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Psycho-Trick an der Tankstelle: Darum bezahlen wir fast nie den vollen Preis

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Von: Marcus Efler

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Fast jede Preisangabe für Benzin oder Diesel endet mit einer unauffälligen 9. Das steckt dahinter.

München – Tanken tut weh – im Geldbeutel. Auch, wenn sich die Kraftstoffpreise wieder etwas von ihren Rekordständen im Herbst des vergangenen Jahres entfernt haben: Ein voller Tank ist richtig teuer. Längst haben wir uns an Preise wie 1,59 Euro für den Liter Super oder 1,52 Euro für Diesel gewohnt.

Und sind genau damit schon auf einen der ältesten Tricks der Mineralölbranche hereingefallen. Denn wenn wir auf der großen Preistafel lesen: 1,59, oder sogar stolz erzählen: „Hey, gestern Abend habe ich für 1,55 getankt“, haben wir etwas Wichtiges ignoriert. Nämlich die oft kleinere 9, die fast jede Preisangabe abschließt. (Petition gegen Rekord-Spritpreis: Autoclub will Obergrenze festlegen lassen)

Psycho-Trick an der Tankstelle: Darum bezahlen wir fast nie den vollen Preis

Sie steht für 0,9 Cent pro Liter. Der kostet im ersten Beispiel nämlich eben nicht nur 1,59 Euro, sondern 1,599, also fast 1,60 und damit gut einen Cent mehr, als die Preisangabe auf den ersten Blick suggeriert. (Fast) jeder Autofahrer weiß das natürlich, aber ignoriert es mehr oder weniger. Und (fast) jede Tankstelle macht das so. Aber warum eigentlich? (Umweltbundesamt prescht vor: Irre Forderung trotz steigender Spritpreise)

Psycho-Trick an der Tankstelle: Das hat Sprit mit Butter zu tun

Der Legende nach bekam ganz früher mal der Tankwart (den es heute kaum noch gibt) die damals 0,9 Pfennig pro Liter. Heute aber wenden die Ölkonzerne, die den Tankstellen-Pächtern die Preise vorgeben (und sie mehrmals täglich anpassen), sowie die freien Stationen einen uralten Marketing-Trick an, wie 24auto.de erklärt. Denn dank der 9 am Ende wirkt das ganze Produkt preiswerter, ohne dass der Händler spürbare Umsatz-Einbußen hat: Ein Päckchen Butter scheint mit 1,69 Euro günstiger als mit 1,70, das TV-Gerät für 499,99 Euro eher ein Schnäppchen als jenes für 500 Euro. (Spritpreise in Deutschland: So teuer könnten Diesel und Benzin werden)

Preisangabe für Kraftstoff (Symbolbild)
Meist ignoriert, aber effektiv: Die 9 am Ende der Preisangabe. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Psycho-Trick an der Tankstelle: Eine „ehrliche“ Preisangabe wäre schlecht fürs Geschäft

Einen echten Unterschied im Geldbeutel der Kunden macht der Psycho-Preis natürlich nicht. Trotzdem wagt kaum eine Tankstelle eine „ehrliche“ Preisangabe: Wenn der Liter Super 1,60 Euro kostet, während die Konkurrenz ein paar Meter weiter nach wie vor 1,599 (mit kleiner 9 am Ende) auf die Tafel schreibt, ist das wahrscheinlich schlecht fürs Geschäft.

Doch wie bezahlen wir diese Nicht-mal-Cent überhaupt? Klar: Wer zehn Liter tankt, dessen Rechnung macht der genau neun Cent teurer. Doch in den allermeisten Fällen geht es nicht genau auf, und es bleiben ein paar Cent-Bruchstücke übrig. Und hier kommt dann endlich mal eine gute Nachricht für Autofahrer: Die Endsumme wird grundsätzlich nach unten abgerundet – auch dann, wenn sie mit 0,5 bis 0,9 Cent abschließt. Im besten Fall spart der Tankkunde insgesamt also fast einen ganzen Cent. *24auto.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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