Recycelte Materialien haben viele Vorteile im Autobau

Aus der Tonne: Fast alle schwarzen Kunststoffteile der Außenhaut der Mercedes S-Klasse sind aus recycelten Stoffen. Foto: Daimler
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Aus der Tonne: Fast alle schwarzen Kunststoffteile der Außenhaut der Mercedes S-Klasse sind aus recycelten Stoffen. Foto: Daimler
Ein Zentner altes Plastik: Mercedes gibt das Gewicht der Bauteile aus wiederverwerteten Kunststoffen bei der S-Klasse mit 49,7 Kilo an. Foto: Daimler
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Ein Zentner altes Plastik: Mercedes gibt das Gewicht der Bauteile aus wiederverwerteten Kunststoffen bei der S-Klasse mit 49,7 Kilo an. Foto: Daimler
Neuware mit alten Teilen: Nicht nur beim i3 setzt BMW diverse Kunststoffe ein, die ein Vorleben haben. Foto: BMW/Uwe Fischer
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Neuware mit alten Teilen: Nicht nur beim i3 setzt BMW diverse Kunststoffe ein, die ein Vorleben haben. Foto: BMW/Uwe Fischer
Flasche, leer: Teile der Sitzbezüge im BMW i3 werden aus ehemaligen Plastikflaschen hergestellt. Foto: BMW
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Flasche, leer: Teile der Sitzbezüge im BMW i3 werden aus ehemaligen Plastikflaschen hergestellt. Foto: BMW
Leicht und kompliziert: Ein Großteil der Karosserie-Struktur des BMW i3 besteht aus Karbon. Dessen Recycling ist recht aufwendig. Foto: BMW
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Leicht und kompliziert: Ein Großteil der Karosserie-Struktur des BMW i3 besteht aus Karbon. Dessen Recycling ist recht aufwendig. Foto: BMW
Schnell auf 170: Zahlreiche Teile des Opel Adam werden aus recyceltem Plastik hergestellt, die meisten sind nicht sichtbar. Foto: Opel
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Schnell auf 170: Zahlreiche Teile des Opel Adam werden aus recyceltem Plastik hergestellt, die meisten sind nicht sichtbar. Foto: Opel
Altplastik mit Vorteilen: Der Wasserabweiser im Motorraum des Opel Adam wird aus Deckeln von Getränkeflaschen hergestellt. Foto: Opel
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Altplastik mit Vorteilen: Der Wasserabweiser im Motorraum des Opel Adam wird aus Deckeln von Getränkeflaschen hergestellt. Foto: Opel
Innenleben mit Vorleben: Beim Opel Adam bestehen 170 Teile aus recycelten Kunststoffen. Foto: Opel
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Innenleben mit Vorleben: Beim Opel Adam bestehen 170 Teile aus recycelten Kunststoffen. Foto: Opel

Sitzbezüge aus Plastikflaschen oder Radläufe aus alten Stoßfängern: Viele Hersteller setzen beim Autobau auf recycelte Produkte. Doch der Einsatz wiederverwerteter Ware hat auch Grenzen.

Berlin (dpa/tmn) - "Ich war eine Dose" lautete der Slogan einer Plakatkampagne in den 80er Jahren. Auf den Plakaten war ein Nagel abgebildet, der zeigen sollte, dass eine alte Getränkedose ein zweites Leben haben kann. Heute ist Recycling selbstverständlich, auch in der Autoindustrie.

Ein Beispiel ist Daimler: Die Außenhaut hält der Hersteller weitgehend für abgegrast. Hier haben inzwischen fast alle schwarzen Kunststoffteile ein Vorleben - an einem Mercedes. Die Radläufe beispielsweise bestehen überwiegend aus ehemaligen Stoßfängern. "Die werden als Altteile aus den Werkstätten eingesammelt und zu Mahlgut verarbeitet", erklärt Anita Engler, bei Daimler verantwortlich für umweltgerechte Produktentwicklung. Zum Teil kommen noch Plastikschnipsel von Flaschendeckeln oder Gehäuse von Starterbatterien hinzu.

Beim Elektroauto BMW i3 etwa bestehen rund 25 Prozent der thermoplastischen Kunststoffe aus wiederverwerteten Materialien, sogenannten Rezyklaten, erläutert Steffen Aumann, Leiter Recycling bei der BMW Group. Auch Teile der Sitzbezüge werden aus alten Plastikflaschen hergestellt. Opel spricht beim Kleinwagen Adam von 170 Komponenten, die aus Kunststoffen mit Vorgeschichte gefertigt wurden. Und Daimler gibt das Gewicht der Bauteile aus wiederverwerteten Kunststoffen in der aktuellen Mercedes S-Klasse mit 49,7 Kilogramm an. Das seien 134 Prozent mehr als in der Vorgängergeneration, so Engler.

Recycelte Stoffe beim Autobau einzusetzen, hat für viele Hersteller einen Vorteil. So lässt sich zum Beispiel der Energieverbrauch bei der Fertigung senken. Opel beziffert die Einsparung an CO2 auf 30 Prozent, weil Kunststoff-Granulat mit niedrigeren Temperaturen und weniger Druck erzeugt werden kann. Laut EU-Verordnung müssen seit diesem Jahr 95 statt bislang 85 Prozent des Gewichts eines Autos recycelt werden können. Damit das funktioniert, muss schon bei der Produktion ein Recycling-Konzept erstellt werden.

Wiederverwertbare Stoffe können unter Umständen neuer Ware überlegen sein, wie man bei Opel festgestellt hat. Dort schätzt man unter anderem, dass sie weniger zu Maß- und Formveränderungen neigen. So werden beim Adam Scheinwerfergehäuse, Stoßfängerbefestigungen oder der Wasserabweiser zwischen Motorraum und Spritzwand aus recycelten Kunststoffen hergestellt. Auch das Saugrohr des Motors, das immerhin Temperaturen zwischen 40 Grad minus und 200 Grad überstehen muss.

Unbegrenzt können recycelte Materialien im Autobau nicht eingesetzt werden. "Crash-Strukturen etwa oder Bauteile, die mit dem Airbag in Zusammenhang stehen, werden nicht aus Rezyklat hergestellt", sagt Anita Engler von Daimler. Die Materialien weisen eine etwas größere Streuung beim Schwingungsverhalten und der Reißdehnung auf, was über die Zugabe von Additiven ausgeglichen oder bei der Produktionsanlage des Bauteils berücksichtigt werden müsse, wie Engler erläutert. Deshalb eignen sie sich nach Auffassung von Daimler nicht für sicherheitsrelevante Bauteile.

Damit dieses Material dann über den gesamten Lebenszyklus eines Modells eingesetzt werden kann, muss es in ausreichender Menge vorhanden sein. "Wenn wir ein Rezyklat getestet und entwickelt haben, das unsere Anforderungen erfüllt, wollen wir das in möglichst vielen Baureihen einsetzen", sagt Anita Engler. Bei einer Generationsdauer von etwa sieben Jahren im Automobilbau können erhebliche Mengen anfallen. Nicht immer gibt es diesen Vorrat. Für die Umwelt aber verheißen die Bestrebungen der Autobauer gute Aussichten.

Auch moderne Umwelttechnologien sind vom Kreislauf der Wiederverwertung nicht ausgenommen. Toyota, der führende Hersteller von Hybrid-Fahrzeugen, versucht das Batterie-Recycling weitgehend selbst zu organisieren. "Theoretisch kann man die Hybridbatterie jedem Entsorger geben", erklärt Toyota-Sprecher Dirk Breuer. Die Vertrags-Händler aber geben alte Akkus zur Wiederverwertung an Toyota zurück und bekommen im Gegenzug einen neuen. Derzeit liegt die "Sammel-Rate" alter Module bei Toyota bei 91 Prozent und soll auf 100 Prozent erhöht werden. Die Wiederaufbereitung der Akkus erfolgt dann über Partnerunternehmen.

Bei der Elektromobilität gewinnt auch Carbon zunehmend an Bedeutung. "Immer, wenn Sie Metall ersetzen, ist das eine gewisse Herausforderung", sagt Steffen Aumann von BMW. Der Verbundstoff Carbon wird aus Fasermatten hergestellt, die mit Harz getränkt und gebacken werden. "Für das Recycling muss man das Harz von der Faser trennen und kann dann wieder neues Material daraus herstellen." Der Aufwand ist vergleichsweise hoch. Doch das Leichtbaupotenzial von Carbon macht eine Wiederverwertung lohnenswert. Schon jetzt werde in der Produktion recycelt. "Verschnittreste werden zum Beispiel im Dach eingesetzt", so Aumann. Doch die eingesetzten Mengen an Carbon seien derzeit noch so gering, dass Recycling eine untergeordnete Rolle spiele.

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