Neue Verkehrsstudie

Handys sind Unfallursache Nummer eins - vor Alkohol

Auto
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Schnell die Textnachrichten während der Fahrt checken? Jeder zweite Autofahrer macht das laut einer Studie – obwohl das Unfallrisiko dadurch steigt. 

Noch vor Jahren war Alkohol das größte Risiko, in einen schweren Unfall verwickelt zu werden, Smartphones und Navigationssysteme haben diesen Trend gestoppt: Inzwischen gilt Ablenkung als Unfallursache Nummer eins.

Während der Autofahrt Textnachrichten auf dem Handy lesen, kurz einen Anruf tätigen oder das Navigationsgerät neu programmieren: Laut einer am Dienstag von der Allianz Deutschland veröffentlichten Studie ist das auf Deutschlands Straßen ein weitverbreitetes Verhalten – und hat teils tödliche Folgen.

+++ Aktuell: Kein Handynetz: Schwerverletzter bricht allein im Schnee zusammen - Garmisch-Partenkirchen

-Wie kommen die Forscher auf das Ergebnis?

Die Allianz Deutschland hat die Akten ihrer Haftpflicht-Kunden einmal genauer unter die Lupe genommen. Dabei ging es nicht um kleine Blechschäden. Die Versicherungs-Experten wollten verstehen, warum es im Straßenverkehr zu sogenannten Großschäden kommt. Unter Großschäden versteht die Allianz Unfälle, die einen Schaden von mehr als einer Million Euro verursachen. Bei solchen Unfällen kommen häufig Menschen ums Leben – oder Unfallbeteiligte werden schwer verletzt. Über 400 solcher schweren Unfälle zählt die Allianz pro Jahr bei ihren Kunden.

-Was ist das Ergebnis?

Fazit der Studie: Bei mehr als jedem zehnten schweren Unfall in Deutschland war der Fahrer abgelenkt. Damit wurden mehr schwere Unfälle durch Ablenkung verursacht als durch Alkohol. Das Ergebnis hat selbst die Versicherungsforscher überrascht, denn bislang galt Fahren unter Alkoholeinfluss als häufigste Unfallursache. In Deutschland wird die Zahl der Unfallopfer, die durch Ablenkung ums Leben kommen, aber nicht separat erfasst: Daher haben die Forscher anhand der Allianz-Akten eine Hochrechnung vorgenommen und festgestellt: In Deutschland kommen pro Jahr 346 Menschen durch Ablenkung ums Leben – durch Alkohol sind es 256.

-Wodurch werden Autofahrer abgelenkt?

Auch das wollte die Allianz genauer wissen und hat 1600 Autofahrer befragt. Ergebnis: Jeder zweite Autofahrer gab zu, das Handy während der Fahrt ohne Freisprechanlage zu nutzen. Das führt zu Unfällen: So berichten 60 Prozent der Fahrer, die in den zurückliegenden drei Jahren Unfälle hatten, dass sie ihr Mobiltelefon beim Fahren händisch genutzt hatten. Bei Fahrern, die unfallfrei unterwegs waren, waren das der Studie zufolge nur 37 Prozent. Drei Viertel bestätigten, durch im Auto verbaute Bedientechniken abgelenkt zu sein. Dazu zählen etwa Klimaanlagen, Navigationsgeräte oder Assistenzsysteme.

-Gab es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen?

Ja. Laut der Studie telefonieren Männer häufiger am Steuer als Frauen. Genauso lesen sie öfter Textnachrichten als Frauen. Außerdem haben die Versicherungsforscher herausgefunden: Menschen, die aus beruflichen Gründen unterwegs sind, telefonieren häufiger. Was die Forscher besonders überrascht hat: „Viele verstoßen gegen das Handyverbot am Steuer, obwohl sie eine Freisprecheinrichtung im Auto haben“, sagt Christoph Lauterwasser von der Allianz.

-Was ist in Deutschland überhaupt erlaubt?

Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Handys nicht benutzt werden, wenn hierfür das Mobiltelefon „aufgenommen oder gehalten werden muss“. Mit dem Handy telefoniert werden darf dann, „wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist“. Werden Autofahrer erwischt, kostet das 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Fahrradfahrer zahlen 25 Euro. Das Verkehrsministerium arbeitet derzeit an einer Änderung der Verordnung. Künftig sollen Autofahrer bei einem Verstoß gegen das Handy-Verbot mit 100 Euro büßen und Fahrradfahrer mit 55 Euro. Außerdem soll das Handyverbot ausgeweitet werden auf Tablets, E-Book-Reader und Videobrillen.

-Was sollten Autofahrer beachten?

Die vier Tipps, die Allianz-Forscher Lauterwasser parat hat, klingen fast schon banal – allerdings halte sich kaum jemand daran, gibt er zu bedenken. Ratschlag Nummer eins: Autofahrer, die eine Freisprecheinrichtung haben, sollten das Handy unbedingt vor der Fahrt mit dieser verbinden. Ratschlag Nummer zwei ist eine Art Selbstschutz: Autofahrer sollten das Handy außer Reichweite verstauen, beispielsweise im Handschuhfach und nicht in der Mittelkonsole – so bestehe nicht die Gefahr der Ablenkung. Für Fahrer, die ein Navigationssystem nutzen, gilt: Sie sollten das Fahrtziel konsequent vor Fahrtantritt eingeben. Und wer Carsharing-Anbieter nutzt oder häufig mit Mietfahrzeugen unterwegs ist, sollte sich vor und nicht während der Fahrt mit den Assistenzsystemen vertraut machen.

Handy am Steuer: Für Verkehrssünder wird's teurer 

Handy am Steuer
Das neue Punktesystem für Verkehrssünder ist beschlossene Sache. Ab 1. Mai 2014 wird für Autofahrer so einiges anders werden. Telefonieren am Steuer kostet dann 60 Euro (vorher 40 Euro). © dpa
Winterreifen
Auch bei fehlenden Winterreifen stehen 60 Euro im Bußgeldkatalog. © pa/obs/Nokian
Nebel
Bei erheblicher Sichtbehinderung durch Nebel, Schnee oder Regen müssen Autofahrer außerhalb geschlossener Ortschaften das Abblenddlicht einschalten. © dpa/dpaweb-tz
Abblendlicht Auto
Wer außerhalb geschlossener Ortschaften am Tag ohne Abblendlicht fährt, kassiert 1 Punkt in Flensburg und 60 Euro. © dpa-mzv
Autobahn
Wer auf der Autobahn wendet bekommt 2 Punkte. © dpa
Polizei Kontrolle Autobahn
Im neuem Punktesystem werden Delikte je nach Schwere mit 1, 2 oder 3 Punkten bewertet. Der Führerschein wird nach 8 statt 18 Punkten entzogen.  © dpa
Promille
Mit 3 Punkten werden auch fahrlässige Tötung oder Trunkenheit im Verkehr erfasst. © dpa
Haltezeichen
Wer das Haltezeichen eines Polizisten nicht befolgt, zahlt in Zukunft 70 statt 50 Euro. © dpa
Umweltzone
Das Einfahren in eine Umweltzone ohne erforderliche Plakette kostet 80 statt 40 Euro, dafür gibt es keinen Punkt mehr. © dpa

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