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Spritpreis-Skandal: Teure Tankstellen – jetzt schaltet sich die Regierung ein

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Von: Marcus Efler

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Rohöl wird billiger, doch die Kraftstoff-Preise an den Tankstellen bleiben hoch. Jetzt soll das Bundeskartellamt tätig werden.

Update vom 17. März 2022, 9:15 Uhr: Immer mehr Autofahrer sind frustriert darüber, dass der Spritpreis an den meisten Tankstellen über der Zwei-Euro-Mark bleibt – obwohl die Notierungen für Rohöl schon längst wieder deutlich nachgelassen haben. Nun schaltet sich die Bundesregierung ein: Das Bundeskartellamt soll prüfen, ob die Mineralölkonzerne ihre Marktmacht dazu missbrauchen, um die Preise künstlich hochzuhalten.

„Mein Haus hat das Bundeskartellamt gebeten, die Benzin- und Dieselpreise sehr genau zu beobachten und bei jeglichem Hinweis auf missbräuchliches Verhalten tätig zu werden“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) im „Spiegel“. Das Oligopol, also die marktbeherrschende Stellung weniger Firmen, sei seit Langem ein strukturelles Problem.

Spritpreis-Skandal: Teure Tankstellen – jetzt schaltet sich die Regierung ein

Sollte es Hinweise geben, dass die Mineralölkonzerne aus der aktuellen Situation unangemessen Gewinn schlügen, würde man mit Gesetzesänderungen reagieren. Die würden dem Kartellamt dann mehr Möglichkeiten geben, den Markt zu überwachen.

Abgesehen davon erklärte das Kartellamt, man beobachte die Tankstellenpreise bereits und werden sich „das genau ansehen“, wenn sie dem sinkenden Rohölpreis nicht folgen.

Erstmeldung vom 16. März 2022, 11:15 Uhr: München – Es war das erwartbare Szenario: Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der folgenden Unsicherheit beim Thema Energie-Versorgung sprangen die Rohöl-Preise steil nach oben – und mit ihnen stiegen die Kosten für das Tanken auf neue, bislang ungeahnte Rekordwerte.

Dort rangieren sie immer noch (Stand Mitte März) – obwohl die Rohölpreise mittlerweile wieder deutlich gesunken sind. Davon haben die Autofahrer aber bislang kaum etwas: An der Tankstelle rangiert Super E10 in den meisten Regionen immer noch deutlich über zwei Euro, und Diesel ist oft sogar noch teurer, wie 24auto,de berichtet.

Ölpreis sinkt – darum bleibt der Sprit an der Tankstelle so teuer

Warum also sinkt der Spritpreis an der Zapfsäule nicht genauso schnell wieder mit, wie er vorher mit dem Rohölpreis gestiegen war? Denn in der Regel schwanken Öl- und Spritpreis einigermaßen parallel. Der Verdacht liegt nahe, dass die Mineralölkonzerne die Gunst der Stunde nutzen und noch etwas Kasse machen wollen. So postete der baden-württembergische Finanzminister (38, Grüne) auf Twitter: „Mein Eindruck ist, dass ein paar Ölmultis gerade den großen Reibach machen“.

Die Spritpreisanzeige an einer Freien Tankstelle (Symbolbild)
Der Ölpreis fällt, doch der Spritpreis bleibt hoch. (Symbolbild) © MiS/IMAGO

Ölpreis sinkt – ADAC vermutet Geldschneiderei

Der ADAC vermutet ähnliches.  „Trotz aller kriegsbedingter Sondereffekte und Erklärungen für die hohen Spritpreise – irgendwo zwischen Ölförderung und Tankstelle bleibt das zusätzliche Autofahrergeld hängen“, vermutet Jürgen Albrecht, Kraftstoffmarkt-Experte des Autoclubs: „Die Mineralölkonzerne verdienen im Raffineriegeschäft derzeit richtig gutes Geld.“

Auch die Pläne von Bundesfinanz-Minister Christian Lindner (43, FDP), Autofahrern ein Tank-Rabatt zu gewähren, könnten eine Rolle spielen: Wenn der Staat bereitwillig mitzahlt, kann das den üblichen freien Preiskampf durchaus bremsen. Ähnlich wie der Verdacht besteht, dass bei manchen Elektroautos die Umweltprämie eingepreist ist, und sie eigentlich preiswerter sein müssten. *24auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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