Fahrtest

Der sanfte Riese: So fährt sich die neue Honda GL 1800 Gold Wing

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Wie sich die die neue Gold Wing-Version fährt? Ein Redakteur hat den (Fahr-)Test gemacht.

Die Gold Wing ist der Tourendampfer schlechthin. Hier erfahren Sie alles darüber, wie sich die neueste Version von Hondas sanftem Riesen unterwegs schlägt.

Es war einmal im Jahr 1975: Da präsentierte Honda ein Motorrad namens GL 1000 Gold Wing. Damals noch mit Vierzylindermotor und kaum tourentauglich. Die Kunden wollten aber reisen – darum kam 1980 die GL 1100 mit Sechszylindermotor.

Top oder Flop? Die Honda GL 1800 Gold Wing auf dem Prüfstand

Seither ist das japanische Schwergewicht der Inbegriff des luxuriösen Tourendampfers. Und nun stehen wir vor der aktuellen GL 1800 Tour mit DCT-Getriebe und Airbag, das Topmodell des sanften Reise-Riesen.

Honda GL 1800 Gold W: Die Neuerungen 

Honda hat die Tourer-Legende technisch und optisch komplett überarbeitet. So leuchten beispielsweise rundum LED, die Aerodynamik wurde verbessert und die in ihren Dimensionen geschrumpfte Windschutzscheibe ist elektrisch verstellbar, die Sitzposition nun wieder etwas aufrechter und sie ist leichter geworden – je nach Modell und Ausstattung sollen es laut Hersteller bis zu 48 Kilogramm geworden sein. Statt 413 Kilogramm wiegt nun die Basis-Wing 365 Kilogramm.

Die beiden weiteren Versionen bringen 379 beziehungsweise 383 Kilogramm auf die Waage. Das ist immer noch eine Menge Leicht- und Schwermetall, das es zu beherrschen gilt.

Aber die Japaner haben an ihre Kundschaft gedacht: Die neue Gold Wing wirkt kleinerund das ist durchaus beabsichtigt: Der Gesamteindruck soll, so Honda, durch eine straffere Linienführung weniger opulent sein. Das nimmt nicht zuletzt die Angst vor der Masse. Drei Versionen stehen zur Wahl:

  • die Basis-Gold Wing
  • die Gold Wing Tour und als Topmodell
  • die Gold Wing Tour mit DCT und Airbag.

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Doch losgefahren wird noch nicht. Erst einmal muss man sich noch mit diversen Neuheiten und Ausstattungsmerkmalen vertraut machen:

Ins Auge fällt natürlich zuerst das zentrale Cockpit mit 7-Zoll-TFT-Farbdisplay, bei dem acht Beleuchtungslevel vorwählbar sind. Dann sollte man wissen, dass die Gold Wing im Top-Modell ein Start-Stopp-System für weniger Verbrauch besitzt, das nach drei Sekunden Stillstand beispielsweise an der roten Ampel im Leerlauf den Motor abschaltet. Ein Dreh am Gasgriff genügt, um den Motor wieder zum Laufen zu bringen. Wen es nervt: Es kann auch deaktiviert werden. Angesichts des Gesamtgewichts ist die Rangierhilfe ein praktisches Accessoire.

In der DCT-Version kann man das Motorrad vorwärts mit 1,8 km/h und rückwärts mit 1,2 km/h bewegen, indem man einen Schalter am Lenker betätigt. Die anderen beiden Versionen haben ab Werk einen Rückwärtsgang. Die Gold Wing ist kompatibel mit Apple Car Play, so dass der Fahrer beispielsweise unterwegs auf gespeicherte Informationen zurückgreifen kann. Anbindung an Bluetooth ist möglich, auch ein USB-Anschluss ist im Topcase installiert (dafür flog der Schminkspiegel raus) – die Connectivity ist gewährleistet.

Das ist schön, aber es ist ein Motorrad, mit dem man natürlich auch fahren kann. Gemach, sagt der Honda-Techniker und weist darauf hin, dass vier Fahrmodi zur Verfügung stehen, die mit der Traktionskontrolle verknüpft sind:

  • Tour
  • Sport
  • Econ und
  • Rain

Federung und Dämpfung sind elektrisch einstellbar und eine Berganfahrhilfe ist auch noch eingebaut. Der Tempomat bleibt in der DCT-Variante auch bei Bremsmanövern im Hintergrund aktiv und schaltet sich beim erneuten Erreichen des gewählten Tempos selbstständig wieder ein. Die Fahrer der anderen beiden Versionen müssen wieder neu einstellen. Ein Luxus-Problem. Der 21-Liter-Tank ist um vier Liter kleiner als beim Vorgängermodell, dieser Reichweiten-Nachteil soll durch einen geringeren Verbrauch kompensiert werden.

Honda GL 1800 Gold Wing: Die Fahreindrücke

Und jetzt geht es los. Schlüssellos und auf Knopfdruck wird der Sechszylinder gestartet und die Gold Wing rollt vom Hof. Anfangs mit ordentlich Respekt vor der Masse und dem Wert, dann aber, Kilometer für Kilometer, sinkt die Scheu und man gewöhnt sich an das Monstrum. Dank Doppelkupplungsgetriebe DCT kann man die Schaltarbeit der Automatik überlassen, die aus sieben Gängen so gut wie immer den passenden raussucht. Die Gangwechsel sind ruckzuck erledigt und harmonieren mit dem eingestellten Fahrmodus.

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Der Sound, der den beiden Riesenrohren entweicht, ist so gar nicht säuselnd, wie man das erwarten könnte, sondern eher bellend und kernig. Ja, die Honda signalisiert, dass sie durchaus gewillt ist, ihre 126 PS einzusetzen und das nächste Ziel nicht in Schleichfahrt erreichen will. Da die Maximalleistung bei 5.500 Umdrehungen und das maximale Drehmoment von 170 Nm sogar schon bei 4.500 Umdrehungen erreicht werden, muss man nicht endlos orgeln, sondern kann den Dampf von unten raus genießen. Der ist ausreichend vorhanden, was dadurch bewiesen wird, dass die Honda gerade mal 4 ,3 Sekunden von Null auf Tempo 100 braucht.

Kehre um Kehre wird einem die Gold Wing vertrauter und man beginnt so nach und nach mit dem Kurven-Swing. Dabei überzeugt das Fahrwerk, auch auf weniger gutem Belag bringt es die deutlich über neun Zentner schwere Fuhre nicht aus der Ruhe. Der Genuss steigt. Ein kurzer Abstecher auf die Autobahn muss sein. Hinter der elektrisch verstellbaren Windschutzscheibe ist es angenehm ruhig, die Honda läuft stoisch geradeaus und bei 180 km/h ist Schluss. Da wird abgeriegelt, hat der Hersteller entschieden, Tourenfahrern wird offenbar keine schnellere Gangart zugetraut.

Das Dual Combined ABS Brake System (D-CBS) hat nie Probleme, das Riesenschiff ausreichend zu verzögern oder zum Stillstand zu bringen, notfalls auch rabiat. Die serienmäßigen Airbags kamen nicht zum Einsatz, beruhigend war es dennoch, sie an Bord zu wissen. Der Verbrauch wurde vom Bordcomputer mit 6,0 Litern angegeben. Das ergibt rechnerisch eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern – ein Wert, über den manch anderer Tourer müde lächelt.

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Überhaupt hat Honda mit der neuen GL 1800 Gold Wing offenbar eine etwas abgewandelte Zielgruppe im Visier. Da der Motorradfahrer von heute eher kürzere Reisen von nur zwei, drei Tagen Dauer mache, benötige er weniger Platz fürs Gepäck, sagt der Hersteller. Also reduzierte man das Volumen dafür. Die Top-Box fasst nun 50 Liter Gepäck (was zwei Integralhelmen entsprechen soll), die beiden Seitenkoffer je 30 Liter. Wiegen darf die Zuladung bei der Top-Version maximal 203 Kilogramm, was so gar nicht zum Anspruch eines Tourenmotorrades passen will.

Honda GL 1800 Gold Wing: Die Kosten

Ein gut gefülltes Konto braucht's überdies, soll die Gold Wing erstanden werden. Die Basisversion kostet 25.990 Euro, die Version Tour 31.990 Euro und fürs Topmodell mit DCT und Airbags sind 35.990 Euro fällig.

Honda GL 1800 Gold Wing: Das Fazit 

Wer keine Angst vor der Masse hat, viel Technik und Ausstattungsdetails liebt sowie Aufmerksamkeit der Umstehenden genießen kann, sich gerne in nahezu unendlich viele Einstellmöglichkeiten vertieft und dazu noch ein bisschen Motorrad fahren will, kann auf die Gold Wing steigen. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt, wird er seine Freude haben.

Honda GL 1800 Gold Wing: Technische Daten

  • Motor: flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Boxermotor mit 1.833 ccm Hubraum
  • Leistung: 126 PS (93 kW) bei 5500 U/min
  • Drehmoment: 170 Nm bei 4500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Radstand: 1695 mm
  • Sitzhöhe: 745 mm
  • Gewicht (vollgetankt): 383 kg
  • Tankinhalt: 21 Liter
  • Testverbrauch: 6,0 Liter
  • Preis: 35 990 Euro

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Von Volker Pfau

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