Fahrtest

Der neue Porsche 911 im Fahrtest: Feurig, dynamisch, zeitlos

Der neue Porsche 911 im Fahrtest: Cool, dynamisch, zeitlos
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Schnell wie nie: Schon der normale Carrera schafft Tempo 100 in 4,0 Sekunden, eine halbe Sekunde schneller ist der 4S.

Generationen lang war der Porsche 911er die Verkörperung des idealen, zeitlosen Sportwagens. Das neue Modell soll diese Tradition fortsetzen. Kann er das?

  • Stark wie nie: der Carrera 4S spurtet in 3,6 Sekunden von 0 auf 100.

    • Schnell wie nie: Erst bei 306 Stundenkilometern geht ihm die Luft aus.
  • Cool wie nie: Designer verraten, wie man einen echten 911er gestaltet.

Wie sieht ein echter 911er aus? "Die Kotflügel müssen an Kanonenrohre erinnern", sagte Peter Varga, Direktor Exterior Design bei Porsche* einmal. Und zwei solcher Kaliber hat auch der neue 911er an Bord. Ein Rohr links, ein Rohr rechts. Schön, wenn die Rohre in die Kurven eintauchen, und quasi die ideale Fahrlinie vorgeben.

Ein 911er muss immer wie ein 911er aussehen: Das heißt vorne Kotflügel wie Kanonenrohre und eine steil nach hinten abfallende Dachlinie.

Porsche 911: Cooles Novum bei der achten Generation

Auch das zweite wesensprägende Merkmal weist Generation Acht auf: Die rasant nach hinten abfallende Dachlinie. Und dort am Heck haben die Designer dann tatsächlich ein neues, cooles Detail versteckt, das bislang noch kein Elfer hatte. Zwischen den vertikalen Kühllamellen sind die ebenfalls länglichen roten Bremslichter versteckt. Und jetzt zählen! Neun Streben links, dann zwei Bremslichter, die wie die Zahl elf aussehen, dann wieder neun Streben. 9-11-9. So lässig kann man die nüchterne Typ-Bezeichnung eines Autos auch interpretieren. Unser Urteil: Beim Außendesign hat dieser Porsche hohen Kultfaktor, ein echter 911er, etwas moderner gestaltet, aber immer noch zeitlos schön.

Versteckte Botschaft: Kühllamellen und Bremslichter ergeben, wenn man sie zählt, die Kombination: 9-11-9.

Porsche 911: Modernes Design beim Interieur

Stark verändert hat sich das Innenleben des Sportwagens. Auch hier dominieren mittlerweile Bildschirme. Allerdings gilt das nicht für den Drehzahlmesser. Der bleibt schön in der Mitte und funktioniert analog.

Alles digital bis auf den Drehzahlmesser. Der bleibt auch in der achten Generation analog und sitzt in der Mitte.

Etwas mehr Traditionsbewusstsein hätten wir uns auch beim Schalthebel gewünscht. Der ist so klein wie ein Entenpürzel, mit seiner Riffelstruktur auf der Spitze erinnert er ein mehr an einen Elektrorasierer als an einen Gangwählhebel.

Kastriert wurde der Gangwählhebel: Ein Stummel, der an einen Elektrorasierer erinnert.

Ansonsten: Schweres Holzdekor statt metallenem Purismus, duftendes weiches Leder, samtiges Alcantara – alles sieht hochwertig, aus und fühlt sich gut an. Wir finden: Trotz analogem Drehzahlmesser und dem immer noch links vom Lenkrad angebrachten Zündschloss - beim Innendesign hat der neue 911er seinen Kultstatus nicht ganz halten können.

Die betont horizontale Ausrichtung des Armaturenbretts ist eine Anlehnung an den Urvater aller 911er.

Porsche 911: So fährt sich das neue Modell

In Sachen Komfort setzt der 911er mit der internen Typbezeichnung 992 wirklich Maßstäbe, verglichen mit den sieben Generationen vorher. Das trifft auch auf das Fahrwerk zu. Im Normalmodus gleitet der 911er für seine Gattung schon fast untypisch im Schwebezustand über die Straßen. Und trotzdem spürt man im Hintergrund eine angenehme Straffheit. Das Quäntchen Härte mehr, das einem das Gefühl für die Straße gibt. Aber Dämpfer und Federn können auch anders. Im Sportmodus geht es knackiger zur Sache.

Auch von hinten sieht man ihm den 911er sofort an. Neu ist das durchgehende Lichtband.

Mit einer unglaublichen Dynamik, die beim 4S vom Allradantrieb exakt und perfekt auf die Straße gebracht wird. Beim Fahrwerk haben die Entwickler vor allem das Dämpfersystem überarbeitet. Es ist jetzt stufenlos und hat eine größere Feder-Rate. Das kommt dem Komfort auf unruhigem Untergrund zugute, wie zum Beispiel bei einer Fahrt auf einem Kopfsteinpflaster. Die schnellere Reaktionszeit, die jetzt im Bereich von Millisekunden liegt, verbessert wiederum die Fahrdynamik. Was den Kultstatus anlangt, bekommt der neue Elfer beim Thema Fahrwerk die volle Punktzahl. Chirurgisch präzise und kompromisslos – so muss es sein.

Erstmalig hat der Porsche 911 auch einen so genannten WET-Mode für bessere Traktion auf regennassen Straßen.

Schnellere Beschleunigung als seine Vorgänger

Der beste 911er aller Zeiten – das ist der Anspruch der Zuffenhausener Entwickler bei jeder Neu-Auflage des Kultklassikers. Das kann nicht in jeder Disziplin gelingen. Aber in einer hat der neue 911er wirklich die Nase vorn. Bei den Beschleunigungswerten übertrifft er alle sein Vorgänger. Schon der einfache Carrera schafft es mit seinen 385 PS von 0 auf 100 in vier Sekunden (mit Sport-Chrono-Paket). Der 4S mit 450 PS kann das sogar in 3,6 Sekunden, mit Sport-Chrono sogar in 3,4 Sekunden.

Schnell wie nie: Schon der normale Carrera schafft Tempo 100 in 4,0 Sekunden, eine halbe Sekunde schneller ist der 4S.

Dass der Sechszylinder-Boxermotor so eine Leistungssteigerung hinlegen kann, hat er vielen kleinen technischen Verbesserungen, aber vor allem einem größeren Turbolader zu verdanken. Apropos: Hätten wir selbst nicht einen älteren Sauger zum Vergleich, wir hätten den Unterschied zu den neuen Turbomotoren kaum bemerkt. Aber so müssen wir beim Kult-Check, was das Triebwerk anlangt, leider sagen: Die frei saugenden Boxer-Legenden der früheren 911er sind nach wie vor eine Klasse für sich. Bei den Werten können sie freilich nicht mithalten. Aber die Emotion, die ein Porsche-Sauger oberhalb von 5000 Umdrehungen entwickelt, schlagen immer noch alles.

Normalerweise fügt sich der Heckspoiler passgenau in die Karosserieform ein. Spätestens ab Tempo 90 wird er ausgefahren.

Womit wir beim Sound wären. Hier hat die Sportauspuffanlage nichts verlernt. Trotz Ottopartikelfilter klingt der 911er wie ein 911er klingen muss. Kultiviert und sonor im Normalmodus. Im Sportbetrieb beherrscht der Porsche gleich mehrere Instrumente: Bass für das Wummern, das tief unten in der Magen-Gegend detoniert, E-Gitarre für die sich steigernden Soli, wenn man auf das Gas tritt. Und schließlich Trompete. Ach was eine ganze Kapelle von Blechbläsern ist da am Werk, wenn der Sportwagen in die hohen Drehzahlen fährt.

Auch die Felgen sind ein Zitat an frühere Zeiten. Fuchsfelgen sind Leichtmetallräder, die es seit 1963 für den Elfer gibt.

Unser Fazit zum neuen Porsche 911

Das Vergnügen einen Porsche-Sportwagen zu fahren ist wirklich zeitlos. Insofern ist der Anspruch des neuen 911ers, die "timeless machine" zu sein, erfüllt. Ein wenig unterrepräsentiert ist dabei die Rolle der Maschine, die sich dem Anspruch der Alltagstauglichkeit vielleicht einen Tick zu stark unterordnen musste. Trotzdem trifft auf den neuen 911er das Wort des Modeschöpfers Armani zu: Luxus bedeutet Zeitlosigkeit, die über die Mode hinausgeht. Echter Kult halt. Aber ein bisschen kultivierter als früher.

Auch interessant: Der neue Cayman GTS 4.0 – purer geht Porsche nicht.

Datenblatt Porsche Carrera 4S

Hubraum:

2981 ccm

Leistung:

450 PS bei 6.500 U/min

Drehmoment:

530 Nm zwischen 2.300 - 5.000 U/min

Getriebe:

8-Gang Doppelkupplungsgetriebe (PDK)

Antrieb:

Allrad

Länge/ Breite Höhe:

4,52/2,02/1,30 m

Leergewicht (zul):

1640 kg / 445 kg

Gepäckraum (vorne):

132 l

Offenes Gepäckraumvolumen (hinter Vordersitzen):

264 l

0 auf 100:

3,6 s

0 auf 200:

12,7 s

Höchstgeschwindigkeit:

306 km/h

Normverbrauch:

9,7 l

Testverbrauch:

12,8 l

Co2:

222 g/km

Preis:

ab 129.676 Euro

Auch interessant: Warum ist auf dem Porsche-Wappen eigentlich ein Pferd?

Rudolf Bögel

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