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Lamborghini Countach als Kleinserie: Besser als das Original?

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Lamborghini Countach
Vor 50 Jahren feierte der Lamborghini Countach Premiere. Als Neuauflage dürfte der Supersportwagen ebenso viel Aufsehen erregen. © Automobili Lamborghini S.p.A./dpa-mag

Er galt als erster Supersportwagen der Moderne – mit seinem extremen Design und seinen überragenden Fahrleistungen hat es der Lamborghini Countach in die Herzen der Schnellfahrer geschafft. 50 Jahre nach seiner Premiere feiert er als Kleinserie ein Comeback.

Berlin - Wohl kein anderer Sportwagen hing in den 1970er Jahren häufiger an den Kinderzimmerwänden als der Lamborghini Countach: Mit einem spektakulären Design und einem übermächtigen V12-Motor hat er eine ganze Generation von Supersportwagen geprägt.

Für wen die Kultflunder aus Sant’Agatha damals unerreichbar blieb, der kann sich seinen Traum jetzt nachträglich erfüllen, falls er 2,4 Millionen Euro aufbringt. Denn für diesen Preis legt Lamborghini ihn als Countach LPI 800-4 zum 50. Geburtstag in einer Kleinserie von 112 Exemplaren neu auf.

Ein Design wie damals

Dabei haben sich die Italiener streng ans Original gehalten und erneut einen radikalen Keil auf die Straße gestellt: Der Countach ist 2,10 Meter breit, aber nur 1,14 Meter hoch und mit ganz wenigen Linien gezeichnet. Neben der Form übernimmt er auch die Fledermausohren, durch die Luft zum Motor im Heck strömt. Dass die Neuauflage trotzdem nicht nach retro aussieht und perfekt in die aktuelle Palette passt, liegt aber nicht allein an der Kunstfertigkeit des Designchefs Mitja Borkert. Es liegt auch daran, dass sich bis heute jeder neue Lamborghini am Countach orientiert.

Lamborghini Countach
Der Lamborghini Countach ist 2,10 Meter breit, aber nur 1,14 Meter hoch und übernimmt vom Original die Fledermausohren, durch die Luft zum Motor im Heck strömt. © Automobili Lamborghini S.p.A./dpa-mag

Innen ist es mit den Ähnlichkeiten zwischen den Epochen allerdings nicht ganz so weit her. Zwar hat Borkert das Periskop, mit dem frühe Countach-Fahrer im Rückspiegel über den wuchtigen Motor hinweg schauen konnten, mit einem kleinen Dachfenster neu interpretiert. Viel mehr ist jedoch nicht wiederzuerkennen. Während das Original der Kundschaft zwischen dem hohen Schweller und der niedrigen Schwingtür kaum Platz zum Einsteigen lässt, fällt der Fahrer nun bequem hinters Lenkrad. Auch ist im neuen Countach für die meisten genügend Abstand zwischen Kopf und Decke. Zudem gibt es edlere Armaturen und Schalter.

Kleiner Elektro-Schock für den V12

Bei der Technik macht der Countach ebenfalls einen Sprung. Auch wenn es noch nicht für einen elektrischen Lamborghini gereicht hat, fährt der Countach zumindest mit einem kleinen Elektro-Schock. Dafür haben sich die Italiener beim Sian bedient und unter die Glasplatten im Heck einen V12-Motor geschraubt, dem eine aus Superkondensatoren gespeiste E-Maschine zur Seite steht. Zu den 574 KW/780 PS des 6,5 Liter großen Verbrenners kommen so noch einmal 25 kW/34 PS, die man vor allem in den winzigen Pausen spürt, wenn der Benziner beim Schalten mal Luft holen muss.

Lamborghini Countach
Die Keilform des Lamborghini Countach lässt hinten Platz für einen 6,5 Liter großen V12-Benziner mit 574 kW/780 PS. © Automobili Lamborghini S.p.A./dpa-mag

Was aber bleibt, das ist das Fahrerlebnis. Statt 361 Nm an den Hinterrädern zerren jetzt 720 Nm an allen Vieren. Für den Sprint von 0 auf 100 benötigt er nicht mehr 5,9, sondern nur noch 2,8 Sekunden. Und das Tacho zeigt am Ende 355 statt 292 km/h. Immer performt der neue Countach also besser als die Ursprungsversion. Doch so viel Dynamik stellt die Insassen fast schon auf die Probe. Erst recht, wenn im Nacken mit über 8000 Touren ein Zwölfzylinder wummert und ihnen im übertragenen wie im wörtlichen Sinne mächtig einheizt.

Während es früher allerdings einen kräftigen Griff, einen schweren Fuß und vor allem viel Mut brauchte, um den Sportwagen auf Hochtouren zu bringen, hat die Elektronik jetzt alles unter Kontrolle. Zumindest, solange man nicht in den Corsa-Modus wechselt und das knapp 1600 Kilogramm schwere Gefährt doch wieder zu jenem Kampfstier wird, der vorn auf der Haube prangt. Dabei hat der Name - anders als bei anderen Lamborghinis - nichts mit dem Stierkampf zu tun. Sondern „Countach“ ist der Ausruf des Staunens, der ihnen im Piemont entfährt, wenn sie etwas Unglaubliches zu Gesicht bekommen. Viel passender hätte man den Namen damals kaum wählen können.

Fazit: Die Revolution fehlt, die Begeisterung bleibt

Der ganz große Wow-Effekt dürfte heute wohl eher ausbleiben. Klar sieht auch der neue Countach sensationell aus. Doch so gut die Neuinterpretation auch gelungen ist, so wenig haben die Italiener den Supersportwagen revolutioniert. Stattdessen wurde er lediglich auf den neuesten Stand gebracht. Doch der Erfolg gibt ihnen recht: Noch bevor der erste Countach ausgeliefert wurde, war die Kleinserie längst ausverkauft.

Datenblatt: Lamborghini Countach LPI 800-4

Motor und Antrieb:V12-Benziner mit Superkondensator-Mild-Hybrid
Hubraum:6498 ccm
Max. Leistung:574 kW/780 PS bei 8500 U/min
Max. Drehmoment:720 Nm bei 6750 U/min
E-Motor:34 kW/46 PS
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Siebengang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge:4870 mm
Breite:2099 mm
Höhe:1139 mm
Radstand:2700 mm
Leergewicht:1595 kg
Zuladung:505 kg
Kofferraumvolumen:63 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:355 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:2,8 s
Durchschnittsverbrauch:k.A.
Reichweite:k.A.
CO2-Emission:k.A.
Kraftstoff:Super
Schadstoffklasse:Eu6
Energieeffizienzklasse:k.A.
Kosten:
Basispreis des Lamborghini Countach LPI 800-4:2,4 Millionen Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:k.A.
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Adaptiver Tempomat-
Komfort:Klimaautomatik, Infotainment-System, Navigation
Öko-Technik:48 Volt-Mild-Hybrid

Alle Daten laut Hersteller dpa

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