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Pkw-Dichte auf Rekordhoch: Trend geht zum Zweit- und Drittauto

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Von: Sebastian Oppenheimer

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Von einer Verkehrswende ist in Deutschland kaum etwas zu spüren: In den vergangenen zehn Jahren ist die Pkw-Dichte durchgehend gestiegen.

Autofahren war noch nie ein wirklich billiges Vergnügen – doch gerade in den letzten Monaten mussten Pkw-Besitzer mentale Stärke beweisen, wenn es an die Zapfsäule ging: Die Spritpreise sind in schwindelerregende Höhen gestiegen, da konnte auch der umstrittene „Tankrabatt“ nur wenig Linderung verschaffen. Preislich gibt es deutliche regionale Unterschiede: In Bayern sind Benzin und Diesel laut Kartellamt am teuersten. Doch den E-Auto-Fahrern geht es nicht viel besser: Auch die Strompreise haben kräftig angezogen – und Gratis-Laden ist auch bei Lidl und Kaufland inzwischen Geschichte. Aber, ob sich deshalb die Menschen so schnell vom Auto verabschieden? Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) hat die Zahl der Pkw in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen – und ist sogar stärker gewachsen als die Bevölkerung.

Autos stehen im Stau
Die Pkw-Dichte hat in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland zugenommen. (Symbolbild) © Gottfried Czepluch/Imago

Pkw-Dichte auf Rekordhoch: Trend geht zum Zweit- und Drittauto

Kamen im Jahr 2011 noch 517 Autos auf 1.000 Einwohner, so waren es zehn Jahre später, im Jahr 2021, schon 580 Pkw pro 1.000 Einwohner. In der Pkw-Dichte gibt es regionale Unterschiede: Die meisten Pkw pro 1.000 Einwohner gibt es im Saarland (658), in Rheinland-Pfalz (632) und Bayern (622). Die niedrigste Pkw-Dichte haben die Stadtstaaten Berlin (337), Hamburg (435) und Bremen. Auch europaweit nahm die Pkw-Dichte zu: Die meisten Autos im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gibt es in Luxemburg (682), Italien (670) und Polen (664) – die wenigsten in Rumänien (379), Lettland (390) und Ungarn (403).

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Pkw-Dichte auf Rekordhoch: Anfang des Jahres 48,5 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen

Die Zahl der zugelassenen Autos in Deutschland befindet sich auf einem Rekordhoch: Zum 1. Januar 2022 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 48,5 Millionen Pkw zugelassen. Laut Statistischem Bundesamt ging der Trend in den vergangenen zehn Jahren zum Zweit- oder Drittwagen. So veränderte sich der Anteil der Haushalte, die mindestens ein Auto besitzen, von 2011 (77,9 Prozent) zu 2021 (77,0 Prozent) kaum. Allerdings stieg im selben Zeitraum der Anteil von Haushalten mit zwei Pkw von 23,4 auf 27, 0 Prozent und der Anteil der Haushalte mit drei oder mehr Pkw sogar von 3,7 auf 6,1 Prozent an.

Pkw-Dichte auf Rekordhoch: Verkehrsforscher fordert drastische Maßnahmen

Die Zahl der Elektroautos auf den Straßen nimmt langsam zu: Laut KBA waren bei den zwischen Januar und Juli 2022 neu zugelassenen Fahrzeugen 13,6 Prozent reine Stromer. Insgesamt ist der E-Autobestand aber noch gering: Zum Jahresbeginn 2022 waren nur 1,3 Prozent der hierzulande zulassen Pkw Elektroahrzeuge. Von einer echten Verkehrswende ist also noch wenig zu spüren. Ein deutscher Verkehrsforscher hatte deshalb drastische Maßnahmen gefordert: Autofahren müsse „finanziell unattraktiv“ werden. Allerdings sind viele Menschen auf Auto angewiesen, etwa um in die Arbeit zu kommen – und auch Familien tun sich mit einem kompletten Verzicht schwer, wie kürzlich ein Experiment in Hamburg gezeigt hat.

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