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ÖPNV statt Auto: Bundesland will Senioren zur Abgabe bewegen – mit Gratis-Aktion

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Senioren können Führerschein gegen ÖPNV-Tickets tauschen
Bus statt Auto: in Baden-Württemberg erhalten Senioren Gratis-Tickets im Umtausch für ihren Führerschein. © Uli Deck/dpa Bildfunk

In Baden-Württemberg sollen Senioren zur Abgabe ihres Führerscheins bewegt werden. Das Bundesland lockt mit kostenlosen Dauertickets für öffentliche Verkehrsmittel.

Autofahrer ab 65 können in vielen Regionen von Baden-Württemberg bald kostenlos Bus und Bahn fahren, wenn sie freiwillig ihren Führerschein für ein Jahr abgeben. Das Land bietet betagten Autofahrern und Autofahrerinnen für den Tausch ein kostenloses Jahresticket des öffentlichen Personennahverkehrs an. Das Ministerium für Verkehr habe mit vielen Verkehrsverbünden des Landes einen Kooperationsvertrag geschlossen, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vergangene Woche.

Führerschein-Abgabe: Senioren erhalten Jahresticket für ÖPNV

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Senioren laut Verkehrsminister Hermann bei Unfällen besonders gefährdet

Mit dem Angebot sollen ältere Menschen in Busse und Bahnen gelockt und der Verkehr sicherer gemacht werden. Über ein Drittel der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer seien 65 Jahre und älter, sagte Hermann. „Zwar fallen Senioren im Unfallgeschehen nicht besonders auf, aber wenn sie beteiligt sind, dann enden die Unfälle häufig tödlich.“ Sie trügen als Fahrer zudem in mehr als zwei von drei Fällen (2020: 68,7 Prozent) der Unfälle die Hauptschuld. Senioren seien zudem mobiler als früher. Und aufgrund des demografischen Wandels würden immer mehr Senioren am Verkehr teilnehmen. Der Anteil der Menschen ab 65 Jahren an der Bevölkerung sei in den vergangenen 20 Jahren von 16,4 auf 21,8 Prozent gestiegen.

Man wolle Senioren nicht pauschal verurteilen, aber ein Angebot schaffen, sagte Hermann. Mindestens 50 Prozent der Kosten tragen die teilnehmenden Verbünde. Das Land beteilige sich mit bis zu drei Millionen an den Kosten für die Tickets. Man hoffe, dass die, die sich beteiligten, dann auch dauerhaft den Nahverkehr stärker nutzten.

Gegenstimmen zur Tauschaktion

Bernd Ebert vom Landesseniorenrat betonte, dass das eigene Auto für die Senioren Eigenständigkeit, Freiheit und Flexibilität bedeute. Man könne die Fahrtüchtigkeit auch nicht am Alter festmachen, es gebe 80-Jährige, die noch topfit seien. Viele Fahrer sähen ihre Fähigkeiten aber selbstkritisch. Testfahrstunden und Fahrtrainings könnten die eigenen Grenzen aufzeigen. Es dürfe nicht sein, dass ältere Menschen genötigt würden, den Führerschein zurückzugeben, sagte Ebert. Aber mit der Tauschaktion könne die Hemmschwelle für ältere Menschen in den Städten gesenkt werden, eine lange aufgeschobene Entscheidung zu treffen.

Ebert vom Landesseniorenrat verwies auch auf die problematische Anbindung im ländlichen Raum. Dort würden Senioren so lange fahren wie möglich, weil sie zum Arzt oder zum Einkaufen fahren müssten.

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Tauschaktionen haben sich in einigen Kreisen schon bewährt

In acht Verbünden gibt es bereits seit längerem solche Angebote für Senioren. Im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart hätten sich bereits 5.300 Senioren beteiligt, berichtete VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger am Montag. Zwei Drittel davon hätten den ÖPNV vorher nicht regelmäßig genutzt. Etwa die Hälfte habe sich auch nach dem Jahr das Seniorenticket gekauft. Der Kreis Ludwigsburg biete das Tauschgeschäft bereits seit 2015 an, der Kreis Esslingen und die Stadt Stuttgart seit 2020. Im Ostalbkreis etwa gibt es das Angebot seit 2016.

Durch die Unterstützung des Landes soll nun ein möglichst flächendeckendes Angebot in Baden-Württemberg erreicht werden – mit dem Vertrag sind es nun 14 Verbünde. Alle 21 Verkehrsverbünde seien eingeladen worden, den Kooperationsvertrag zu unterzeichnen, sagte Hermann. (dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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