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2000 Arztstellen sind unbesetzt

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München - Für manchen Patient sind sie immer noch die „Götter in Weiß“, wenn sie über die Krankenhausflure schweben, doch das Leben eines Klinikarztes ist alles andere als paradiesisch. Das geht aus einer Umfrage des Marburger Bundes hervor.

Diese wurde am Mittwoch in München vorgestellt. Besonders erschreckend ist dabei für den Standesverband der Krankenhausärzte: In bayerischen Kliniken sind 2000 Arztstellen nicht besetzt. Im Durchschnitt fehlen in jeder Abteilung 1,5 Ärzte! Bisher, so Dr. Andreas Botzler, Vizechef des Bundes in Bayern, sei man davon ausgegangen, dass es „nur“ rund halb so viele offene Stellen gebe.

Kaum zu fassen: Trotz der dramatischen Lage stieg die Zahl der Klinikärzte, die ihre Situation als „gut“ oder „sehr gut“ beschreiben seit 2007 an – um immerhin fünf auf 59 Prozent.

Und dies, obwohl der Ärztemangel auf die Arbeitszeit der Krankenhausärzte laut Umfrage drastische Auswirkungen hat: 42 Prozent der Klinikärztinnen und -Ärzte arbeiten zwischen 50 und 59 Stunden in der Woche, gut ein Drittel sogar zwischen 60 und 79 Stunden.

Doch mit der hohen Arbeitsbelastung können viele Ärzte noch relativ gut leben. Das was sie nervt, ist die ­Bürokratie: Wahnsinn: Mehr als die Hälfte der 2000 bayerischen Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligten, gab an, jeden Tag (!) über zwei Stunden mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt zu sein. 29 Prozent bezifferten den Zeitaufwand mit zwei bis drei Stunden, 16 Prozent mit drei bis vier Stunden und zehn Prozent sogar mit mehr als vier Stunden. Kein Wunder, dass viele Patienten das Gefühl haben, die Ärzte hätten keine Zeit mehr für sie.

Der Abbau von Bürokratie steht deshalb auf der Wunschliste der Mediziner ganz oben. Einen noch höheren Stellenwert hat für viele Mediziner nur noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 83 Prozent und damit 20 Prozent (!) mehr als noch im Jahr 2007 gaben an, dass ihnen dies „am wichtigsten“ oder „sehr wichtig“ ist.

Dann folgt in der Rangliste schon der Wunsch nach mehr Fort- und Weiterbildung. Bemerkenswert: Die Bedeutung des Gehalts spielt übrigens nur eine untergeordnete Rolle!

Was die Arbeitsbelastung angeht, verwies Dr. Andreas Botzler übrigens ausdrücklich darauf, dass die Situation bei den Pflegekräften nicht viel anders sei als bei den Ärzten. Dass ­viele Kolleginnen und Kollegen mit Burn-Out-Symptomen zu kämpfen hätten, liege aber nicht nur am Stress. „Das passiert nur, wenn auch noch dazukommt, dass die Arbeit zu wenig wertgeschätzt wird.“

WdP

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