Diesel teurer als E10!

München - Die Zeiten, wo Besitzer eines Dieselautos sparen können, sind vorbei. Die Ölmultis erhöhen derzeit nicht nur willkürlich die Preise für Superbenzin, sondern auch für Diesel.

Einige Tankstellen verlangen jetzt für Diesel sogar einen Cent mehr als für den Biosprit E10. ADAC-Sprecher Jürgen Griewing: „Das muss ein Ausreißer sein. Denn der Fiskus verlangt für den Liter Diesel 22 Cent weniger Steuer als für Super und E10.

Normalerweise liegt die Preisdifferenz zwischen dem Liter Diesel und Benzin bei12 und 14 Cent.“ Hinter dem Ausreißer steht nüchterne Berechnung. In der nächsten Woche soll E10 auch an Münchner Essotankstellen eingeführt werden – mit entsprechenden Dumpingpreisen. Esso-Sprecherin Gabriele Radke zur tz: „In einigen Regionen wollen wir versuchen, den Kunden den Biosprit mit niedrigen Preisen schmackhaft zu machen.“ Warum ist aber plötzlich sogar Diesel teurer als E10? Radke: „Das liegt an den gestiegenen Einkaufspreisen für Rohöl am Spotmarkt in Rotterdam.“

Die größten Spritschlucker der Straße

Hier sind die größten Spritfresser: Der sparsamste, der Pickup F-250 von Hersteller Ford, verbraucht im Schnitt etwa 16,2 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Bentley Flying Spur kam im Jahr 2006 auf den Markt. Er verbraucht 17,4 Liter auf 100 Kilometer bei 560 PS. © dpa
Die Limousine 57S von Hersteller Maybach ist mit 612 PS sehr leistungsstark. Allerdings verbraucht das Auto auch 18,1 Liter/100 km. © dpa
Auch Mercedes ist bei den Benzinverbrauchern vertreten. Der ML 63 verbraucht wie der Maybach etwa 18,1 Liter/100 km. © dpa
540 PS stark ist der Ferrari 612 Scaglietti, mit Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h - aber er schluckt auch knapp 19 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Bentley Azure war 1998 das teuerste Cabrio der Welt. Das heutige Modell verbraucht 19,6 Liter Super Plus im Schnitt. Im Stadtverkehr schluckt er ordentlich: Über 26 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Der Supersportwagen Veyron von Bugatti rast mit über 400 km/h nur so über die Straßen - im Schnitt verbraucht er 21,4 Liter auf 100 Kilometer. © dpa
Als Stadtfahrzeug ist der Bugatti allerdings nicht wirklich geeignet. Da erhöht sich der Verbrauch nämlich auf satte 30 Liter/100 km. © dpa
Murciélago, auf Spanisch Fledermaus, ist der Name dieses Lamborghini. Es war der Name eines erfolgreichen Kampfstiers in Spanien. © dpa
Aber er trinkt wohl mehr, als der Stier. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 331 km/h verbraucht der Murciélago im Schnitt 22,4 Liter - der Topschlucker. © dpa

Ein Mineralölexperte widerspricht hingegen: „Wegen der weltweit geringeren Nachfrage nach Rohöl stagniert der Preis, er müsste sogar fallen. Es wir halt jetzt verzweifelt versucht, die E10-Quote zu erhöhen. Denn die Hälfte der Raffinerien in Deutschland hat von E5 auf E10 umgestellt und sitzt jetzt wegen des anhaltenden Verbraucherboykotts auf großen Mengen Biosprit, die vorproduziert wurden. Wir laufen hier auf ein großes Problem zu, denn das spezielle E10 für die kalte Jahreszeit darf am 1. April nicht mehr verkauft werden. Dann gibt es nur noch Sommer E10.“

Unterdessen zeigt der ADAC jetzt einige Tankstellenbetreiber an, die bei der Einführung von E10 kein Super E5 als Bestandsschutzsorte zur Verfügung stellen. „Diese Tricksereien zum Nachteil der Autofahrer müssen ein Ende haben“, sagt ADAC-Sprecher Jürgen Griewing. In München hat der ADAC einige Shell-Tankstellen im Visier, die neben E10 nicht wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, auch das günstigeren Superbenzin im Angebot haben, sondern nur das bis zu 20 Cent teurere V-Power. Gleichzeitig fordert der ADAC die Mineralölkonzerne auf, herkömmlichen Superkraftstoff wieder zu billigeren Preisen anzubieten. Der Mineralölwirtschaftsverband reagierte empört. „Der ADAC versetzt E10 damit den Todesstoß“, sagte Sprecherin, Katrin Retzlaff.

Uwe Fajga/Maximilian Ditz

Rubriklistenbild: © dpa

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