Gummi-Mix soll Spritverbrauch senken

+
Der ADAC testet Reifen stets nach verschiedenen Prüfkriterien: Geringer Rollwiederstand und gute Bremseigenschaften soll ein Reifen haben.

Klimadebatte und steigende Spritpreise - Ob ein Auto PS hat ist eine Sache, wichtiger ist inzwischen, wie viel Kraftstoff ein Gefährt konsumiert. Auch Reifenhersteller haben nun eine neue Mission.

Autobauer entwickeln kleinere Motoren und Spritspartechnologien. Reifenhersteller wollen jetzt mit neue Gummimischungen den Rollwiderstand verringern und somit helfen, den Spritverbrauch insgesamt zu senken.

Und das ist keineswegs nur ein Thema für sogenannte Öko-Modelle. Selbst die Hersteller ausgesprochen sportlicher Fahrzeuge schrieben ihnen inzwischen ins Lastenheft, dass neue Reifen zu einem geringeren Spritverbrauch ihrer Autos beitragen müssen, erzählt Klaus Engelhart vom Reifenhersteller Continental.

ADAC Winterreifen Test 2010 - große Reifen

Winterreifentest
ADAC Winterreifen Test 2010: Im Test wurden 28 verschiedene Winterreifen auf ihr Fahrverhalten auf nasser, trockener, verschneiter und vereister Fahrbahn getestet. Bei den größeren Reifen (225/45 R 17 91&94 H) liegt der Michelin Alpin A4 absolut an der Spitze. Trotz sensationell geringem Verschleiß kann der Michlin auch noch mit der Bestnote auf Nässe aufwarten. © ADAC
Continental WinterContact TS830P
Schneestarke erwies sich auch der Continental WinterContact TS830P. Der große Winterreifen ist ab 152 Euro zu haben. © ADAC
Dunlop SP Winter Sport 3D
Zum besten Trio zählt auch der Dunlop SP Winter Sport 3D: Das ADAC Gesamturteil lautet, ein sehr ausgewogener Reifen, sehr gut in allen sicherheitsrelevanten Disziplinen. © ADAC
Winterreifentest
Eher mäßige Leistungen zeigte der Fulda Kristall Contzrol HP: Urteil: Positive Wertung auf Schnee, leichte Schwächen auf nasser Straße und auf Eis. © ADAC
Winterreifentest
Zu den besonders schwachen Winterreifen gehört auch der Interstate WinterIWT-2: leichte Schwächen im Schnee und auf Eis, schwach auf trockener Straße und sehr schwach auf nasser Straße. ADAC Gesamturteil: mangelhaft.  © ADAC
Winterreifentest
Bei einer Vollbremsung  aus Tempo 100 auf nassem Asphalt kommt der Westlake SW601 Snowmaster erst nach mehr als 22 Metern zum Stehen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Autos mit den Chinapneus noch mit 46,5 beziehungsweise 52,2 km/h unterwegs. Solch gravierende Unterschiede können in der Praxis darüber entscheiden, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht. © ADAC
Spritsparen fängt beim Reifen an - Continental hat den Contact 3 genau zu diesem Zweck entwickelt.

Den Rollwiderstand zu verbessern, sei daher bei jeder Reifen-Neuentwicklung ein Ziel der Ingenieure. Ihre wichtigsten Ansatzpunkte sind die Konstruktion des Reifenunterbaus und die Zusammensetzung der Gummimischung für die Lauffläche, erläutert Thomas Alshuth vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie (DIK). Der Unterbau, die sogenannte Karkasse, besteht im Prinzip aus einem Stahlgewebe, das in Gummi eingebettet ist. Zu einem geringen Rollwiderstand trägt eine Konstruktion bei, bei der sich das Gummi zwischen den Stahlnetz-Lagen nur wenig verschieben kann, wenn der Reifen in Bewegung ist. Der Schlüssel für rollwiderstandsarme Laufflächenmischungen sind laut Alshuth neue Werkstoffe, an denen auch das DIK für die Reifenindustrie forscht.

Die größten Spritschlucker der Straße

Hier sind die größten Spritfresser: Der sparsamste, der Pickup F-250 von Hersteller Ford, verbraucht im Schnitt etwa 16,2 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Bentley Flying Spur kam im Jahr 2006 auf den Markt. Er verbraucht 17,4 Liter auf 100 Kilometer bei 560 PS. © dpa
Die Limousine 57S von Hersteller Maybach ist mit 612 PS sehr leistungsstark. Allerdings verbraucht das Auto auch 18,1 Liter/100 km. © dpa
Auch Mercedes ist bei den Benzinverbrauchern vertreten. Der ML 63 verbraucht wie der Maybach etwa 18,1 Liter/100 km. © dpa
540 PS stark ist der Ferrari 612 Scaglietti, mit Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h - aber er schluckt auch knapp 19 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Bentley Azure war 1998 das teuerste Cabrio der Welt. Das heutige Modell verbraucht 19,6 Liter Super Plus im Schnitt. Im Stadtverkehr schluckt er ordentlich: Über 26 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Supersportwagen Veyron von Bugatti rast mit über 400 km/h nur so über die Straßen - im Schnitt verbraucht er 21,4 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Als Stadtfahrzeug ist der Bugatti allerdings nicht wirklich geeignet. Da erhöht sich der Verbrauch nämlich auf satte 30 Liter/100 km. © dpa
Murciélago, auf Spanisch Fledermaus, ist der Name dieses Lamborghini. Es war der Name eines erfolgreichen Kampfstiers in Spanien. © dpa
Aber er trinkt wohl mehr, als der Stier. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 331 km/h verbraucht der Murciélago im Schnitt 22,4 Liter - der Topschlucker. © dpa

Das ist wichtig, weil sich die Reifeningenieure in einem “Zielkonflikt“ befinden, wenn sie den Rollwiderstand eines Pneus zu verringern versuchen, erklärt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum. “Insbesondere der Nassgriff - also die Hafteigenschaften des Reifens auf nasser Straße - verhält sich diametral zu einem geringen Rollwiderstand“, erläutert der Experte.

Je weniger Sprit ein Reifen verbraucht, desto schlechter werden die Nassbremseigenschaften, räumt auch Continental-Sprecher Klaus Engelhart ein. Das größte Problem bei der Entwicklung neuer Reifen ist laut Thiemel, dass die Änderung eines Kriteriums immer auch Nachteile in anderen Bereichen bewirkt. Ein guter Autoreifen müsse aber in allen Punkten überzeugen, betont der ADAC-Experte.

Der ADAC -Test Winterreifen für kleine Reifen

Schnee, Matsch, Glatteis: Winterreifen sollten einiges aushalten. Ob Sie Ihre Reifen tatsächlich gut durch den Winter bringen, hat der ADAC nun geprüft. Zwar erreichte keiner der 28 getesteten Reifen die Bestnote, allerdings gibt es durchaus beachtenswerte Unterschiede in der Qualität. Testsieger wurde der Dunlop SP Winter Sport 3D MO, der in allen sicherheitsrelevanten Kategorien gut abschnitt und die Bestnote auf Nässe erzielte. © ADAC
Der Goodyear UltraGrip 7+ erzielte in den sicherheitsrelevanten Disziplinen sehr gute Ergebnisse und wird vom ADAC als sehr ausgewogener Reifen empfohlen. © ADAC
Als letzter von dreien erzielte der Esa-Tecar Super Grip 7 die Note "gut". Mit der Sicherheit gab es auch bei diesem Reifen keine Probleme. © ADAC
Der Continental ContiWinterContact TS830 bekam ein "sehr gut" für Verschleiß und auf Schnee, leichte Schwächen zeigte er aber auf trockener Strecke. Gesamturteil: durchschnittlich © ADAC
Der Fulda Kristall Montero 3 wurde in allen Sicherheitskategorien als "sehr gut" bewertet. Auf Nässen zeigte der Pneu leichte Schwächen © ADAC
Beim Verschleiß ist der Semperit Speed-Grip "sehr gut", urteilte der ADAC. Leichte Defizite wurden auf Nässe und Schnee festgestellt.  © ADAC
Der Kleber Kristall HP2 erzielte die Bestnote beim Verschleiß, als Winterreifen hatte er aber einige Schwächen auf Schnee, Nässe und Eis © ADAC
"Sehr gut auf Schnee" meint der ADAC, dafür hat der Vredestein Snowtrac 3 leichte Probleme auf nasser und trockener Straße © ADAC
Der Maloya Davos fährt auf Schnee einwandfrei, auf nasser und trockener Straße hat er aber leichte Schwächen © ADAC
Der Kumho I'ZEN KW23 zeigte sowohl auf nasser Strecke, als auch auf Schnee und Eis einige Schwächen, auch beim Verschleiß schnitt der Reifen nur durchschnittlich ab © ADAC
Auf trockener Straße erhielt der Yokohama W.drive V903 die Bestnote. Auf Nässe reagierte der Pceu jedoch schwach. © ADAC
"Schwach auf trockener Straße, sehr schwach auf Nässe" urteilte der ADAC. Der Star Performer Winter ist damit nicht empfehlenswert. © ADAC
Der Goodyear Vector 4Season ist beim Verschleiß vorbildlich, allerdings hat der Reifen leichte Schwächen auf Nässe und Schnee © ADAC
Den höchsten Verbrauch und leichte Schwächen auf nasser Straße sowie schwach auf Schnee: Für den ADAC fiel der Vredestein Quatrac 3 durch © ADAC

Darauf achteten nicht zuletzt die Ingenieure des Clubs bei ihren regelmäßigen Reifentests. Vorteile bei den Umwelteigenschaften, die durch Nachteile beim Bremsverhalten erkauft wurden, führten zwangsläufig zur Abwertung. Denn Abstriche bei der Sicherheit dürfe es nicht geben.

Am besten schnitten erfahrungsgemäß sogenannte Kompromissreifen ab, bei denen sich die Eigenschaften Nassgriff, Rollwiderstand und Abrieb ausgewogen zueinander verhalten.

Reifenfachleute bezeichneten diese Kriterien als “magisches Dreieck“, erzählt DIK-Experte Alshuth. “Einen in der Summe guten Reifen zu entwickeln, ist aufwendig und teuer“, ergänzt ADAC-Experte Thiemel. Die Zugabe von Silica zur Laufflächenmischung mache den Zielkonflikt immerhin “beherrschbarer“, sagt Continental-Sprecher Engelhart. Auch über das Profil lasse sich noch einiges an Spritsparpotenzial aus dem Reifen herausholen: Es wird so angelegt, dass er sich möglichst wenig verformt.

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Reifen nur für ein Fünftel des Rollwiderstands eines Autos verantwortlich sind, sagt Engelhart. Und der wiederum ist nur ein kleines von vielen Kriterien, die letztlich den Spritverbrauch ausmachen. Ein viel größeres Sparpotenzial stecke immer noch im Gasfuß vieler Autofahrer. Daran ändert selbst die Tatsache nichts, dass sie rollwiderstandsoptimierte Reifen aufgezogen haben.

Felix Rehwald, dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Aussteigen und Pinkeln sind im Stau tabu!
Aussteigen und Pinkeln sind im Stau tabu!
Autoscheibe von innen gefroren: Was tun?
Autoscheibe von innen gefroren: Was tun?
Diese neuen Regelungen zum Führerschein sollte jeder kennen
Diese neuen Regelungen zum Führerschein sollte jeder kennen
Diese Tipps und Hausmittel helfen Ihnen bei der Autoinnenreinigung
Diese Tipps und Hausmittel helfen Ihnen bei der Autoinnenreinigung

Kommentare