Wir haben es getestet

Forscher der TU München bauen Bond-Auto

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Das Auto ist selbst ­entworfen

München - James Bond steuerte sein Auto einst per Fernbedienung - an der TU München tüfteln sie schon seit Jahren an einem entsprechenden Prototypen. Wir haben den Superflitzer getestet.

Die Szene ist legendär: Als James Bond in Der Morgen stirbt nie im 7er BMW aus einem Parkhaus fliehen will, liegt er im Fond verborgen und steuert das Auto per Handy, während Gangster seine Windschutzscheibe zerschießen. Ein Film, schon klar. In ein paar Jahren könnte die Fernsteuerung für Autos aber real werden – Wissenschaftler der Technischen Uni tüfteln schon seit Jahren daran. Gestern stellten die Fahrzeug-Techniker ihren Prototyp vor. Wir haben den Superflitzer getestet.

tz-Tester Andreas Thieme im Flitzer

Die Tür des Zweisitzers geht so leicht auf wie eine Pappschachtel, die Sitze sehen aus wie schmale Schalen, sie liegen nur wenige Zentimeter über der Straße. Etwa 500 Kilo wiegt der Prototyp BS 2 – dreimal weniger als ein Golf. Sein Lenkrad ist klein und kompakt, daneben ein flacher Computermonitor. Kann man von hier Raketen abfeuern? Nein, nur das Navi bedienen.

Statt einem Motor hat der Superflitzer noch jede Menge Kabel und einen Server unter der Haube. Denn: Über eine mobile Datenverbindung kann man dieses Auto ferngesteuert fahren! Heißt konkret: Der Fahrer sitzt gar nicht mehr im Auto selbst, sondern vor drei riesigen Bildschirmen in der TU in Garching. Daran angeschlossen sind Gaspedal, Schalttafel und Lenkrad – sechs Kameras im Auto senden wie im Fahrsimulator codierte Bilder auf die Mega-Monitore, die im 200-Grad-Winkel den Blick durch die Front-und Seitenscheiben zeigen.

TU-Doktorand ­Frederic ­Chucholowski steuert den Protoyp am Monitor

Mehrere Millionen Euro ist dieses Forschungsprojekt wert, 21 Lehrstühle arbeiten an der TU daran. „Alle Komponenten des Prototyps sind Einzelanfertigungen“, sagt Prof. Markus Lienkamp, Chef des Projekts Visio.M. Sein Ziel: Das Auto soll sich seinen Parkplatz bald selbst suchen. Beim Mieten kommt das Auto auf Bestellung zur eigenen Wohnung – ferngesteuert aus der Zentrale. In fünf bis zehn Jahren soll es soweit sein. Noch feilen die Forscher an der Technik. Ein Problem: Die Verzögerung der Kamerabilder liegt bei unter einer halben Sekunde – zu viel, um einem Kind auszuweichen, das auf die Straße rennt. Da hätte selbst James Bond keine Chance!

A. Thieme

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