Camper selber bauen

Mein Wohnmobil ist Marke «DIY»

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Nicht mit dem Feuer spielen: Was genau für die Zulassung als Wohnmobil erforderlich ist, sollten die Baumeister im Vorfeld mit der Prüfstelle regeln. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Hand in Hand ins Urlaubsglück: Ein kleinerer Campingbulli schafft Unabhängigkeit, nimmt aber noch nicht so viel Platz weg wie ein großes Wohnmobil. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Mal eben kurz abtauchen: Für viele bedeutet ein eigener Campingbus ein kleines Stück Freiheit auf vier Rädern. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn
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My home is my castle: Wenn es darüber hinaus noch selbtgebaut ist, wird ein umgebauter Kastenwagen zum ganzen Stolz seiner Besitzer. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Wohnmobile boomen. Aber nicht jeder aber kann sich ein Modell von der Stange leisten. ACE-Wohnmobilexperte Constantin Hack erklärt, wie man mit Do-it-yourself zu einem wohnlichen Camper kommen kann.

Berlin (dpa/tmn) - Lust auf ein eigens Wohnmobil, aber nicht genug Geld, sich zumindest ein gebrauchtes zu kaufen? Der Traum von der Freiheit auf vier Rädern kann laut Constantin Hack dennoch für verhältnismäßig wenig Geld wahr werden. Als Zauberwort nennt der Technik-Redakteur und Wohnmobil-Experte des Auto Club Europa (ACE): «DIY» - «Do it yourself». Am Anfang steht dabei die Suche nach einer geeigneten Basis für den Ausbau. Allerdings hat die Corona-Krise hier allgemein zu einem deutlichen Preisanstieg geführt.

«Echte Schnäppchen sind deshalb im Augenblick kaum zu finden, vielmehr werden immer wieder ziemlich grottige Fahrzeuge zu überhöhten Preisen angeboten», so der Experte. Er rät, in der Suchfunktion einer der großen Automobil-Börsen keine bestimmte Marke oder kein bestimmtes Modell einzugeben, sondern das verfügbare Budget und die Fahrzeugklasse. Meistens firmiere die dann unter Transporter. Zur Besichtigung sollte dann unbedingt jemand mitkommen, der sich mit der Materie auskennt. Oder man lässt das Fahrzeug im Rahmen einen Gebrauchtwagenchecks unter die Lupe nehmen.

Behördenfahrzeuge können auch interessant sein

Modelle, die grundsätzlich als Basis in Frage kommen können, sind zum Beispiel Mercedes Sprinter, Ford Transit und gerade günstige Fiat Ducato. Wenn es eine Nummer kleiner sein soll, eignen sich Modelle wie VW Caddy, Renault Kangoo oder Ford Tourneo als Mikrocamper. Fündig werden kann man auch etwa bei einer Zoll-Auktion, wo unter anderem ehemalige Behördenfahrzeugen versteigert werden, oder bei Firmen wie DHL: Durch Erneuerung der Flotte gelangen nach einer gewissen Zeit Modelle zur Versteigerung oder in den Verkauf.

Abseits befestigter Straßen ein Muss: Allradantrieb. «Da kann dann zum Beispiel ein Unimog das passende Fahrzeug sein oder auch kleinerer Laster von Mercedes, wie er normalerweise bei der Bundeswehr eingesetzt wird», so Hack.

Allerdings müsse man berücksichtigen, dass viele Behördenfahrzeuge häufig komplett verglast seien, was den Innenausbau schwierig bis unmöglich mache. Zudem heizen sich diese Fahrzeuge extrem auf. Klassische Lieferfahrzeuge ohne oder mit kleinen respektive wenigen Scheiben eignen sich zum Ausbau deutlich besser. Scheiben lassen sich nachrüsten.

Lieber vor dem Ausbau mit der Prüfstelle sprechen

as den Ausbau nach eigenen Vorstellungen grundsätzlich etwas kompliziert macht: Bei Tüv und Co. existiert keine einheitliche Definition eines Wohnmobils, bemängelt Hack. Grundsätzlich sei es daher dringend anzuraten vor dem Ausbaus mit der Prüfstelle zu sprechen, bei der man später auch die Abnahme machen lassen wolle. «Ansonsten kann es bei der Abnahme ein böses Erwachen geben - dann, wenn man mir die Zulassung als Wohnmobil verweigert», so Hack.

Viele der Basisfahrzeuge haben einen großvolumigen Diesel. Das bedeutet eine hohe Kfz-Steuer. «Für ein als Wohnmobil zugelassenes Fahrzeug dagegen fällt diese Steuer deutlich günstiger aus», weiß Hack.

Der Experte warnt aber davor, an der falschen Stelle zu sparen: «Viele versuchen, ihre Vorstellungen mit möglichst simplen Mitteln umzusetzen und verzichten auf teurere Bauteile aus dem Fachhandel.» Dabei werde aber vergessen, dass ein Wohnmobil gewissen Erschütterungen ausgesetzt ist, was entsprechende Lösungen verlange. Der Kühlschrank etwa, den man zuhause habe, gehöre auf keinen Fall in ein Wohnmobil. Schließlich kann er, je nach Stellplatz, auch schon mal in Schräglage geraten. Dafür braucht es dann ein Modell aus dem Zubehörhandel, das mit solchen Bedingungen klarkommt.

«Weil zum Beispiel Toilette und Bad von keiner Prüfstelle verlangt werden, verzichtet manch einer einfach auf die sanitären Anlagen», sagt Hack. Allerdings seien im Corona-Sommer auf vielen Campingplätzen die Sanitäranlagen gesperrt gewessen. Wohnmobilen ohne Sanitärausstattung wurden nicht eingelassen.

Hack schätzt, dass man mit einem Budget von knapp 5000 Euro für die Basis sowie 2000 Euro für den Ausbau bereits ein wohnliches Wohnmobil bekommen kann, einige Abstriche beim Komfort und eine gewisse handwerkliche Geschicklichkeit immer vorausgesetzt. «Das Gros der DIY-Bauer dürfte aber zwischen 10 bis 20 000 Euro in die Basis und noch einmal 5000 bis 10.000 Euro in den Ausbau investieren.»

© dpa-infocom, dpa:201123-99-435913/2

Zoll-Auktion

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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