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1500 Flughafen-Mitarbeiter sollen gehen

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Von: Dirk Walter

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Bodenpersonal am Flughafen: Der Konzern will hunderte von Stellen abbauen, mit Abfindungen sollen Beschäftigte zum Weggehen animiert werden. Foto: westermann
Bodenpersonal am Flughafen: Der Konzern will hunderte von Stellen abbauen, mit Abfindungen sollen Beschäftigte zum Weggehen animiert werden. © Westermann

Am Flughafen München schreiten die Pläne für Personalabbau im großen Maßstab voran. 1500 Mitarbeiter sollen über Freiwilligen-Programme den Airport verlassen.

München – Wer in der S-Bahn zum Flughafen fährt, der ahnt schon, in welcher Krise der Flughafen-Konzern FMG steckt. Keine Spur von Flugreisenden, die sonst immer mit Koffern die Gänge des Zuges versperren. Stattdessen: Freie Platzwahl in leeren Vierersitzgruppen. Der „Lockdown light“ hat den Flughafen noch krasser erwischt, als es die Führungsetage um Flughafenchef Jost Lammers für möglich gehalten hat. Um über 63 Prozent ist der Zahl der Flüge 2020 eingebrochen, in der letzten Woche waren es gar 84 Prozent.

Kein Wunder, dass der Flughafen Kosten senken will – unter anderem durch Personalabbau. Lange Zeit hielt der Flughafen unter der Decke, um wie viel Stellen es gehen soll. Die von unserer Zeitung kolportierte Zahl von 20 Prozent (bei knapp 10 000 Beschäftigten im Konzern der Flughafen München GmbH insgesamt) wurde dementiert. Jetzt hat die Geschäftsführung in einer Mitarbeiterinformation bekannt gegeben, dass sie über Freiwilligen-Programme gut 1500 Beschäftigte zum Weggehen animieren will. Weitere Programme in einzelnen Betriebszweigen, etwa bei Aerogate, sind zu erwarten

620 Abfertiger auf der Streichliste

620 Personen sind Mitarbeiter des Abfertigers Aeroground mit kurzer Betriebszugehörigkeit – gekommen erst ab 2018. Viele sind ausländische Arbeitskräfte, oft ist an ihren Job eine Aufenthaltsgenehmigung gekoppelt. Sie sollen entweder eine Abfindung nebst „Sprinterprämie“ für eine schnelle Entscheidung akzeptieren oder aber in eine Transfergesellschaft gehen, um einen Jobwechsel anzustreben. Wie berichtet wirbt der Flughafen mit einer Umschulung etwa zum U-Bahn-Fahrer oder Post-Ausfahrer. 900 weitere ältere Beschäftigte („rentennahe Jahrgänge“) sollen freiwillig in den Ruhestand gehen.

Die Frage ist: wer lässt sich darauf ein?

Betriebsrat Krüger

Ralf Krüger, Verdi-Betriebsrat bei der FMG, ist eher skeptisch. „Die Frage ist jetzt: Wie viele lassen sich darauf ein.“ Wer als älterer Arbeitnehmer jetzt gehe, der müsse berücksichtigen, dass er weniger Rentenbeitragsjahre ansammeln werde. Auch Betriebsrat Orhan Kurtulan sagt: „Das muss jeder selber entscheiden.“ Eben erst wurde am Flughafen Kurzarbeit bis Ende 2021 vereinbart – dadurch seien Kündigungen ohnehin ausgeschlossen.

Auch danach gibt es eine Absicherung: einen Notlagen-Tarifvertrag, den Verdi mit anderen Gewerkschaften und den Flughäfen auf Bundesebene soeben ausgehandelt hat (wir berichteten). Er sieht allerdings eine Absenkung der Wochenarbeitszeit und Lohneinbußen vor – ein Grund, warum ihn Kurtulan ablehnt. Er fordert sogar den Flughafen auf, den Vertrag nicht anzuwenden. Am Flughafen gelte für die Aeroground-Beschäftigten ohnehin schon ein Sanierungs-Tarifvertrag mit Gehaltsverzicht. Betriebsrat Krüger hingegen verteidigt den Notlagen-Tarifvertrag. „Wir konnten ausschließen, dass Beschäftigte stark bluten müssen.“

München steht beim Personalabbau nicht allein: Am Frankfurter Flughafen ist „Relaunch 50“ gestartet, 4000 Stellen sollen weg. Düsseldorf schließt sogar betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

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