Im Test

VW Tiguan R: Volkswagen pimpt meistverkauftes Modell

VW Tiguan R
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Bissig sieht die Front des Tiguan R aus mit den riesigen Lufteinlässen unterhalb der Scheinwerfer.

Volkswagen baut seine R-Familie aus. R wie Race. Jetzt gibt es sogar das meistverkaufte VW-Modell in einer extrem scharfen Version - den Tiguan. Er hat schon Technik an Bord, die erst der Golf R bekommt. Der Fahrtest.

  • Nach dem Golf* und dem T-Roc* kommt das nächste R-Modell.
  • 320 PS katapultieren das Auto unter 5 Sekunden auf Tempo 100.
  • Leider zickt das Getriebe an einem sensiblen Punkt.

Die Haupt-Konkurrenz des Tiguan R kommt aus dem gleichen Konzern. Mit dem Kodiaq RS* bietet Skoda ein 240 PS starkes SUV, das in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 rennt. Seat liefert mit dem Ateca Cupra ebenfalls ein sportliches SUV ab. 300 PS - und Tempo 100 in 4,8 Sekunden. Im erweiterten Umfeld sind da noch der Audi SQ 3 mit 310 PS, und eine Sphäre höher schweben der X3 M von BMW mit seinen 480 PS oder der Mercedes GLC 43 AMG mit 367 PS.

VW Tiguan R: Von 0 auf Tempo 100 unter fünf Sekunden

In so einem Umfeld muss man sich erst einmal behaupten. Dabei betritt VW jetzt nicht unbedingt Neuland. Mit dem Golf R haben die Wolfsburger schon seit 2003 ein High-Performance-Fahrzeug im Programm. Der erste seine Art war der Golf IV R32 mit 241 PS. Der aktuelle 2,0-Liter große Vierzylinder, der schon den Golf VII R angetrieben hat, leistet mittlerweile 320 PS, und damit 20 mehr als sein Vorgänger. Das Drehmoment liegt bei 420 Nm und schiebt den rund 1,7 Tonnen schweren Tiguan ab 2.100 U/min stark an. Auf dem Papier macht das eine Top-Zeit von unter 5 Sekunden von 0 auf 100. Fühlt sich aber viel schärfer an. Liegt vielleicht daran, dass man im Tiguan wie in jedem SUV weit oben sitzt und deshalb die Power besser spürt.

Vier Auspuffrohre müssen es schon sein

Apropos Kraft: Die sieht man dem R-Modell schon von außen an. Im Gegensatz normalen Tiguan hat es wuchtigere seitliche Lufteinlässe unter dem Kühler. Hinten gibt es einen neuen Diffusor, ganz dezent prangt erstmalig das R unter dem VW-Logo. Und selbstverständlich atmet der Verbrenner nicht aus zwei Auspuffendrohren aus. Es müssen schon vier sein, alleine wegen der Optik.

Vier Auspuff-Endrohre müssen es schon sein bei eine Performance-Modell. Dezent ist der Buchstabe R unter dem VW-Logo versteckt.

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Ein kleiner blauer Knopf entfesselt den Tiguan

Innen macht den Unterschied ein kleiner blauer Druckknopf auf dem Lenkrad aus: Kurz den Daumen drauflegen, dann ist es wie am Dönerstand. Einmal mit allem und scharf. Vom um zehn Millimeter tiefer gelegten noch steiferen Fahrwerk bis hin zum Ansprechverhalten des Motors - im Race-Modus wird aus dem biederen VW-SUV (911.000 alleine 2019) eine echte Rennmaschine. Kein Wunder, denn bei der Entwicklung war der Werksfahrer und TCR-Profi Benjamin Leuchter mit von der Partie. 

Alleine im vergangenen Jahr hat sich der Tiguan weltweit über 900.000 Mal verkauft. Damit schlägt er sogar den Golf.

Technische Leckerbissen aus dem Rennsport

Leuchter ist von zwei technischen Neuerungen besonders angetan, die man vermutlich so auch im neuen Golf R finden wird. Da ist zum einen der Allradantrieb, der erstmalig die Kräfte nicht nur von der Front- zur Hinterachse verschieben kann, sondern sie auch zwischen den einzelnen Hinterrädern verteilt. Fachleute nennen das Torque (englisch für Drehmoment) Vectoring. Das heißt die Kraft kann in den Kurven bis zu 100 Prozent auf das äußere Rad gelenkt werden. Damit wird der Radius verkleinert, das Auto saust agiler um die Kurven. Und auch das Untersteuern wird unterbunden.

Ebenfalls neu ist die die serienmäßige Progressivlenkung. Hier wird die Übersetzung je nach Lenkwinkel, Geschwindigkeit oder Gaspedalstellung angepasst. Das heißt: Die Lenkung wird direkter.

Karierte Sitze, eingesticktes R. Die Ausstattung des Tiguan ist kultig und orientiert sich an den Siebziger Jahren der Generation Golf.

So scharf fährt sich das R-Modell

Grau ist alle Theorie - beim Fahrtest jedoch merkt auch ein Laie schnell: Der Tiguan R ist dank dieser technischen Neuerungen unglaublich wendig. Beim Lenken braucht man auch in extremen Kurven nur einen kleinen Anschlag. Man hat das Auto buchstäblich immer in der Hand. Das Heck wedelt jederzeit exakt mit, so wie das Hinterteil eines Slalomläufers. Und auch das Fahrwerk ist perfekt abgestimmt, was ja bei der hoch aufragenden Karosserie eines SUVs gar nicht so einfach zu lösen ist. Da wankt nichts, da neigt sich nichts, da nickt nichts. Ein Auto aus einem Guss.

Leider nimmt sich das Getriebe eine Gedenksekunde

Störend ist ein kleines Getriebeproblem. Wer im Stand voll lospreschen will und das Gaspedal zum Kickdown durchdrückt, muss sich ein wenig Geduld üben. Die gefühlte Gedenksekunde, bis der Tiguan endlich los trabt, ist lang und nervig. Ein Problem, das bei höheren Gängen nicht ganz so auftritt, aber an dem gearbeitet wird.

Streiten kann man auch über den Sound des Tiguan R, der teilweise über Abgasklappen generiert, aber auch künstlich aus dem Generator kommt. Das Bollern ist zwar angemessen und klingt cool, die Fehlzündungen beim Runterschalten muten jedoch hohl und künstlich an. Vielleicht ein wenig pubertär der Sound – ob das die Tiguan-Klientel schätzen wird?

Im Vergleich zum R-Modell wirkt der e-Hybrid schon ein wenig zahmer, vielleicht sogar einen Tick eleganter.

Die vernünftige Alternative zum Racer

Wer es einen Tick vernünftiger haben will der bekommt mit dem Tiguan eHybrid ebenfalls ein Auto mit starker Performance, aber grünem Gewissen. Eingebaut ist der Antriebsstrang des Golf GTE, also der 1,5 TSI Benzin-Motor (150 PS), kombiniert mit einer 115 PS starken Elektromaschine. Im Hybridmodus wechselt das System intelligent zwischen den Antriebsarten. Beispielsweise rein elektrisch bei geringen Lasten, über Tempo 130 läuft der Verbrenner automatisch mit.

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Rein elektrisch kommt der Hybrid 50 Kilometer weit

Wenn die GTE-Taste gedrückt wird, dann funktioniert die E-Maschine wie ein Elektro-Turbo. Der Verbrenner läuft angestrengt auf maximaler Leistung, was leider auch unangenehm laut zu hören ist. Obendrauf legt der Elektro-Motor dann noch die Schippe Kraft, die ordentlichen Fahrspaß garantiert. Und eine Zeit von rund sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h ermöglicht. Genaue Angaben gibt es aber genauso wie beim R-Modell dazu noch nicht.

Dafür heißt es, dass der aufladbare Tiguan rein elektrisch rund 50 Kilometer schaffen soll. Ein kleiner Anhaltspunkt, wie das in der Praxis aussieht, liefert unser Fahrtest, den wir im Hybrid-Modus absolviert haben. Da war der Akku nach genau 63 Kilometern platt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir neben den 13,5 kWH Strom auch noch 3,9 Liter auf 100 Kilometer gebraucht. Billig wird der GTE in der Anschaffung vermutlich nicht. Ein Preis um die 45.000 Euro scheint realistisch - der Golf GTE liegt bei knapp 42.000. Euro.

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Und das ist neu bei den normalen Tiguan-Modellen

Ach ja – der normale Tiguan kommt im Herbst ebenfalls neu. Das Facelift umfasst im wahrsten Sinn des Wortes die neue und an den Touareg erinnernde Frontpartie, vor allem aber viele technische Neuerungen. Das SUV bekommt die Motoren-Generation, die auch schon im Golf eingebaut ist. Also die besonders sauberen und neuen 2,0-Liter Turbodiesel (150 - 200 PS) mit doppeltem SCR-Katalysator und zweifacher Ad-Blue-Einspritzung. Und das 1,5-TSI-Benzin-Triebwerk (130/150 PS) mit Zylinderabschaltung.

Auf der Digital-Seite ist beispielsweise zum ersten Mal die drahtlose Handy-Anbindung möglich. Premiere haben auch Assistenz-Systeme, die das Fahren bis Tempo 210 km/h teilautonom unterstützen oder die Geschwindigkeit automatisch an das Tempolimit anpassen. Die Preise für den normalen Tiguan starten bei knapp 28.000 Euro für den kleinen Benziner und bei 30.500 Euro für den kleinsten Diesel (122 PS). Der Preis für den Tiguan R wird schätzungsweise bei rund 50.000 Euro liegen. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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