458 Kilometer über die Autobahn

Wird man durch schnelles Autofahren gestresster im Verkehr? Selbstversuch mit EKG und Bluttest

Volvo XC 60 Vergleichstest Droesslung
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Zwei baugleiche Volvo XC 60 mit einer Ausnahme. Der Rote war auf Tempo 180 gedrosselt, der Grau-Blaue konnte nach Herzenslust Gas geben.

Bringt Rasen das Herz zur Raserei? Schüttet der Körper mehr Stresshormone aus, wenn man schnell fährt? Wir machten den Test. Mit einem Belastungs-EKG legten wir 458 Kilometer auf deutschen Autobahnen zurück. Mit teilweise verblüffenden Ergebnissen.

  • Ist man in einem auf 180 km/h gedrosselten Auto wirklich viel langsamer?
  • Volvo wollte es wissen und schickte zwölf Journalisten auf Vergleichsfahrt.
  • Nach vier Stunden Vollgas auf der Autobahn gab es Überraschungen.

Die Versuchsanordnung war immer die Gleiche. Jeweils zwei Fahrer traten mit identischen Autos zur Testfahrt an. Es handelte sich um zwei Volvo XC 60 B5* – zwei jeweils 235 PS starke Dieselfahrzeuge mit Mild-Hybridisierung. Ein Fahrzeug war auf Tempo 180 gedrosselt - so wie jeder neue Volvo, der seit Juni vom Band rollt. Das andere Auto konnte nach Lust und Laune auf 220 Stundenkilometer gepusht werden. Auch die Strecken waren identisch. 458 Kilometer Fahrt von Köln über Bonn, an Frankfurt vorbei bis nach Aschaffenburg. Von dort ging es über Olpe zurück nach Köln. Insgesamt 445 Kilometer auf der deutschen Autobahn.

Volvo XC 60 B5 mit und ohne Tempo-Drosselung: Die zwei Ziele der Vergleichsfahrten

Die Vergleichsfahrt sollte statistisch auf zwei Arten mit zwei unterschiedlichen Zielrichtungen ausgeschlachtet werden. Einmal Fahrzeit und Verbrauch, um zu sehen, wie sich die Tempo-Drosselung wirklich auswirkt. Und zweitens sollte bewiesen werden, dass schnelles Autofahren mehr Stress bedeutet. Und weil man bei den Schweden gründlich arbeitet, wurden die sechs Journalistenpaare, die zu diesem ungewöhnlichen Test angetreten waren, auch auf Herz und Nieren getestet.

Vor der Volvo-Vergleichsfahrt: Blutentnahme für den Stresstest

Blutentnahme morgens um 7 Uhr. Autor Rudolf Bögel unterzog sich dem Selbsttest, wie stressig schnelles Autofahren ist.

Morgens um sieben Uhr in der Kölner Klinik „Links vom Rhein“. Nüchtern spendieren wir eine dicke Kanüle voller Blut. Nach der Fahrt noch mal das gleiche Spiel. Mit den Proben will Internist Ulf T. Esser beweisen, dass der Adrenalinspiegel bei den Fahrern der nicht abgeregelten Autos höher ist. Mal sehen, ich bin gespannt. Wenn das stimmt, dann müssten bei mir die Stresshormone auch erhöht sein, selbst wenn ich das auf 180 Kilometer abgeregelte Auto fahre. Schließlich ist der Ehrgeiz groß, dem Kollegen mit dem Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Fahrzeug dicht auf den Fersen zu bleiben. Und wenn man längere Zeit mit hohem Tempo auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, dann bedeutet das ja auch Stress. Ob das Herz durch Rasen zur Raserei gebracht wird, will der Internist ebenfalls wissen. Deshalb bekommen wir ein brandneuen Cortrium C3+ Langzeit-EKG ausgestattet, das die Herzfrequenz überwacht und auf Unregelmäßigkeiten überprüft.

Als Versuchskaninchen auf der Autobahn

Seltsam ist das schon. Abgezapft und verdrahtet sitzen wir hinter dem Steuer. So müssen sich Versuchskaninchen fühlen und irgendwie sind wir ja auch welche. Über kleine Nebenstraßen geht es recht schnell zur Autobahn. Es ist ein Croissant und einen Milchkaffee später. Neun Uhr, die meisten Leute sitzen jetzt im Büro und der Verkehr fließt wieder. Obwohl der Kollege immer wieder auf die Tube drückt, wenn die Straße frei ist, gelingt es ihm zunächst nicht mich abzuschütteln. Klar, ich gebe schon ordentlich Gas. Voll Stoff, immer wenn die linke Spur wieder frei ist. Mal ist der andere Volvo nicht mehr zu sehen, aber dann überholt wieder einmal ein Wohnwagen-Gespann ganz gemächlich auf der ganz linken Spur. Und schon habe ich den Kollegen wieder eingeholt. Erinnert ein wenig an die Fabel von Hase und Igel. Das wiederholt sich immer wieder, erst auf dem letzten Drittel hängt er mich ab. Aber es sind ja noch gut 150 Kilometer übrig. Bald sehe ich den grau-blauen Volvo nicht mehr.

Die Stunde der Wahrheit

Erst sehr viel später, wie mir vorkommt, erreiche ich die ausgemachte Tankstelle in Köln-Rodenkirchen. Zeit messen, nachtanken und vergleichen. Die Spannung steigt. Doch, wer jetzt gedacht hat, dass das nicht gedrosselte Auto einen ordentlichen Vorsprung herausfahren konnte, der täuscht sich gewaltig: Lediglich fünf Minuten früher konnte der Kollege im Ziel einlaufen. Seine gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit belief sich immerhin auf 128 km/h, meine lag bei 125 km/h.

Am Ende der 458-Kilometer Fahrt wird Bilanz gezogen. Zumindest wir haben beim Vergleichstest kaum Benzin gespart.

Und auch beim Verbrauch lagen wir fast gleichauf. Der gedrosselte Volvo schluckte 10,3 Liter, der andere 10,4 Liter. Nicht recht viel anders sah es im gesamten Teilnehmerfeld aus. Zwei Teams kamen zur gleichen Zeit an. Bei einem Paar betrug der Unterschied zwölf Minuten. Aber das ist auch nicht die Welt. Deutlicher wurde es beim Verbrauch. Einer benötigte 11,74 Liter auf 100 Kilometern. Ein anderer begnügte sich mit 9,35 Litern. Das sind bei einem Preis von 1,08 Euro pro Liter Diesel immerhin 2,60 Euro auf 100 Kilometer. Auf die ganze Strecke hochgerechnet spart sich der vorsichtigere nicht so schnelle Fahrer rund 11,50 Euro. 

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Aber was bedeuten die Zahlen wirklich?

Soweit zu den Zahlenspielen. Die Frage ist, was man daraus ableiten kann. Ganz abgesehen davon, dass die Spreizung zwischen 180 km/h und 220 km/h ohnehin keine allzu großen Zeitabweichungen zulässt, haben die Testfahrten eines gezeigt: Die freiwillige Drosselung von Volvo auf Tempo 180 ist ein mehr oder minder ein Zeichen des guten Willens. Lässt man die Nachtzeiten mal beiseite: Der Verkehr auf den deutschen Autobahnen ist mittlerweile so dicht, dass hohe Geschwindigkeiten ohnehin nicht gefahren werden können. Dazu kommen relativ viele Tempolimits gerade in dicht besiedelten Gebieten. Das wiederum bedeutet, dass schon ein „natürliches“ Tempolimit existiert. 

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Und das sagen die Blut- und EKG-Werte

Bleibt der medizinische Aspekt, ob schnelles Autofahren tatsächlich Körper und Seele in Mitleidenschaft zieht. Aber auch hier ist das Ergebnis ambivalent und interpretationsfähig. Das EKG zeigte bei keinem der zwölf Teilnehmer signifikante Ausschläge. Anders bei den Stresshormonen: Hier konnte der Internist bei manchen Probanden zumindest eine leichte Erhöhung der Werte feststellen. Was aber kein Wunder ist: Schließlich handelte es sich um Autojournalisten, die es gewohnt sind, lange Strecken auch mit höherem Tempo zurückzulegen. Das mag bei Otto Normalfahrer nicht so sein. 

Die Interpretation des Mediziners

Internist Ulf Esser vom Kölner Klinikum Links vom Rhein untersuchte das Blut der Testfahrer auf Stresshormone und wertete das EKG aus.

Internist Ulf Esser fasst die Ergebnisse aus medizinischer Sicht so zusammen: „Aufgrund der Verkehrsbedingungen auf den deutschen Autobahnen war es überhaupt nicht möglich, dauerhaft an die Grenzen von 220 km/h zu gehen. Wäre dies der Fall gewesen, bin ich der Überzeugung, dass die Stressreaktionen signifikant höher ausgefallen wären. Somit wäre auch der Einfluss auf das Befinden der Fahrer sowohl in geistiger als auch körperlicher Hinsicht deutlich spürbar.“

Persönlich hat die Vergleichsfahrt zumindest eine Erkenntnis gebracht: Autofahren an sich ist zwar eine aufregende Sache, aber mich zumindest regt sie nicht auf. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr

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