Umweltbelastung

Stickoxide: Dieselautos dreckiger als erlaubt

+
Dreck aus dem Auspuff: Nach der EU-Abgasnorm Euro 6 ist der Ausstoß für Stickoxide (NOx) bei neuen Diesel-Pkw bis 80 Milligramm erlaubt.

Stickoxide (Nox) sind Klimakiller und schaden der Gesundheit. Aber moderne Dieselautos belasten damit die Umwelt einer Studie zufolge stärker als bislang angenommen.

Diesel-Pkw stießen im Durchschnitt etwa sieben Mal so viel Stickoxide aus wie nach der EU-Norm Euro 6 erlaubt, heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT). Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft und können zu Atemwegserkrankungen führen.

Die Forscher testeten nach eigenen Angaben 15 moderne Diesel-Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern, die namentlich nicht genannt wurden. Fahrzeuge dürfen nach der Euro-6-Norm nicht mehr als 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen; die getesteten Pkw stießen demnach im Schnitt 560 Milligramm pro Kilometer aus. Benzin-Autos erfasste die Studie nicht, da sie meist die Grenzwerte für Stickoxide einhalten.

"Der überwiegende Teil der beobachteten Überschreitungen konnte weder 'extremen' noch 'untypischen' Fahrsituationen zugeordnet werden", heißt es in der Studie. So seien etwa bei leichten Steigungen im Alltagsbetrieb stark erhöhte Stickoxid-Emissionen gemessen worden. Einige der getesteten Fahrzeuge hätten aber auch Emissionen unterhalb der EU-Norm aufgewiesen. Dies weise darauf hin, dass "die Technologien für saubere Diesel-Pkw bereits heute existieren", teilen die Forscher mit.

Für die Studie setzten die Forscher sogenannte PEMS-Messgeräte ein, die den Ausstoß von Pkw im Alltagsbetrieb - also auf der Straße - messen. Im Gegensatz dazu verlangt die EU von Autoherstellern Abgasausstöße bei Neuzulassungen unter Laborbedingungen zu ermitteln. Dies kann zu deutlich veränderten Emissionswerten führen. Das soll sich aber ändern: Derzeit bereitet die Europäische Kommission Berichten zufolge die Einführung von Straßentests für Pkw-Neuzulassungen vor.

Das ICCT ist eine Non-Profit-Organisation. Dem Institut gehören neben unabhängigen Verkehrsexperten auch Behördenvertreter an.

Klimakiller? Was es aus dem Auspuff bläst 

Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Autos stoßen bei laufendem Motor giftige und klimaschädliche Stoffe aus. Deshalb hat der Gesetzgeber Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Kohlenwasserstoffe (HC) und Rußpartikel (PM) festgelegt. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2009 müssen Hersteller bei der Entwicklung neuer Autos die Abgasnorm Euro 5 einhalten. Seit Januar 2011 müssen auch alle neu zugelassenen Wagen Euro 5 erfüllen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Konkret heißt das: Benziner dürfen zum Beispiel maximal 1 Gramm CO (Kohlenstoffmonoxid) pro Kilometer ausstoßen, Diesel nur die Hälfte. Der Grenzwert für Rußpartikel beim Diesel liegt bei 5 Milligramm je Kilometer. Übrigens, die Euro-4-Norm hatte noch das Fünffache 25 Milligramm zugelassen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Anfang September 2011 wurde als Zwischenschritt die Rußmenge, die ein Auto ausstoßen darf, weiter reduziert - auf 4,5 Milligramm. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2014 müssen alle neu zugelassenen Autos Euro 6 erfüllen. Diese Norm betrifft laut dem TÜV Nord in erster Linie Diesel: Der Grenzwert für Stickoxide, die neue Fahrzeugtypen mit Selbstzündern ausstoßen dürfen, wird auf weniger als die Hälfte des derzeitig gültigen Werts gesenkt - nämlich von 180 Milligramm pro Kilometer (Euro 5) auf 80 Milligramm (Euro 6). © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenmonoxid (CO): Kohlenmonoxid ist ein Gas, das schon in geringen Mengen sehr giftig ist. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Die meisten Abgase entstehen im Leerlauf, also wenn ein Auto an einer Ampel wartet. Während des Fahrens wird hingegen wieder genügend Sauerstoff zugeführt und die CO-Konzentration sinkt wieder. © dpa
Stickoxide (NOX): Die Partikel sind u.a. schädlich für das Ozon. Stickoxid ist ein Sammelbegriff für Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, die besonders bei hohen Brennraumtemperaturen und -drücken im Motor entstehen. NOX war der Hauptgrund für die Erfindung des Katalysators. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenwasserstoffe (HC): In den Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten unverbrannte Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzol, ein sogenannter "Kohlenwasserstoff". © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Rußpartikel (PM) gelangen vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselmotoren. Durch die Einführung der sogenannten Feinstaubverordnung wird die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen nach der Höhe ihrer Partikelemission bundesweit einheitlich geregelt. © dpa
Auspuff Auto Schadstoffe
Übrigens ist während der morgendlichen Rush-hour zwischen sieben und acht Uhr der Kohlenmonoxidgehalt der Luft am höchsten. Autofahrer auf stark frequentierten Pendler-Routen atmen mehr Kohlenmonoxid, Benzol und Dieselruß ein als etwa ein erwachsener Fußgänger. © dpa
Die Konzentration der Schadstoffe ist nämlich im Auto um ein mehrfaches höher als auf dem Fußgängerweg. Sie gelangen durch die Lüftung in das Wageninnere, im Stau werden von der Klimaanlage sogar die Abgase des eigenen Autos angesaugt. © dpa

AFP

Auch interessant

Meistgelesen

Versteckte sich in deutscher Scheune über Jahre ein echter Oldtimer-Schatz?
Versteckte sich in deutscher Scheune über Jahre ein echter Oldtimer-Schatz?
Mega-Truck: Diese Konstruktion lässt Luxusautos alt aussehen
Mega-Truck: Diese Konstruktion lässt Luxusautos alt aussehen
Heftig: So schützt ein Elektriker sein Auto vor Dieben - und es ist legal
Heftig: So schützt ein Elektriker sein Auto vor Dieben - und es ist legal
Wie kam Citroën eigentlich auf die Idee des Doppelwinkels im Logo?
Wie kam Citroën eigentlich auf die Idee des Doppelwinkels im Logo?

Kommentare