Entspannt durch die Stadt

Unterwegs mit einem smarten E-Bike

Terrain für das Pedelec
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In der Stadt ist das Angell gut aufgehoben. Ebene Wege sind das Terrain für das Pedelec.

Pedelecs gewinnen an Marktanteilen. Neue Hersteller nutzen diesen Trend: Mit coolen Rädern wollen sie ein urbanes Publikum begeistern. Das Angell aus Frankreich vernetzt das Rad jetzt mit dem Smartphone.

Berlin - Mit einem Fahrrad zieht man selten Blicke von Passanten oder Autofahrern auf sich. Das passiert doch eher, wenn man in einem seltenen italienischen Sportwagen oder auf einem blubbernden US-amerikanischen Motorrad sitzt. Aber auf einem Fahrrad?

Ein Rad schafft das allerdings - das Angell Bike aus Frankreich. Das neue Pedelec, das gerade in Deutschland ausgerollt wird, ist mit seinem stylisch geschwungenen Rahmen, dem seidig matten Lack und dem Akku mit den zwei Rückleuchten am Heck, die auch als Blinker fungieren, auffällig unauffällig.

Zugleich ist das französische Pedelec, das gegen Konkurrenten wie das Suhi-Bike oder das Cowboy 3 antritt, nicht einfach nur ein E-Bike. Mit seinem in den Lenker integrierten Touch-Screen ist es fast schon ein Smart-Bike. Ein Fahrbericht.

- Der Einsatzzweck: Das Angell fühlt sich in der Stadt und dem Umland am wohlsten. Gut ausgebaute Straßen oder Radwege sind das Terrain des Pedelec. Wer mit dem Rad zur Arbeit fahren und nach der Ankunft im Businessdress noch gut aussehen will, ist mit dem französischen E-Bike gut bedient. Sowohl kurze Strecken als auch Wege von zum Beispiel 15 Kilometern lassen sich entspannt bewältigen.

Weniger geeignet ist das Rad für Ausflüge in den Wald, denn dazu bietet das Angell zu wenig Komfort. Auch Großeinkäufe oder den Kindertransport wickelt man eher mit anderen Rädern ab. Die Ladekapazitäten des Pedelec sind eher auf kleine Lasten ausgelegt.

- Die Technik: Der Rahmen ist aus lackiertem Aluminium. Dadurch ist es auch recht steif. Für ein Pedelec ist es durch diese Bauweise allerdings wiederum recht leicht: 15,9 Kilo inklusive Batterie bringt das Angell auf die Waage. Mit seinen 28 Zoll Rädern ist es ausgelegt für Nutzer zwischen 165 und 195 Zentimetern Körpergröße.

Am Vorbau ist ein 2,4 Zoll großes Touch-Screen Display fest verbaut. Angezeigt werden Geschwindigkeit, Strecke, Zeit und verbrauchte Kalorien. Auch die vier verschiedenen Fahrmodi von keiner bis starker elektrischer Unterstützung lassen sich über das Display einstellen. Noch besser geht das aber über die Knöpfe am Lenker, die erreichbar sind, ohne dass der Blick von der Fahrbahn abgesenkt werden muss.

- Ein Clou des Angell ist das Licht: Der Blinker, der ebenfalls über zwei Knöpfe auf der linken Seite des Lenkers (Motorradfahrer kennen das) gesteuert wird. Wird er betätigt, zeigt ein Licht hinten am Akku und eines am Griff des Lenkers an, wohin der Fahrer möchte. Zugleich sind die zwei Leuchten im Akku Bremsleuchten.

- Über die App lassen sich weitere Funktionen steuern: Das automatische Licht, das bisher nur bei Autos im Einsatz ist, welcher Modus die Grundeinstellung sein soll, eine 3D Karte im Display, wie die Knöpfe am Lenker belegt werden können. Außerdem lässt sich der Standort des Rades abrufen. Man weiß also immer, wo das Angell gerade steht.

Der 36 Volt, 4-Ampere-Akku ist am Heck aufgesteckt und mit einem Schloss gesichert. Er wirkt zwar wie der Gepäckträger, Traglast hat er allerdings nicht. Er treibt den 250-Watt-Motor in der Hinterradnabe an, der eine Trittunterstützung bis 25 km/h leistet. Die Reichweite von etwa 70 Kilometern reicht in den meisten Fällen mehrere Tage.

- Wer den Akku leer fährt, kein Problem: Das Rad lässt sich im Free Fly Modus problemlos weiter fahren. Aufladen lässt sich der Akku mit dem Ladegerät innerhalb von zwei Stunden an jeder Steckdose.

- Der Fahreindruck: Beim Angell muss man als Fahrradfahrer ein wenig umdenken. Schloss aufschließen, aufsteigen und losfahren geht zwar im Prinzip. Allerdings ertönt dann schon nach wenigen Metern die Alarmanlage. Wer den schrillen Ton - und die Blicke der Passanten - lieber vermeiden will, muss das Rad erst freischalten. Das geht entweder über die App am Smartphone oder am Display im Lenker.

- Was auffällt: Das Rad ist absolut solide. Nichts klappert, nichts wackelt, nichts macht Geräusche. Diese Solidität macht sich allerdings auf unebenen Wegen schnell bemerkbar, denn Stöße werden über Lenker und Sattel erbarmungslos an den Fahrer weitergegeben.

Seine Stärke zeigt das Angell daher eher auf ebenen Wegen. Wer nicht im „Fly Free“ Modus ohne elektrische Unterstützung fährt, sondern den E-Motor in einem der drei weiteren Programme nutzt, wird sanft aber spürbar geschoben. Die elektrische Unterstützung macht sich vor allem an der Ampel bemerkbar. Beim Start lässt man andere Radfahrer schnell hinter sich. Und natürlich an Steigungen, die man mit dem Angell spielend bewältigt, ohne auch nur annähernd außer Puste zu geraten.

- Ein Manko: Geübte Radfahrer kommen mit dem Serien-Rad schnell ins strampeln, denn die Trittfrequenz ist ab einer Geschwindigkeit von etwa 28 km/h recht hoch. Wer mit seinem Rennrad oder Trekking Bike auch mal schneller unterwegs ist, muss sich hier umgewöhnen.

- Ausstattung, Zubehör, Peripherie: In der Grundausstattung ist das Angell puristisch. Rad und Akku - sehr viel mehr gibt es erst einmal nicht. Allerdings ist das Zubehörprogramm recht umfangreich. Es reicht vom praktischen Lenkerkorb über Kotflügel, wie die Schutzbleche hier heißen, bis hin zu Rückspiegeln, einem zweiten Akku, einem weiteren Ladegerät oder einem Sicherheitsschloss.

Wer will kann sich aber auch noch mit einer speziellen Trinkflasche oder einem Helm ausstatten und Reflektoren für sein Rad kriegen. Die Online-Boutique ist jedenfalls mit passenden Lifestyle-Produkten gut gefüllt.

Sinnvoller kann der Kauf eines externen batteriegetriebenen Vorderlichtes sein, das aber nicht im offiziellen Shop angeboten wird. Denn der im Lenker verbaute LED-Scheinwerfer macht den Fahrer in der Dunkelheit zwar weithin sichtbar, leuchtet den Weg aber nur spärlich aus. Sind keine Straßenlaternen am Wegesrand, gleicht die Fahrt im Dunkeln einem Ritt im Ungewissen.

Und: Der Kotflügel für das Hinterrad sieht in der Holzoptik zwar gut aus. Wirklichen Schutz gegen Spritzwasser bei Regen bietet er nicht. Wer will, dass sein Businessdress sauber bleibt, muss an Regentagen für entsprechende Schutzkleidung sorgen.

- Der Preis: Das Angell kostet laut Hersteller 2860 Euro. Bedenkt man, dass man für ein gutes Rad ohne E-Motor schon mal schnell 2000 Euro ausgeben kann, erscheint das nicht unbedingt teuer.

Allerdings ist das Angell in seiner Grundausstattung recht nackt. Wer etwa einen Gepäckträger für den Lenker will, muss noch einmal 119 Euro zahlen, Kotflügel kosten 89 Euro, ein Seitenständer schlägt mit 19 Euro zu Buche. Die 3000 Euro-Grenze knackt man so schnell.

- Das Fazit: Das Angell scheint das richtige Bike zur richtigen Zeit. Im Corona-Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt 5,04 Millionen Fahrräder verkauft. E-Bikes kamen dabei auf einen Anteil von 1,95 Millionen Stück - 43,4 Prozent mehr als im Jahre 2019.

In Städten sind inzwischen mehr Menschen auf dem Rad unterwegs. Das Angell macht den Umstieg auf das Rad leicht, denn mit seinem E-Motor lassen sich auch längere Passagen entspannt bewältigen. Die Steuerung über das Display ist selbsterklärend, wenn auch die smarten Funktionen noch ausbaubar sind. dpa

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