Coronavirus

Positiver Corona-Nebeneffekt: Zahl der Verkehrstoten so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr

Wegen Coronavirus: Zahl der Verkehrstoten so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr
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Aufgrund des Coronavirus waren in letzter Zeit deutlich weniger Autos unterwegs.

Homeoffice, Lockdown und Kontaktbeschränkungen: Wegen der Corona-Krise waren im März deutlich weniger Menschen im Straßenverkehr unterwegs. Das macht sich auch in der Unfallstatistik bemerkbar - zumindest kurzfristig.

  • Der Ausbruch des Coronavirus in Deutschland hat im März die Straßen praktisch leergefegt.
  • Auch mit dem Auto waren die Menschen deutlich weniger unterwegs.
  • Das hatte den positiven Nebeneffekt, dass die Zahl der Verkehrstoten stark zurückgegangen ist. 

Wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie ist die Zahl der Verkehrstoten auf bundesdeutschen Straßen im März auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Bei Unfällen kamen 158 Menschen ums Leben, im März 2019 waren es noch 234 Verkehrstote gewesen, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte. "Noch nie seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990 wurden in einem Monat weniger Menschen bei Verkehrsunfällen getötet als im März 2020", hieß es. In der Regel sterben monatlich den Angaben einer Sprecherin zufolge mehr als 200 Verkehrsteilnehmer.

Coronavirus legte Berufsverkehr fast komplett lahm

Aufgrund der Corona-Krise* waren seit Mitte März deutlich mehr Menschen zu Hause geblieben, was sich auch im Straßenverkehr bemerkbar gemacht hatte. "Viele Leute mussten nicht mehr zur Arbeit fahren, der Berufsverkehr fand praktisch nicht mehr statt", sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wegen gestrichener Reisen sei zudem der Verkehr auf Landstraßen und Autobahnen zurückgegangen. Und auch der Güterverkehr habe aufgrund der geschlossenen Grenzen stark abgenommen.

Laut dem Statistischen Bundesamt ging die Zahl der Verletzten bei Verkehrsunfällen in diesem März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27 Prozent auf rund 20.400 zurück. Die Zahl aller Verkehrsunfälle lag im März bei 166.000 (minus 23 Prozent). Zudem ist es der niedrigste Wert in einem März seit rund 30 Jahren. Das Bundesamt erfasst erst seit der Wiedervereinigung Monatszahlen in seiner Verkehrsstatistik, somit können für die Jahre davor keine Vergleichswerte gemacht werden. Insgesamt registrierte die Polizei im ersten Quartal 2020 rund 564.000 Verkehrsunfälle, das entspricht einem Rückgang von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

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Der ADAC hatte deutlich weniger Einsätze

Auch bei den ADAC-Luftrettern gingen die Zahlen zurück. So waren sie von Januar bis Anfang Mai rund 1.300 Mal bei Verkehrsunfällen im Einsatz, wie ein Sprecher kürzlich sagte. Das seien rund 200 Einsätze weniger gewesen als im gleichen Zeitraum im Vorjahr - ein Rückgang von fast 15 Prozent.

"Wir haben zum ersten Mal einen Hinweis, was die geringe Verkehrsmenge im Unfallgeschehen bewirkt", sagte Brockmann. "Da im März eigentlich nur der halbe Monat betroffen war, erwarten wir für April sogar noch stärkere Rückgänge." Im Mai sei das Verkehrsaufkommen dann allerdings wieder deutlich gestiegen.

Der Unfallforscher beobachtete auch, dass aufgrund der fehlenden Touristen der Einsatz von E-Scootern deutlich zurückgegangen sei. Zudem seien viele Menschen vom Öffentlichen Nahverkehr auf das Fahrrad umgestiegen. "Dadurch, dass sie erst einmal gezwungen waren, den ÖPNV nicht mehr zu benutzen, haben sie vielleicht das Fahrrad dauerhaft für sich entdeckt." Um die Unfallgefahr einzudämmen, sei es deshalb noch dringlicher, die Infrastruktur für Radfahrer auszubauen*. So seien in Berlin während der Corona-Krise bereits Pop-up-Radwege angelegt worden.

Nach Einschätzung von Brockmann werden die Unfallzahlen mit der Rückkehr zum früheren Verkehrsaufkommen wieder das alte Niveau erreichen - oder sogar etwas steigen. Denn aufgrund der Corona-Krise könnte die Zahl der Fahrradfahrer längerfristig wachsen, sagte er. Zudem könnte wegen der Online-Bestellungen der Lieferverkehr dauerhaft zunehmen.

Auch interessant: Fahrrad statt Auto: ADAC empfiehlt Radschnellwege als Alternative für Pendler.

dpa

Die große Übersicht der Fahrradtypen

Falträder finden mit ihrer Koffergröße gut im Zugabteil Platz. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Falträder finden mit ihrer Koffergröße gut im Zugabteil Platz. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn © Tobias Hase
Gravel-Bikes sind nur auf den ersten Blick Rennräder. Unter anderem machen ihre breiteren Reifen sie universeller einsetzbar. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Gravel-Bikes sind nur auf den ersten Blick Rennräder. Unter anderem machen ihre breiteren Reifen sie universeller einsetzbar. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn © Zacharie Scheurer
Cityräder sind genau die richtige Wahl für die kurze Fahrt von der Wohnung in den Park. Foto: Dennis Stratmann/Winora/pd-f/dpa-tmn
Cityräder sind genau die richtige Wahl für die kurze Fahrt von der Wohnung in den Park. Foto: Dennis Stratmann/Winora/pd-f/dpa-tmn © Dennis Stratmann
Trekkingräder sind echte Alleskönner und taugen für den Weg zur Arbeit ebenso wie für eine ausgiebige Radtour. Foto: Flyer-Bikes/pd-f/dpa-tmn
Trekkingräder sind echte Alleskönner und taugen für den Weg zur Arbeit ebenso wie für eine ausgiebige Radtour. Foto: Flyer-Bikes/pd-f/dpa-tmn © Flyer-Bikes
Die Packesel in der Welt der Velos: Reiseräder sind robust konstruiert und können dadurch ordentlich was tragen. Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn
Die Packesel in der Welt der Velos: Reiseräder sind robust konstruiert und können dadurch ordentlich was tragen. Foto: Wolfgang Ehn/Velotraum/pd-f/dpa-tmn © Wolfgang Ehn
Diese Reifen wollen im Matsch wühlen: Mountainbikes spielen überall abseits planierter Wege ihre Stärken aus. Foto: Rudi Wyhlidal/pd-f/dpa-tmn
Diese Reifen wollen im Matsch wühlen: Mountainbikes spielen überall abseits planierter Wege ihre Stärken aus. Foto: Rudi Wyhlidal/pd-f/dpa-tmn © Rudi Wyhlidal
Nach vorne gebeugte Körperhaltung für maximale Trittkraft: Rennräder sind für schnelle Straßenfahrten ausgelegt. Foto: Cannondale/pd-f/dpa-tmn
Nach vorne gebeugte Körperhaltung für maximale Trittkraft: Rennräder sind für schnelle Straßenfahrten ausgelegt. Foto: Cannondale/pd-f/dpa-tmn © Cannondale
Downhill-Mountainbikes haben eine spezielle Rahmengeometrie und längere Federgabeln. Foto: Martin Erd/Haibike/pd-f/dpa-tmn
Downhill-Mountainbikes haben eine spezielle Rahmengeometrie und längere Federgabeln. Foto: Martin Erd/Haibike/pd-f/dpa-tmn © Martin Erd
Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an. Foto: Koga.Com/pd-f/dpa-tmn
Mehr Rennrad als Mountainbike und dennoch gut auf schroffem Untergrund: Crossbikes sprechen sportliche Offroad-Fahrer an. Foto: Koga.Com/pd-f/dpa-tmn © Koga.Com
Transporter mit Pedalen: Auf entsprechend konstruierten Lastenräder bringt man auch schon mal eine Waschmaschine vom Geschäft bis nach Hause. Foto: Kay Tkatzik/pd-f/dpa-tmn
Transporter mit Pedalen: Auf entsprechend konstruierten Lastenräder bringt man auch schon mal eine Waschmaschine vom Geschäft bis nach Hause. Foto: Kay Tkatzik/pd-f/dpa-tmn © Kay Tkatzik

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