Weltreisender am Chiemsee angekommen

215 Länder in 26 Jahren: Gunther ist wieder daheim!

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Der Anfang: Gunther Holtorf auf der ersten Afrikatour in Botswana.
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Am 8. Oktober 2014 erreichte Gunther Berlin.
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Die Weltreisenden starteten in Gollenshausen am Chiemsee.
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Verladung per Container.
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Wohnmobil: zum Essen, Fahren und Schlafen.
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Christine beim Frühstück.
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München - Bis zu seinem 51. Lebensjahr war Gunther Holtorf in der Luftfahrtbranche tätig. 1988 kaufte er sich einen Geländewagen und erkundete die Welt.

Nach Hause fährt Gunther Holtorf am Sonntag mit dem Zug. Zuvor, an diesem Samstagabend, stellt er seinen Mercedes-Geländewagen G 300 D im Mercedes-Benz-Museum in Untertürkheim ab, gibt Daimler-Chef Dieter Zetsche die Schlüssel und schließt damit ein Kapitel seines Lebens. Ein Kapitel, das aus dem Besuch von 215 Ländern besteht, die er und seine Frau Christine in 26 Jahren bereist und die den Tachostand des Mercedes auf 899.700 Kilometer getrieben haben.

Geplant war das alles nicht. Bis zu seinem 51. Lebensjahr war Gunther Holtorf in der Luftfahrtbranche tätig, leitete Niederlassungen in Südamerika, Hongkong und Indonesien. Dann kam der Zeitpunkt für eine grundsätzliche Entscheidung: „Will ich das bis zum bitteren Ende weitermachen, oder will ich etwas anderes anpacken?“ Gunther Holtorf machte etwas anderes. Er habe die Welt so oft vom Flugzeug aus von oben betrachtet, „jetzt wollte ich das alles aus Flughöhe null befahren“, erzählt er der tz.

Dafür kaufte er sich 1988 den Geländewagen – „ein Modell ohne Elektronik, nur mit Schrauben und Muttern“, sagt er. Da können unterwegs nur mechanische Teile kaputtgehen, und so etwas ist reparabel. Per Zeitungsanzeige fand er seine Reisepartnerin Christine, und mit ihr startete er. „Wir wollten Afrika ganz ruhig in zwei Jahren von Nord nach Süd durchqueren“, sagt er. Es wurden fünf Jahre. Und weil es so gut lief mit ihnen beiden, mit dem Auto und mit dem neuen Leben überhaupt, verschifften sie Otto – wie das Auto von Christine getauft worden war – nach Südamerika. „Und wenn man schon mal da ist, macht man einfach weiter.“

Sie fuhren und fuhren und fuhren. In Länder, in denen sie die Ersten waren, die mit einem Auto einreisen durften, auf unbefestigten Pisten – rund 250.000-Offroad-Kilometer addierten sich bis zum Schluss – und warteten manchmal jahrelang auf die Einreisegenehmigung. Die weißen Flecken auf der Landkarte wurden weniger, und Gunther und Christine fuhren weiter. „Man hakt nicht Länder ab, sondern bereist sie.“ Fast immer übernachteten sie in dem engen Geländewagen, stets bereiteten sie ihre Mahlzeiten dort zu. Finanziert hat Gunther Holtorf die Reisen mit dem Verkauf des Stadtplans von Jakarta. Das ist kein Witz. Als er dort arbeitete, fertigte er einen Straßenatlas der indonesischen 20-Millionen-Metropole an, da es keinerlei Karten gab. Das zahlte sich aus.

Wenn Gunther Holtorf am Sonntag in Gollenshausen am Chiemsee ankommt, wo er nun lebt, „wird nicht die Gefahr bestehen, dass ich mit einem Bier in der Hand vorm Fernseher einschlafe“, beschwichtigt er. Reisen, lesen, Autos restaurieren, klassische Musik hören zählt er auf. Nur wird er sich die Erinnerungen nicht mehr mit seiner Frau teilen können – sie starb 2010 an Krebs. Es war ihr Wunsch, dass Gunther die Reise zu Ende bringt.

V. Pfau

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