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Mercedes-AMG SL 63 im Test: So präzise fährt sich der Power-Roadster

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Mit der neuen SL-Generation will Mercedes dem Roadster neuen Schwung verleihen: Endlich kommt er wieder mit Stoffdach – und mit echten AMG-Genen.

Stuttgart – Man kann trefflich darüber streiten, ob ein Mercedes SL obligatorisch ins sportliche AMG-Lager gehört, doch genau hier ist er zukünftig zu Hause. Und daran lassen weder seine Optik, noch das Fahrverhalten nennenswerte Zweifel. Gerade von vorne sieht man dank des markanten Kühlergrills mit AMG-Vertikalstreben die Abstammung aus Affalterbach. Vielleicht etwas zu viel der Ähnlichkeit mit dem aktuellen AMG GT, aber dessen Gesicht kommt bekanntlich allemal an. Der Rest ist stimmig, außer man entscheidet sich für einen hellen Farbton beim Außenlack, denn dann gibt es am rundlich-bulligen Hinterteil einige Fugen, die wie der ausfahrbare Heckspoiler das sportliche Bild des klassischen Roadsters stören. Endlich hat der SL wieder ein Stoffdach und es hat ein Ende mit der nur mäßig eleganten Klappkonstruktion der vergangenen zwei Generationen. Dagegen hätte man sich die beiden Notsitze im winzigen Fond nach Porsche-911-Vorbild sparen können, denn hier sitzt ohnehin niemand und eine reine Ablagefläche für Reisetaschen wäre praktischer gewesen, wie 24auto.de berichtet.

Fahraufnahme eines Mercedes-AMG SL 63
Der 4,0-Liter-V8 im Mercedes-AMG SL 63 leistet satte 585 PS. © Mercedes-Benz

Mercedes-AMG SL 63 im Test: So präzise fährt sich der Power-Roadster

Doch der neue Mercedes SL ist nicht nur optisch ein AMG, auch seine Sportlichkeit ist auf einem völlig neuen Niveau angekommen. Mehr denn je ist der neue Mercedes SL ein Hightech-Geschoss, denn zum Marktstart gibt es nur aufgeladene Vierliter-V8, die die Bezeichnungen SL 55 und SL 63 tragen. Die meisten Kunden werden wohl schon aus Imagegründen zum stärkeren 63er-Bruder greifen, der statt der an sich allemal ausreichenden 350 kW/476 PS/700 Nm kräftig bollernde 430 kW / 585 PS/800 Nm unter der langen Motorhaube leistet. (Mitsubishi Galant mit AMG-Genen: Auktion endet mit Spottpreis)

Mercedes-AMG SL 63 im Test: Ausgestattet mit Allradantrieb und Allradlenkung

Wie schon seine Vorgänger ist der Mercedes SL trotz der einstigen Namensbasis (SL – Super-Leicht) mit einem Leergewicht von 1.970 Kilogramm alles andere als ein Leichtgewicht, doch ein echter Sportler. Dafür sorgen nicht nur das in jedem Drehzahlbereich bullig wummernde V8-Triebwerk, sondern auch ein adaptives Fahrwerk, das trotz variabler Verstellung je nach angewähltem Fahrprogramm eher die AMG-Gene nach außen kehrt als die klassischen SL-Gene des sportlichen Cruisers bedient. Dafür, dass sich der SL dabei so dynamisch und sportlich fährt, sorgen unter anderem Allradlenkung und Allradantrieb – beides Dreingaben, die schon für die Vorgängergeneration im Gespräch waren, jedoch seinerzeit nicht umgesetzt wurden. Überzeugend arbeitet bei flotter Gangart die hydraulische Wankstabilisierung des SL 63, bei der aktive Hydraulikelemente die mechanischen Querstabilisatoren ersetzt und die Karosseriebewegungen souverän ausgleicht. (Mercedes-AMG EQS 53 4matic im Test: Krawall war gestern)

EIn Mercedes-AMG SL 63
Mit der neuesten SL-Generation ist Mercedes wieder zum klassischen Stoffdach zurückgekehrt. © Mercedes-Benz

Mercedes-AMG SL 63 im Test: Fein abgestimmte Lenkung

Durch den Allradantrieb hat der zwei Tonnen schwere 2+0-Sitzer keinerlei Mühe, seine opulente V8-Power standesgemäß auf den Boden zu bannen. Durch die Allradlenkung fährt sich der 4,71 Meter lange Roadster trotz Übergewicht eine Klasse leichter und allemal kompakter – egal, ob er auf den serienmäßigen 20-Zöllern oder den aufpreispflichtigen 21er-Gummis rollt. Fein abgestimmt und dabei nicht zu nervös oder gar indirekt, ist die elektromechanische Zahnstangenlenkung mit ihrer variablen Übersetzung. Sie punktet gerade auch bei höheren Tempi mit der ihr innewohnenden Gelassenheit bei entsprechender Präzision, die den Fahrer auch im flotten Galopp immer wissen lässt, was Vorderachse und Hinterwagen veranstalten. Wenn der Fahrer zum Piloten wird und es darauf anlegt, im Grenzbereich Gummi zu verbrennen, kennt der Mercedes AMG SL 63 kein Halten mehr, kann sein hohes Gewicht jedoch nicht vollends übertünchen. („Ärgerlich und beleidigend“: Mercedes löscht Werbespot in China)

Technische Daten Mercedes AMG SL 63 4matic
Motor/Getriebe/Antrieb4,0-Liter-V8-Doppelturbo / Neungang-Automatik / Allradantrieb
Leistung/Drehmoment430 kW (585 PS) / 800 Nm bei 2.500–5.000 U/min
Leergewicht1.970 kg
Vmax/0–100 km/h315 km/h
Laderaum213–240 Liter
Normverbrauch11,8 l/100 km
CO2-Ausstoß268 g/km
Preisca. 190.000 Euro

Mercedes-AMG SL 63 im Test: In 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Aus dem Stand spurtet der Allrader in spektakulären 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht imposante 315 km/h Spitze. Dass er damit den bisherigen AMG GT Roadster überflüssig macht, ist kein Geheimnis mehr. Dieser wird keinen Nachfolger bekommen und nur noch als geschlossene Version eine noch sportlichere Zukunft haben. Mit einem Normverbrauch von 11,8 Litern Super auf 100 Kilometern ist der offene Spaßmacher alles andere als Kostverächter. Dabei müssen die SL-Fans auf den insbesondere in den USA geliebten Zwölfzylinder verzichten. Stattdessen kommt im nächsten Jahr eine dritte Motorvariante als Plug-in-Hybrid – wohl mit gerade einmal vier Zylindern und dem Antrieb der AMG C-Klasse könnte dieser jedoch eine Palastrevolte bei den elitären SL-Fans auslösen. Keine Planungen soll es für einen elektrischen Mercedes SL geben, denn hier hat AMG andere Modelle in Vorbereitung.

Mercedes-AMG SL 63 im Test: Windschott nur manuell zu bedienen

Der große Vorteil des neuen Mercedes-AMG ist nicht allein sein sportliches Fahrverhalten, sondern das überfällige Stoffdach, das sich in 15 Sekunden bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h öffnen und schließen lässt. Leider nicht elektrisch und damit wenig komfortabel: das manuell zu bedienende Windschott, das kaum Verwirbelungen ins Innere gelangen lässt. Das Cockpit wirkt modern, bietet abgesehen von den exzellenten Sportsitzen jedoch wenig Überraschungen. Dabei wird das Armaturenbrett neben Head-up-Display, digitalen 12,3-Zoll-Instrumenten und dem mit nervigen Touchflächen überfrachteten Lenkrad von einem 11,9 Zoll großen Hochkant-Display dominiert, dessen Neigungswinkel sich variabel zwischen 12 und 32 Grad verstellen lässt, damit die Sonne bei geöffnetem Dach einen nicht im Blindflug fahren lässt. Der Laderaum des neuen SL fasst überschaubare 213 bis 240 Liter bei einer Zuladung von 320 Kilogramm.

Blick ins Cockpit eines Mercedes-AMG SL 63
Die Touchflächen am Lenkrad des neuen Mercedes-AMG SL können nerven. © Mercedes-Benz

Mercedes-AMG SL 63 im Test: So viel dürfte der Power-Roadster kosten

Zu Marktstart und Preis hält sich Mercedes einmal mehr noch bedeckt. Seine Marktpremiere soll rechtzeitig zur Cabrio-Saison sein – und die ist für viele Roadsterfans mittlerweile bekanntlich zwölf Monate im Jahr. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der neue Mercedes-AMG SL zum Mai/Juni in den Handel kommt. Preislich dürfte er sich noch über dem nahezu identisch motorisierten Mercedes-AMG GT C Roadster orientieren, der bei rund 160.000 Euro startet. Damit dürfte ein Preis von über 190.000 Euro gesetzt sein. Nicht nur da lässt der Vergleich zum offenen Porsche 911 Turbo grüßen, der in ähnlichen Regionen unterwegs ist. (Stefan Grundhoff/press-inform) *24auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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