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Oldtimer-Test: So fährt sich ein fast 100 Jahre alter Roadster

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Oldtimer-Test: So fährt sich ein fast 100 Jahre alter Roadster
Der Morris Cowley Six hat fast 100 Jahre auf dem Buckel. © SP-X/Patrick Broich

Der Morris Cowley Six stammt aus dem Jahr 1934. Die Fahrt im fast 100 Jahre alten Oldtimer macht Spaß, doch ein bisschen körperlicher Einsatz gehört dazu.

Bevor jetzt ein Aufschrei der Morris- und generell der automobilen Veteranen-Freunde durch das Land hallt: Ja, dieses Morris-Fotofahrzeug besitzt nicht mehr die Werkskarosserie. Während viele Vorkriegsfahrzeuge als Fahrgestelle geliefert wurden und man sich vom Karosserieschneider seiner Wahl den Aufbau gestalten ließ, wurde der Morris Cowley vorwiegend als Tourenwagen oder Limousine geliefert – ab Werk.

Oldtimer Morris Cowley Six: So wurden Autos vor fast 100 Jahren gebaut

Doch wer heute einen der begehrten sportlichen Oldtimer-Roadster fahren möchte, muss tief in die Tasche greifen – renommierte Athleten aus dem Hause Alfa Romeo, Bentley, Mercedes oder gar Bugatti liegen preislich auf dem Level repräsentativer Immobilien.

Dabei sieht der hier besprochene, lange nach dessen Erstzulassung zum Roadster entwickelte Morris ebenfalls schick und begehrenswert aus, fängt die Blicke der Passanten mit seiner sportiven Aluminium-Karosserie im Renntrimm der Dreißigerjahre.

Innen fällt das Armaturenbrett aus sorgfältig gebürstetem Metall ins Auge, wo einst Holz prangte. Und wo heute der Musiktitel des aktuell gestreamten Songs erscheint, lassen sich hier Dinge wie Geschwindigkeit, Öldruck und Tankfüllstand ablesen. Ein bisschen zu bedienen gibt es natürlich auch: Der stylische schwarze Kippschalter aktiviert die durch Winker ersetzten Blinker.

Genug Infos, um Appetit auf eine Ausfahrt zu bekommen. Und bevor der geneigte Enthusiast zur Probefahrt schreitet, sollte er berücksichtigen, dass die beiden kleinen Windschutzscheibchen jedenfalls vor Wind kaum schützen. Die Hartgesottenen müssen also die Augen zukneifen, ansonsten ist eine Fliegerbrille ratsam.

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Oldtimer Morris Cowley: Bremse und Gaspedal waren ursprünglich vertauscht

Kurze Einweisung für Anfänger – eigentlich sitzt das Gaspedal des Morris Cowley in der Mitte und die Bremse rechts. Wurde bei unserem Fotoexemplar aber aus Gründen der Fahrbarkeit getauscht, so dass das Schema dem heute üblichen entspricht. Fast etwas schade, schließlich gehört ein bisschen Extra-Herausforderung beim Fahren eines Vorkriegsvehikels ja irgendwie dazu. Doch keine Sorge, eine gute Portion Aufmerksamkeit verlangt der Cowley Six noch immer. Einfach intuitiv die Pedale finden – funktioniert nicht. Dafür sind Kupplung und Bremse zu weit auseinander, sodass der Fahrer seine Füße bei jeder Betätigung konzentriert und bewusst koordinieren muss.

Beim Getriebe gibt es Entwarnung, denn der für seine Zeit überaus fortschrittliche Morris rollte als Erstauslieferung bereits mit einem (bis auf den ersten Gang) synchronisierten Vierganggetriebe und hydraulischen Bremsen zum Kunden. Zum Zeitpunkt der Probefahrt war allerdings nicht die zeitgenössische Motor- und Getriebeeinheit montiert. Statt des seitengesteuerten Reihensechszylinders treibt ein 1,8 Liter großer Vierzylinder aus dem MG B die Sportkarosse voran, ein Zustand, der sich aber bald wieder ändern wird – die originale Maschine samt Viergang-Box liegt schon zum Einbau bereit.

Den Fahrspaß trübt der Vierzylinder allerdings nicht, denn mit seinen 95 PS reißt das schnaubende MG-Triebwerk die beinahe ein ganzes Jahrhundert alte Karosse recht dynamisch voran. Und der Besitzer versichert, dass das Schalten mit dem originalen Getriebe weder leichter noch schwieriger vonstattengeht. Also, Konzentration und den Schalthebel mit ein bisschen Gefühl einlegen. Alleine der vierte Gang birgt die Gefahr, dass man aus Versehen den ersten trifft, wenn man den etwas störrischen Hebel geradewegs nach oben führt, und dann kracht es natürlich. Also schön weit nach rechts herüber, dann rastet die auch die längste Übersetzung einfach.

Oldtimer-Test: So fährt sich ein fast 100 Jahre alter Roadster
Morris Cowley Six - ein zum Roadster umgebauter Tourenwagen der höheren Leistungsklasse, Bauzeit 1933 bis 1934 © SP-X/Patrick Broich

So fährt sich der fast 100 Jahre alte Oldtimer

Während der Fahrt macht der betagte Morris richtig Laune, verstärkt wird das Gefühl natürlich durch die Lautstärke und den Wind, der die beiden Insassen ins Gesicht weht. Wer genau das mag, wird aus dem Grinsen gar nicht mehr herauskommen. Frappierend aber auch, wie gut der mit Starrachse und Blattfedern ausgerüstete Brite in der Spur zu halten ist. Bei manch anderem Fahrzeug aus dieser Zeit fällt es schon schwer, mit 60 km/h geradeauszufahren, doch ehe man sich versieht, zeigt der Morris-Tacho 110 km/h während der Überlandfahrt und macht keinerlei Anstalten, von der Fahrbahn abzudriften. Wer bisher keine Erfahrung mit einem solchen Roadster hatte, muss sich natürlich daran gewöhnen, dass er selbst recht luftig in der Karosse weilt.

Oldtimer-Test: So fährt sich ein fast 100 Jahre alter Roadster
Eine Fahrt mit dem Oldtimer ist ein gutes Bizeps-Training. © SP-X/Patrick Broich

Gurte und Türen fehlen vollständig. Man schwingt sich einfach hinein – eine kleine Trittstufe unterstützt dabei – über den Seitenrahmen auf die herrlich patinierten Ledersitze – fertig. Der Blick Richtung Vorderwagen offenbart die schmalen, zeitgenössisch aussehenden Reifen mit der charakteristischen Speichenfelge, heute verbucht unter Narrow-Format. Beim Rangieren ist das praktisch, schließlich sieht man gleich, wohin man lenkt. Ein bisschen Bizeps schadet aber nicht, denn im Stand oder auch bei langsamer Fahrt muss man ganz schön an dem dünnen Lenkrad zerren. Mehr Grip bieten eindeutig Handschuhe, was obendrein auch noch stilecht aussieht.

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So viel kostet der Morris Cowley Six

Bleibt die Frage, wie viel so ein Spaß kostet. Gar nicht leicht zu beantworten, schließlich kommt es darauf an, ob man eine günstigere Basis für wenige 10.000 Euro kauft und dann selbst Hand anlegt respektive anlegen lässt und gleich einen Roadster kauft, den die Vorbesitzer "kreiert" haben. Dann kann der Kurs im hohen fünfstelligen Bereich rangieren.

Ein Geheimtipp sind auch die preislich attraktiven, allerdings deutlich schwächeren Austin Seven, wenn man ein britisches Produkt möchte. Der hier behandelte Morris Cowley Six hat jedenfalls Coolness-Faktor, überhaupt keine Frage. Wiedersehen macht Freude, aber beim nächsten Mal definitiv mit Reihensechszylinder. Schließlich sagt das ja schon sein Name.

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SP-X/Patrick Broich

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