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Laut Studie: Milliardenschäden durch "Pokémon Go"-Unfälle

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Von: Franziska Kaindl

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Laut einer Studie soll "Pokémon Go" für steigende Unfallzahlen gesorgt haben.
Laut einer Studie soll "Pokémon Go" für steigende Unfallzahlen gesorgt haben. © pixabay

Eine Studie mit dem reißerischen Titel "Death by Pokémon Go" rechnet dem Augmented-Reality-Spiel Milliardenschäden im Straßenverkehr zu - was ist dran?

Als im Juli 2016 das Augemented-Reality-Spiel "Pokémon Go" auf dem Markt kam, schien es wochenlang kein anderes Thema mehr zu geben. Mittlerweile ist der Hype etwas abgeklungen, doch der Entwickler Niantic ist nach wie vor dick im Geschäft.

Eine Studie von Mara Faccio und John J. McConnell von der Purdue University in West Lafayette im US-Bundesstaat Indiana behauptet nun, dass durch das Spielen von "Pokémon Go" die Anzahl der Unfälle in den USA gestiegen ist und somit Milliardenschäden entstanden sind - doch sind die Zahlen wirklich repräsentativ?

Studie: Ist "Pokémon Go" für Milliardenschäden verantwortlich?

Seit der Einführung von "Pokémon Go" ist im Netz über viele skurrile Geschichten im Zusammenhang mit dem Game berichtet worden - darunter auch Verkehrsunfälle. Dies scheinen die beiden Autoren als Idee für ihre Studie genommen zu haben. Dafür wurden rund 12.000 Unfallberichte der Polizei in Tippecanoe County, einer Gemeinde in Indiana, ausgewertet. Der Zeitraum liegt zwischen Anfang März und Ende November 2016. Faccio und McConnell prüfen, ob sich in der Nähe von sogenannten "Pokéstops", wo sich die Spieler mit Items versorgen können, tatsächlich mehr Unfälle zutrugen als vor der Einführung.

In der Tat errechnen die beiden Autoren einen Anstieg um 286 Unfälle im Vergleich zum Vorjahr in den 148 Tagen seit der Spieleinführung. 134 davon sollen sich in der Nähe von "Pokéstops" zugetragen haben und auch damit im Zusammenhang stehen. Um diese Zahlen zu vergleichen, wurde die Unfallhäufigkeit innerhalb eines 100-Meter-Radius von "Pokéstops" mit der an weiter entfernteren Kreuzungen abgewägt. Faccio und McConnell kamen zu dem Ergebnis, dass die Unfallwahrscheinlichkeit an Kreuzungen in der Nähe der Ingame-Tankstellen um 26,5 Prozent höher sei. Die Schäden würden 500.000 Dollar betragen. Für die gesamte USA wären das hochgerechnet 7,3 Milliarden Dollar, argumentieren die Autoren.

"Pokémon Go": Sind die Studienergebnisse glaubwürdig?

Die Studie wurde noch keinem Peer-Review unterzogen, doch auch so wird bereits Kritik an den schlampigen Methoden der Berechnungen laut. So geben die Verfasser selbst zu, dass einige Zahlen "spekulativ" seien, wie zum Beispiel die Hochrechnung der Unfälle und der Schäden auf die gesamten USA.

Dazu kommen noch weitere Nachlässigkeiten wie Zeiträume, die vermischt wurden und die Annahme, die Zahlen aus dem County Tippecanoe wären repräsentativ für das ganze Land. Wie das Online-Portal Zeit urteilt, könnte die Unfallrate durch "Pokémon Go" durchaus gestiegen sein, doch die errechneten Zahlen wären mehr als fragwürdig.

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Von Franziska Kaindl

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