Kampfpreis. Damit liegt er in der Basisversion ziemlich genau zwischen den Einstiegsmodellen der beiden wichtigsten klassischen BMW-Modellreihen 3er (28.900 Euro) und 5er (40.700 Euro). Finanzvorstand Friedrich Eichner stellte klar, dass BMW auch im Elektro­bereich kein Geld verbrennen will: „Wir gehen davon aus, dass diese Unternehmung von Anfang an profitabel sein wird.“ Ab November wird der Wagen verkauft.

Ganz wichtig: Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?

Die Reichweite gilt als die Achillesferse der Elektro­mobilität. BMW hat vorgesorgt: Die Spitzengeschwindigkeit wurde auf 150 km/h begrenzt – so soll der Akku länger halten. Mit einer Akkuladung sind laut BMW im Alltagsbetrieb Strecken von 130 bis 160 Kilometer möglich. Im genormten Fahrzyklus wurden gar 190 Kilometer Reichweite ermittelt. Die Ladezeit kann danach bis zu acht Stunden betragen.

Lässt sich die Reichweite verbessern?

Ja, mit einem sogenannten Range Extender. Der Wagen hat dann zusätzlich einen Zwei­zylinder-Benzinmotor an Bord, der einen Generator antreibt und während der Fahrt Strom für den Elektroantrieb produziert. So steigt die Reichweite laut BMW auf bis zu 340 Kilometer, bevor der nächste Lade- oder Tankstopp fällig wird.

Soll es noch weitere Elektro-BMW geben?

Ja, der i3 soll der Auftakt für eine ganze Elektro-Familie werden. Anfang 2015 soll der Sportwagen i8 an den Start gehen. Vertriebsvorstand Ian Robertson sagte, BMW habe sich zudem die Markenrechte für i0 bis i9 gesichert.

Ist der i3 das erste Elektro-Auto von BMW überhaupt?

Nein. Bereits 1969 schufen die Münchner ein stromgetriebenes Fahrzeug, den 1602. Zum Einsatz kam der Stromer während der Olympischen Spiele 1972. 1991 zeigte der Konzern mit dem Versuchswagen E1 ein Fahrzeug mit Elektro­motor. Zu kaufen gab es die Autos allerdings nicht, ebenso wenig wie den Mini E, mit dem BMW seit 2009 in den vergangenen Jahren etliche Versuche unternommen hat, um die Alltagstauglichkeit der Technik zu überprüfen. Gleiches gilt für den BMW ActiveE auf Basis der 1er Reihe, den BMW bei Kunden testet.

Wie ernst ist es BMW mit seinem Elektro-Engagement?

Sehr. „Wir steigen in diesen Markt ein, um ein bedeutender Akteur zu werden“, kündigt Vertriebsvorstand Ian Robertson an. „Dies ist kein Kurzeitplan.“ Schon jetzt könnten Kunden durch Steuervorteile vor allem in den USA und in europäischen Ländern sowie durch geringere Wartungskosten so viel Geld einsparen, dass das Interesse immer stärker werde. Konkrete Absatzziele hat sich BMW – zumindest öffentlich – nicht gesteckt. Aber die Münchner wollen vor allem in den riesigen Metropolen Asiens und Amerikas mit dem i3 punkten.

Verstehen Sie E- Mobilität?

BMW i8
Voll elektrisch: Immer mehr Elektroautos sollen bald über die Straße rollen. Mit dem Aufstieg der Stromer in den nächsten Jahren müssen die Verbraucher sich auch an neue Begriffe gewöhnen. Hier einige der wichtigsten Begriffe der E-Mobilität: © BMW
Toyota Prius
HYBRIDANTRIEB: Ein Hybridantrieb hat zwei Kraftquellen, meist einen Benzinmotor und einen zusätzlichen Elektromotor. (lateinisch hybrid: von zweierlei Herkunft). Der Hybrid ist der Einstieg in die Elektromobilität: Ein kleiner Elektromotor treibt des Wagen über kurze Strecken an, lange Fahrten übernimmt der kräftige Benzinmotor. Die Batterie wird über wiedergewonnene Bremsenergie geladen. Das weltweit erfolgreichste Hybridautos ist der Toyota Prius. © Toyota
Lexus CT 200h
VOLL- HYBRID: Ein Voll-Hybrid Auto kann rein elektrisch fahren. Das Anfahren und Fahren funktioniert vollständig ohne Verbrennungsmotor. Mit dem CT 200h präsentiert Lexus das erste Fahrzeug mit Vollhybridantrieb im Segment der kompakten Premium-Modelle. © Lexus
MILD HYBRID: Als Mild-Hybrid werden Autos bezeichnet, bei denen der elektrische Zusatzmotor schwach ausgelegt ist und das Auto nicht allein anschieben kann. Auch hier lädt Bremsenergie die Batterien und spart so Benzin. Bei Mild-Hybriden ist meist der Starter gleichzeitig der Generator. © dpa/Hersteller
RANGE EXTENDER:  Range Extender (engl.) heißt auf Deutsch Reichweitenverlängerer. So nennt die Industrie Hybridautos, bei denen der Elektroantrieb an erster Stelle steht, aber zur Sicherheit ein kleiner Benzinmotor mit an Bord ist. Der Benzinmotor verlängert die Reichweite von den rund 100 bis 150 Kilometern, die bisher mit Batterien erreicht werden, auf mehr als 600 Kilometer. Der Benzinmotor treibt nicht direkt die Räder an, sondern lädt falls nötig die Batterie... © dpa/Hersteller
Opel Ampera
...Damit wird ein enorm sparsamer Betrieb möglich, weil der Benziner mit gleichmäßiger niedriger Umdrehungszahl läuft. Bekannteste Modell ist der Volt von General Motors, der als Opel Ampera (Foto) in Deutschland unterwegs ist. Alle großen Konzerne arbeiten an Range Extendern, denn die Angst der Verbraucher vor dem Liegenbleiben gilt als eines der großen Hindernisse für Stromfahrzeuge. © Opel
LITHIUM- IONEN- TECHNIK: Das chemische Element Lithium macht den geplanten Sprung in das Zeitalter der Elektroautos erst möglich. Sogenannte Lithium-Ionen-Batterien können deutlich mehr Energie speichern als klassische Bleiakkumulatoren. In Laptops oder Handys sind Lithium-Ionen-Batterien schon Alltag. Lithium ist ein Leichtmetall. In der Natur kommt es im Reinzustand nicht vor, sondern ist gebunden in Gestein. Es gibt außer in Batterien nur wenig Verwendungszwecke. © dpa/Hersteller
LITHIUM: Das silberweiße Element ist das leichteste Metall im Periodensystem der Chemiker. Es wird nicht nur für die Herstellung leistungsfähiger Batterien, sondern auch in vielen anderen industriellen Bereichen verarbeitet. Lithium zählt als der Rohstoff der Zukunft schlechthin. „Weißes Gold“, heißt es vielversprechend. Lithium Vorräte sind in Bolivien, Chile und Afghanistan zu finden. Auch im Erzgebirge, in der Gegend an der deutsch-tschechischen Grenze suchen Photovoltaikhersteller nach dem wertvollem Rohstoff. © dpa/Hersteller
Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann.
PLUG- IN:  Plug ist das englische Wort für Stecker. Ein Plug-in ist ein Elektroauto, Hybrid oder vollelektrisch, das einen Stecker hat und über das Stromnetz geladen werden kann. Bisher hat sich die weltweite Autoindustrie nicht auf einen einheitlichen Standard zum Stecker geeinigt. Der Begriff Plug-in ist auch in der Computersprache verbreitet und bezeichnet dort Programme, die sich in andere Programme einklinken und zusätzliche Funktionen bereitstellen. © dpa
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt.
PHEV: Kurzform für Plug-In Hybrid - Ein Plug-In Hybrid kann über das konventionelle Stromnetz aufgeladen werden und wird sozusagen über Nacht aufgetankt. © dpa
Wasserstoff
...Die Brennstoffzellentechnik läuft seit Jahren, etwa in U-Booten oder in Testbussen. Das Problem ist das Tanken: Während eine Batterie an jeder Steckdose geladen werden kann, brauchen Brennstoffzellen Wasserstoff-Tankstellen, von denen es in Deutschland nur ein paar gibt. © Linde AG
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten.
METHAN: Einen völlig neuen Ansatz der Elektromobilität testet Audi: Der Hersteller investiert Millionen in vier Windräder in der Nordsee. Mit diesem Öko-Strom wollen die Autobauer Wasserstoff erzeugen. Dieser Wasserstoff wird nach den Plänen in das Gas Methan umgewandelt, mit dem Gasmotoren in Autos befeuert werden. Gasmotoren sind erprobte Autotechnik, Audi will ab 2013 eigenen Modelle anbieten. © Audi
ENERGIEVERSORGUNGSUNTERNEHMEN: Beim Übergang in das Zeitalter der Elektroautos droht ein Machtkampf zwischen den Autokonzernen und Energieversorgungsunternehmen ( EVUs) wie E. ON und RWE. Die EVUs sehen in Stromautos ganz neue Möglichkeiten des Absatzes. Schon wird beispielsweise geplant, Autobatterien zusammenzuschalten und als eine Art gigantischen virtuellen Stromspeicher zu nutzen. Das würde die Autohersteller auf eine reine Lieferantenrolle reduzieren. Als erster Konzern steuert Audi dem mit eigenen Windrädern entgegen. © dpa/Hersteller
Renault Twizzy
NICHT MONTENTÄRE ANREIZE: Die Bundesregierung plant keine direkten Zuzahlungen für den Kauf von Elektroautos. Statt dessen ist von “nichtmonetären Anreizen“ die Rede. Das wären etwa Sonderparkflächen oder Zufahrtsgenehmigungen in Fußgängerzonen. Außerdem könnten E-Autos auf Busspuren rollen oder eigene Sonderfahrspuren bekommen. © Renault
Im Januar 2015 hat der Bundestag jetzt dazu ein Gesetz dazu verabschiedet. Neue Privilegien sollen in Deutschland mehr umweltschonende Elektroautos auf die Straße bringen. © dpa

Mk./KR

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So fährt sich der neue Elektro-Dreier von BMW

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