Für den Adrenalinkick

Tuner, Poser, Raser - Nicht alle fahren illegal Auto

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Aufgemotzte Maschinen: Nur der abgesicherte Raum etwa einer Rennstrecke wie dem Hockenheimring liefert den legalen Rahmen für ein PS-Kräftemessen.

Tuner und Poser werden häufig mit Rasern in einen Topf geworfen. Dabei unterscheiden sich die Gruppen deutlich voneinander - bis auf eine Kleinigkeit.

Roßbach - Quietschende Reifen, starke Beschleunigung und abrupte Stopps an der nächsten Ampel. Illegale Autorennen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Polizei bekämpft sie und gründete dazu schon in mehreren Städten Spezialeinsatzkommandos.

Doch nicht jedes tiefergelegte und getunte Auto wurde illegal verändert. Für Harald Schmidtke vom Verband der Automobil Tuner (VDAT) gibt es ein paar gravierende Unterschiede zwischen Posern, Rasern und Tunern.

Tuner, Poser, Raser und Mittäter

"Tuner sind Autoenthusiasten, die im Rahmen der geltenden Regeln ihrem Hobby nachgehen, dem Individualisieren von Serienfahrzeugen mit zulässigem Zubehör", sagt er. Zu den Posern zählt er Autofahrer, die ihr Fahrzeug manipulieren, es extra laut machen und unbedingt auffallen wollen - jenseits des Gesetzes.

Zu Rasern bei illegalen Autorennen zählt er Verkehrsteilnehmer, die sämtliche Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) außer Acht lassen und Menschen gefährden. Dabei müssen nicht unbedingt zwei Autofahrer gegeneinander fahren. Als Teilnehmer von Straßenrennen gilt der Autofahrer, wenn er sämtliche Regeln der StVO ignoriert, deutlich schneller unterwegs ist als erlaubt und dabei in Kauf nimmt, andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Übrigens werden auch Beifahrer als Täter betrachtet.

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Von der Geldstrafe bis zur Freiheitsstrafe

Doch nicht nur die Raser werden belangt, sondern alle Beteiligten wie auch die Veranstalter von solchen illegalen Rennen. Nach Angaben des ADAC droht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Dazu kommen drei Punkte in Flensburg und der Führerscheinentzug. Je nach Härte des Vergehens, wie einem Rennen mit Unfallfolge oder gar tödlichem Ausgang, drohen bis zu zehn Jahre Haft. Doch nicht nur die Fahrer werden dann belangt, auch ihr Fahrzeug wird eingezogen - für manche Raser die Höchststrafe.

Die Strafen wurden erhöht, da es in der Vergangenheit mehrere illegale Autorennen mit tödlichem Ausgang in Deutschland gab. Seit Oktober 2017 gelten deshalb illegale Straßenrennen nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeit, bei dem ein Bußgeld wegen eines "Rennens mit einem Kraftfahrzeug" (Paragraph 29 I StVO) verhängt wird, sondern als "Verbotenes Kraftfahrzeugrennen im Sinne des Paragraph 315d des Strafgesetzbuchs (StGB)", also als Straftat, die deutlich härter bestraft wird.

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Für mehr Anerkennung und den Adrenalinkick

Bei ihrer Motivation unterscheiden sich Tuner von Posern und Teilnehmern illegaler Straßenrennen kaum. "Es geht bei allen um Anerkennung, die sie sich allerdings auf unterschiedliche Art und Weise holen", sagt Daniela Rechberger, Diplom-Psychologin und MPU-Beraterin aus Köln. Raser und Teilnehmer von illegalen Autorennen versuchten, ihr oftmals geringes Selbstwertgefühl durch die Raserei auszugleichen. "Die Fahrer denken dabei, sie sind die schnellsten, besten und tollsten Autofahrer, berauschen sich an ihrem Adrenalinkick", sagt Rechberger.

Legal Tempo machen: Rennstrecken wie der Hockenheimring veranstalten regelmäßig einen Public Race Day.

Dabei komme es nicht unbedingt auf die Geschwindigkeit an - sonst könnten sie auch ihren Kick bei Publikumsfahrten auf einer Rennstrecke holen. "Vielen geht es darum, etwas Besonderes zu machen und die eigenen Regeln aufzustellen. Diese Personen haben meist kein Problembewusstsein", sagt Rechberger. Autofahrer, die illegale Raserei von ihrer Persönlichkeitsstruktur interessant finden, ließen sich von den Gefahren nicht beeindrucken.

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Strengere Kontrollen und mehr legale Events

Ein Umdenken funktioniere nur, wenn sich die Denkweise der Fahrer dauerhaft verändere, das Selbstwertgefühl steigt und Regeln akzeptiert und auch eingehalten werden. Ihrer Meinung nach lässt sich das nur durch strengere Verkehrskontrollen erreichen.

Autofahrer, die es dennoch gerne mal qualmen lassen wollen, können ihr Verlangen bei legalen Beschleunigungsrennen ausleben. Tuning- oder Motorsportclubs organisieren diese in einigen Regionen auf abgesperrten Straßen oder nicht öffentlichen Geländen wie Flughäfen für Kleinflugzeuge. Auch Rennstrecken wie der Hockenheimring veranstalten mindestens einmal im Jahr einen Public Race Day.

Allerdings besteht bei den meisten Autoversicherungen kein Schutz für Schäden, die bei einer solchen Veranstaltung entstehen, bei denen es auf die Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt. Gleiches gilt für dazugehörige Übungsfahrten. Autofahrer sollten sich am besten bei ihrem Kfz-Versicherer erkundigen, welche Optionen es für den passenden Versicherungsschutz gibt, rät der GDV. Nur wenn die Rechtsfrage geklärt ist, lässt es sich sorgenfrei schnell fahren.

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dpa/tmn

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Johan Eriksson ist der einzige zweifache Gewinner des European Tuning Showdowns. Deshalb stehen seine Autos neben der amtierenden Miss Tuning Laura Fitzek. Autos: Dodge Charger RTR, Dodge Charger RT, Dodge Viper GTS. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Johan Eriksson schraubt nicht nur an Autos, er hat auch schon Hand an eine Harley Davidson gelegt und der Maschine ein Facelift verpasst. Miss Tuning Laura nahm das Gefährt in Augenschein - und zeigte sich begeistert. Auto: Dodge Charger RT, Motorrad: Harley Davidson Custom.
Johan Eriksson schraubt nicht nur an Autos, er hat auch schon Hand an eine Harley Davidson gelegt und der Maschine ein Facelift verpasst. Miss Tuning Laura nahm das Gefährt in Augenschein - und zeigte sich begeistert. Auto: Dodge Charger RT, Motorrad: Harley Davidson Custom. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Ein italienischer Klassiker und eine saarländische Schönheit vor schwedischem Gewässer: Hier posiert Miss Tuning Laura an einem Strand des Siljansees. Auto: De Tomaso Pantera 1973.
Ein italienischer Klassiker und eine saarländische Schönheit vor schwedischem Gewässer: Hier posiert Miss Tuning Laura an einem Strand des Siljansees. Auto: De Tomaso Pantera 1973. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
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Auf Sollerön, der größten Insel im Siljansee, hat Ex-Rennfahrer Sebastian Hohenthal ein schönes Plätzchen für seinen komplett umgebauten Ford Mustang 66 GT gefunden. Miss Tuning Laura kam für eine abendliche Stippvisite vorbei. Auto: Ford Mustang 66 GT. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Die Fahrkarten bitte! Miss Tuning Laura kontrolliert die Zufahrt zur alten Zugwerkstatt in der für den Kupferbergbau bekannten Stadt Falun. Auto: Ford Mustang 2015 GT.
Die Fahrkarten bitte! Miss Tuning Laura kontrolliert die Zufahrt zur alten Zugwerkstatt in der für den Kupferbergbau bekannten Stadt Falun. Auto: Ford Mustang 2015 GT. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Der Dodge Charger RTR von Johan Eriksson ist ein Tuning-Schmuckstück: In rund 15.000 Arbeitsstunden wurde an diesem Auto jedes einzelne Teil bearbeitet. Es trägt aktuell die Krone der Szene. Auto: Dodge Charger RTR.
Der Dodge Charger RTR von Johan Eriksson ist ein Tuning-Schmuckstück: In rund 15.000 Arbeitsstunden wurde an diesem Auto jedes einzelne Teil bearbeitet. Es trägt aktuell die Krone der Szene. Auto: Dodge Charger RTR. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Lars K ist einer der größten Felgenhändler in Schweden und hat zahlreiche Autos mit seinen Designs modifiziert. Hier steht Miss Tuning Laura gemeinsam mit seinem aktuellen Audi RS4 vor der Kamera. Auto: Audi RS4.
Lars K ist einer der größten Felgenhändler in Schweden und hat zahlreiche Autos mit seinen Designs modifiziert. Hier steht Miss Tuning Laura gemeinsam mit seinem aktuellen Audi RS4 vor der Kamera. Auto: Audi RS4. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
So macht Waldarbeit Spaß: Zwei coole Rats, eine Miss Tuning, dazu ein typisch schwedisches Blockhäuschen. Auto: Austin BMC fgk 30 D-64 und Epa Volvo Lv78-36.
So macht Waldarbeit Spaß: Zwei coole Rats, eine Miss Tuning, dazu ein typisch schwedisches Blockhäuschen. Auto: Austin BMC fgk 30 D-64 und Epa Volvo Lv78-36. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Hier ging es hoch hinaus: Der Aussichtsberg Gesundaberget ist nur über steile, verblockte Wege zu erreichen. Kein Problem für den Ford F-250, der die Miss Tuning sowie das Kamerateam sicher nach oben und wieder zurück brachte. Auto: Ford F-250.
Hier ging es hoch hinaus: Der Aussichtsberg Gesundaberget ist nur über steile, verblockte Wege zu erreichen. Kein Problem für den Ford F-250, der die Miss Tuning sowie das Kamerateam sicher nach oben und wieder zurück brachte. Auto: Ford F-250. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
In einem Kalkwerk in Orsa wirft Miss Tuning Laura einen Blick unter die Haube einer echten Rarität: Der alte Ford gehört Jens Madsen, der mit seinem Schmuckstück in der Hot-Rod-Szene einen Preis nach dem anderen abräumt. Auto: 32er Ford 3 Window.
In einem Kalkwerk in Orsa wirft Miss Tuning Laura einen Blick unter die Haube einer echten Rarität: Der alte Ford gehört Jens Madsen, der mit seinem Schmuckstück in der Hot-Rod-Szene einen Preis nach dem anderen abräumt. Auto: 32er Ford 3 Window. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Eine vielversprechende Begegnung: Auf einer einsamen Straße im Wald von Sollerön trifft Miss Tuning Laura auf diesen brachialen Ferrari F12 berlinetta. Auto: Ferrari F12 berlinetta.
Eine vielversprechende Begegnung: Auf einer einsamen Straße im Wald von Sollerön trifft Miss Tuning Laura auf diesen brachialen Ferrari F12 berlinetta. Auto: Ferrari F12 berlinetta. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Vor der wunderschönen alten Eisenbahnbrücke in Mora posiert Miss Tuning Laura mit einer coolen Viper, die beim ETS schon unter die Top 10 gefahren ist. Auto: Dodge Viper GTS.
Vor der wunderschönen alten Eisenbahnbrücke in Mora posiert Miss Tuning Laura mit einer coolen Viper, die beim ETS schon unter die Top 10 gefahren ist. Auto: Dodge Viper GTS. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter
Johan Eriksson hat seine Garage geöffnet und seine Schmuckstücke in der Sonne platziert: Hier stehen zwei der erfolgreichsten Tuning-Cars aller Zeiten gemeinsam mit Miss Tuning Laura vor der Kamera. Neben den Highlights, dem jeweiligen Gewinn des ETS, haben die beiden Autos weltweit zahlreiche Preise eingefahren und waren unter anderem als Special Guest auf der SEMA in Las Vegas zu sehen. Autos: Dodge Charger RT und Dodge Charger RTR.
Johan Eriksson hat seine Garage geöffnet und seine Schmuckstücke in der Sonne platziert: Hier stehen zwei der erfolgreichsten Tuning-Cars aller Zeiten gemeinsam mit Miss Tuning Laura vor der Kamera. Neben den Highlights, dem jeweiligen Gewinn des ETS, haben die beiden Autos weltweit zahlreiche Preise eingefahren und waren unter anderem als Special Guest auf der SEMA in Las Vegas zu sehen. Autos: Dodge Charger RT und Dodge Charger RTR. © Tuning World Bodensee / Andreas Reiter

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