Erste Ausfahrt mit dem hoch gezüchteten Dreizylinder

Wadlbeißer mit 200 PS – so giftig ist der neu Ford Puma ST

Grüner Kampffrosch mit 200 PS. Der neue Ford Puma ST holt sich die Aufmerksamkeit der Passanten mit der Sonderlackierung Furious Green Metallic.
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Grüner Kampffrosch mit 200 PS. Der neue Ford Puma ST holt sich die Aufmerksamkeit der Passanten mit der Sonderlackierung Furious Green Metallic.

Der neue Ford Puma ST ist ein Mini-SUV mit Sportwagen-Genen. Seine Werte: 200 PS und 6,7 Sekunden von 0 auf 100. Noch ist er konkurrenzlos. Die erste Testfahrt. 

  • Mit dem Puma ST betritt Ford Neuland – und das ziemlich kompromisslos.
  • Hartes Fahrwerk, Handschaltung – darauf können sich Auto-Puristen freuen.
  • Sportsitze und diffuse Lenkung – das sind die Schwachpunkte beim Puma ST.

Als erklärter Feind der auf drei Zylinder kastrierten Triebwerke wird es nun Zeit Abbitte zu leisten. Zumindest, was den auf 200 PS hoch gezwiebelten 1,5-Liter-Ecoboost-Motor von Ford* angeht. Denn der geht wirklich richtig ab. Wie Nachbars kleiner Lumpi. Giftig und nervös, so als wenn ein Rauhaar-Dackel einen Dachsbau entdeckt hat. Leider klingt der Motor auch wie ein kleiner Wadlbeißer. Heiser und hektisch. Gottseidank gibt es da den (nicht ganz natürlichen) Sound der Auspuffanlage, die sonor dagegen bollert und bei Bedarf auch spratzelt wie ein feiner Sechszylinder. Wer sich an dieser Mogelpackung nicht stört – der hat auch beim Hören Spaß, wenn er mit dem Puma ST beschleunigt. 

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Der erste Dreizylinder, der wirklich Freude bereitet

Aber zurück zum Motor. Wer hätte das einmal gedacht? Aus 1,5 Litern Hubraum pressen die Entwickler tatsächlich 200 Pferdestärken. Pro Brennkammer sind das ordentliche 67 PS. Dass der aufgeladene Motor dabei fast ohne das typische Turboloch auskommt, liegt unter anderem am integrierten Auslasskrümmer. Er verkürzt den Weg der Auspuffgase bis zu Turbolader enorm, weshalb sich der Ladedruck schneller aufbaut. Das 320 Newtonmeter (Nm) starke Drehmoment steht somit schon ab 2500 Umdrehungen pro Minute (U/min) zur Verfügung. Heißt übersetzt: Schon beim ersten Druck auf das Gaspedal schiebt der Puma kräftig auf der Vorderachse an. Und behält seine maximale Durchzugskraft über weitere 1000 Umdrehungen. 

Doppelrohr-Auspuff und 19-Zoll-Felgen deuten an: Beim Puma ST handelt es sich nicht um ein normales Auto. Hier stecken 200 PS unter der Haube.

Mit dieser Raubkatze kann man noch spielen

Wer sich in diesem Bereich bewegt, kann mit dem Kätzchen schön spielen. Denn, und das ist vielleicht die beste Nachricht für Freunde von Performance-Modellen, der stärkste Puma kommt tatsächlich noch mit einem Handschalter daher. Und das sollte man genießen: Vor der Kurve rechtzeitig runterschalten, und dann im Scheitel das volle Drehmoment ausspielen und mit maximaler Durchzugskraft herausbeschleunigen. Schön, dass der Fahrer das alles noch selbst machen kann und einem die Entscheidung nicht vom Automatikgetriebe abgenommen wird.

Das Cockpit des Performance-Pumas unterscheidet sich kaum von dem des normalen Modells. Es hat schon das neue und wirklich unkomplizierte Infotainment-System an Bord.

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Zylinderabschaltung schneller als ein Wimpernschlag

Dass der Motor – auch wenn er Ecoboost heißt – dabei ordentlich Sprit braucht, ist dann schon eher eine Binsenweisheit. Mit dem prognostizierten und unter den strengen WLTP-Maßstäben ermittelten Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern wird man sowieso nicht hinkommen. Realistisch sind neun Liter, wenn man zwischenzeitlich das Auto auch mal vernünftig rollen lässt und die automatische Zylinderabschaltung nützt. Ja, es geht noch weniger. Bei konstanter Geschwindigkeit oder geringen Lasten schaltet das System die Benzinversorgung eines Zylinders automatisch ab. Nun läuft der Puma nur noch auf zwei Töpfen. Wer das tatsächlich bemerkt, verfügt entweder über das absolute Gehör oder zählt zu den Hochsensiblen. Stilllegung und Wiederaufwecken der Brennkammer passiert übrigens in nur 14 Millisekunden. Da ist 20 Mal schneller als ein menschlicher Lidschlag, rechnet Ford vor. 

Testfahrt: Das nervt an der Lenkung

Mit der S-Taste am Lenkrad kann man direkt in den Sport-Modus wechseln. Neben Normal und Eco hat der Puma ST auch noch die Stellung Race, die man eigentlich nur für die Rennstrecke hernehmen sollte.

Das Fahrwerk des Puma ST ist knackig und stramm. Vielleicht ein wenig zu hart für den Alltagsbetrieb. Die im Vergleich zu einer Limousine oder einem Sportwagen hoch aufgeschossene Karosserie lässt zwar die Fliehkräfte deutlich spüren, allerdings bleibt die seitliche Wankneigung im Rahmen des Vertretbaren. Weniger Spaß macht die Lenkung, die sich beim kleinen Kurvenslalom als ziemlich zickig erweist, weil sie für unseren Geschmack zu leichtgängig und dadurch nervös reagiert. Beim Super-G, also den großen Kurven, muss man schon ordentlich Muskelschmalz aufwenden, um gegen die starken Rückstellkräfte des Lenkrads anzukämpfen. Manche Fahrer mögen das, uns war das auf Dauer schlichtweg zu anstrengend. Aber das ist auch eine Geschmacksfrage.

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Neuer Lack sieht aus wie ein Laubfrosch auf Kriegspfad

Zu eng auch für normale Fahrer. Die Schalensitze von Recaro sind zwar gut gemeint, aber erweisen sich bei der Testfahrt als Feind des Alltags.

Ärgerlich sind hingegen die Schalensitze, weil sie zu eng und damit zu unbequem sind. Schon ein durchschnittlich gebauter Fahrer fühlt sich hier wie eine Presswurst. Beim Aussteigen muss man sich über die hohen Seitenwände quälen, das nervt und strapaziert die Oberschenkelmuskulatur. Insgesamt aber überwiegen die Pluspunkte beim Puma ST. Zum Beispiel sein Coolness-Faktor. Damit sind jetzt nicht die größere Frontlippe, der mächtige Kühlergrill oder der auffällige Heck-Diffusor gemeint, sondern so kleine Features wie das vom Seitenspiegel projizierte ST-Logo, das beim Ausklappen über die Beifahrer-Tür wandert und dann auf dem Asphalt stehen bleibt. So wie das Batman-Signal im Nachthimmel von Gotham City. Wer auf einen schrägen Auftritt steht, dem sei eine neue Sonderlackierung empfohlen. „Furious Green Metallic“ sieht aus wie ein Laubfrosch auf dem Kriegspfad.

Dreckiger Kofferraum – da kann die Hausfrau nur lachen

Positiv ist der Preis des Puma ST: Für knapp 30.000 Euro bekommt man nämlich nicht nur einen kleinen Rennwagen, sondern tatsächlich ein alltagstaugliches Auto. Der aufgemotzte SUV ist wie das konventionelle Modell familientauglich, zumindest für die dreiköpfige Starter-Einheit. Für Outdoor-Freunde hat er so wunderbare Extras wie die unter dem Kofferraum versteckte Megabox. Sie bringt zwar nur 81 Liter zusätzlichen Stauraum, ist aber auch der ideale Ort für schmutzige Gegenstände wie zum Beispiel Reitstiefel. Da lacht die Hausfrau: sie wäscht die Megabox einfach aus, und lässt das Dreckwasser über den zentralen Bajonettverschluss wie bei einem Waschbecken einfach auf die Straße laufen.

Die Megabox unter der Kofferraumabdeckung ist der ideale Ort für dreckige Gegenstände. Einfach mit dem Schlauch abspritzen und den Abfluss öffnen, schon ist sie wieder sauber.

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Und so lautet unser Fazit zum Ford Puma ST

Grüner Kampffrosch mit 200 PS. Der neue Ford Puma ST holt sich die Aufmerksamkeit der Passanten mit der Sonderlackierung Furious Green Metallic.

Der Einstiegspreis von 30.000 Euro ist mit Sicherheit kein Pappenstiel, dafür aber kommt der Puma ST schon mit einer guten Grundausstattung daher und man muss nicht erst kräftig in die aufpreispflichtige Ausstattungsliste investieren, um ein ordentliches Auto zu bekommen. Wer braucht schon eine elektrische Heckklappe für 360 Euro? Oder die Furious Green Metallic-Lackierung für knapp einen Tausender? Allenfalls das Fahrassistenz-Paket für 1.023 Euro mit Totwinkel-Assistent und Rückfahrkamera ist empfehlenswert. Damit kostet der Puma ST dann knapp über 31.000 Euro. Unser Fazit lautet deshalb: So wie einst der Golf GTI die Kompaktklasse aufgemischt hat, könnte das dem Ford Puma ST auch bei den Mini-SUVs gelingen. Das Zeug zum Kult-Auto hat er jedenfalls. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Hubraum1497 ccm
Leistung200 PS bei 6.000 U/min
Drehmoment320 Nm bei 2.500 – 3.500 u/min
Getriebe6-Gang-Handschalter
AntriebFront
Länge/B/H4,23/1,81/1,53 m
Leergewicht 1.358 kg / 457 kg
Anhängelast 750 kg
Kofferraum456 – 1.216 l (+ 81 l Megabox)
0 auf 1006,7 Sekunden
Top-Tempo220 km/h
Normverbrauch6,8 Liter
Co2155 g/km
Preis (ab)30.121 Euro

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