Testfahrt durch die Stadt

IAA Mobility: So schnell fährt es sich mit dem elektrischen China-Roller MQi GT wirklich

Niu MQi GT fünf Modelle in fünf Farben
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Freundlich und sympathisch. Den MQi von Niu gibt es in fünf knuffigen Farben.

Bei der IAA Mobilty in München kann man nicht nur Elektroautos und E-Räder testen. Eine Testfahrt mit dem E-Scooter MQi GT von Niu.

  • Mit dem E-Scooter MQi GT erobert Niu auch den deutschen Markt.
  • Kein Wunder, denn der E-Roller kostet nur halb so viel wie seine Konkurrenten.
  • Wer keine Garage hat: So einfach lädt man die Akkus trotzdem zu Hause auf.

Lautlos durch die Nacht. Von wegen. Früher war mehr Lärm. Wir erinnern uns an die ersten Ausfahrten mit einem postgelben 50er Roller der Kult-Marke Piaggio. Die erste Freiheit. Knatternd durch die Nacht. Und gestunken hat es, so schön nach Öl- und Benzin-Gemisch. Jetzt, 30 Jahre danach sitzen wir wieder auf so einem Ding. Der Roller ist dieses Mal jedoch quietschrot. Und statt auf dem Anlasshebel zu springen, damit die Kiste endlich anspringt, drücken wir auf nur sanft auf einen Knopf. Lautlos rollen wir durch die Nacht mit einem dieser neuen E-Scooter. Ein atemloses Vergnügen.

Zwei Passagiere haben es auf dem MQI GT von Niu durchaus bequem. Auch bei längeren Fahrten.

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Je nach Führerschein: 45 oder 70 km/h

Der Niu MQi GT kommt aus Shanghai. Ursprünglich ein kleines Start-Up haben die Chinesen allein im zweiten Quartal 2021 eine knappe Viertelmillion von diesen Elektro-Zweirädern verkauft und auch der europäische Markt fängt an zu boomen. Den MQi gibt es in zwei Ausführungen. Je nach Führerschein bekommt man so ein Teil entweder mit 45 oder 70 km/h Endgeschwindigkeit, sonst sind die Modelle identisch. Wir mussten in Ermangelung einer entsprechenden Fahrerlaubnis mit dem langsameren Roller vorliebnehmen. Aber um es gleich vorneweg zu nehmen. Das hat dem Spaß keinen Abbruch getan, zumal wir uns in der Stadt München und im näheren Umland bewegten.

Der Elektro-Motor sitzt in der Radnabe und kommt vom deutschen Zulieferer Bosch.

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An der Ampel ist der MQi ein König

Rollerfahren ist ein Kinderspiel. Das verlernt man nie. Genauso wie das Radeln. Rauf auf das Zweirad. Zwei Knöpfe drücken, sanft am Gashebel drehen, Füße hoch. Und schon gleitet der Asphalt unter uns weg. Man mag es nicht glauben, aber die 3 kW Leistung reichen satt im Einmann-Betrieb. Der E-Motor von Bosch schiebt den 112 Kilogramm schweren Roller nebst Fahrer so kräftig an, dass wir dem ein oder anderen Pkw-Lenker beim Kavalierstart an der Ampel zumindest auf den ersten Metern eine schwere Niederlage zufügen.

Muss sich optisch nicht vor der Konkurrenz von Vespa, Schwalbe und Co verstecken. Der Niu-Roller MQi.

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Wie ehrlich ist die Reichweite von 74 Kilometern?

Die Fahrten mit dem Niu-Roller sind in vielerlei Hinsicht vergnüglich. Zum einen, weil neben dem ordentlichen Abzug auch Fahrwerk, Bremsen und Reifen so ausgelegt sind, dass sich der MQi wie ein echtes Motorrad anführt, zum anderen, weil es einfach ein gutes Gefühl ist, nur mit Elektro-Energie und Rekuperation durch die Stadt zu gondeln. Ein endloses Vergnügen, das seine Grenzen nur an der Akku-Reichweite findet. 74 Kilometer gibt der Hersteller an. Das ist unseren Erfahrungen nach eher tiefgestapelt und von daher völlig ausreichend. Aufgeladen werden die beiden Akkus in rund sechs Stunden an einer Haushaltssteckdose.

So einfach lädt man den MQi in der Wohnung auf

Praktisch: Die beiden Batterien, die unter der Sitzbank eingebaut sind, kann man mit zwei ganz einfachen Handgriffen herausnehmen und zusammen mit einem speziellen Kabel bequem in der Wohnung laden. Wer eine Garage hat, für den heißt es: Einfach einstecken, so oft man zu Hause parkt, dann hat man immer genug Saft. Mit den 74 Kilometern Reichweite eignet sich der MQi auch als Pendlerfahrzeug. Denn die meisten Deutschen legen zum Arbeitsort und zurück meistens nie mehr als 50 Kilometer zurück. Und das packt der E-Scooter aus Fernost locker.

Die Akkus sind unter der Sitzbank eingebaut und nehmen leider fast den ganzen Stauraum weg.

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Im Video: Mehr über die IAA Mobility in München

Platzfresser Akkus – unter der Sitzbank wird es eng

So schön umweltfreundlich das mit den Akkus auch ist, allerdings kosten die Dinger Platz. Und so bringt man unter der Sitzbank außer einer Tafel Schokolade und 100 Gramm Wurst-Aufschnitt nicht recht viel mehr unter. Das heißt: Hier ist Rucksacktragen angesagt. Bis es irgendwann einmal smarte und kleinere Akkus gibt. Dafür können die Chinesen freilich nichts. Eher schon für das zweite Ärgernis: Die Rückspiegel sind schlichtweg zu klein geraten Deshalb muss man beim Blick zurück muss man immer auch ein wenig Verrenkungskünstler sein, um alles zu erfassen, was sich hinter dem Rücken verkehrstechnisch so tut.

Nahm nach 30 Jahren wieder Platz auf einem Roller. Unser Autor Rudolf Bögel.

Das kostet der MQi und so sieht es bei der Konkurrenz aus

Unser Fazit zum E-Roller aus China fällt trotzdem insgesamt positiv aus. Das Fahrgerät ist spritzig, sieht flott und sympathisch aus und bietet eine gute Verarbeitung. Die Bedienung mit dem zentralen LED-Display fällt modern aus, und wer will kann mit der dazugehörigen App auch noch richtig Spaß haben. Die ordentliche Reichweite und das einfache Aufladen sind weitere Pluspunkte. Und dann erst der Preis. Mit rund 3.400 Euro ist der Niu nur halb so teuer wie die Konkurrenz von E-Schwalbe, Elektro-Vespa & Co.

Technischen Daten Niu MQi GT Standard Range

  • Motor: E-Motor in der Radnabe
  • Leistung: 3,0 kW (4 PS)
  • Drehmoment: 67 Nm bei 430 U/min
  • Antrieb: 1-Gang-Getriebe
  • Spitze: 45 km/h
  • Kapazität: 2 x 1488 Wh
  • Ladezeit: ca. 6 Stunden an der Steckdose
  • Reichweite: 74 km
  • Länge / Breite / Höhe: 1,95 / 0,70 / 1,17 m
  • Leergewicht mit Akkus / zulässig: 112 / 269 kg
  • Preis: ab circa 3.400 Euro

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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