Große Sorge im Karwendel

260 Mittenwalder nach Afghanistan

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Patrouille in Afghanistan: Was als Aufbauhilfe begann, ist inzwischen ein Guerilla-Krieg. 30 deutsche Soldaten verloren hier bereits ihr Leben.

Vergangene Woche hat der Bundestag beschlossen, das deutsche Kontingent in Afghanistan um 1000 auf 4500 Soldaten zu erhöhen.

Jetzt steht fest: 260 davon stellen die Gebirgsjäger aus Mittenwald. Die Eliteeinheit ist trainiert für Einsätze unter extremen Witterungs- und Geländebedingungen – und kennt das Terrain: 2003 gab es schon einmal eine Afghanistan-Mission.

Und trotzdem: Die Nachricht vom Einsatz am Hindukusch bereitet den Menschen im Karwendel große Sorgen. Zu gut hat jeder die Bilder noch vor Augen, als vor drei Jahren die Murnauer Soldaten Tino Käßner und Stefan Deuschl schwerst verletzt in die Heimat zurückkehrten. Beide überlebten, aber Oberfeldwebel Käßner verlor einen Unterschenkel und Hauptfeldwebel Deuschl beide Beine.

Ihr Einsatz an jenem 14. November 2005 in Kabul war reine Routine – bis ein weißer Geländewagen auf ihren gepanzerten Spähwagen zuraste. Als das Duo und Oberstleutnant Armin Franz nach einer kleinen Berührung aussteigen, jagt der Selbstmordattentäter sich und sein Auto mit zwölf Kilo Sprengstoff in die Luft. Franz ist sofort tot.

Einem ähnlichen Attentat fielen vor zwei Tagen erneut zwei deutsche Soldaten zum Opfer. 30 Tote hat die Bundeswehr mittlerweile in Afghanistan zu beklagen.

Wie gehen die Gebirgsjäger damit um? „Jeder hat Angst“, schildert Militärpfarrer Wolfgang Scheel die Lage, „alles andere wäre auch krank.“ Vor der Verlegung ins Fieldcamp Faisabad, die Anfang November beginnt, dürfen die Soldaten jetzt noch einmal auftanken. „Schmuseurlaub“, nennen sie das. Einige nützen die Gelegenheit aber auch, um ihr Testament zu machen.

Währenddessen streiten sich Politiker und Militärs um Begriffe. Der Bundesverband ist dafür, dass bei den Einsätzen endlich Klartext gesprochen wird. Oberstleutnant Ulrich Kirch meint: „Wir haben kriegerische Handlungen, das ist keine Frage.“

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Dagegen wehrt sich Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung. Er sagt, bei diesem Einsatz gehe es nicht um Krieg, sondern um etwas völlig anderes, nämlich: „Die Herzen und Köpfe der Menschen in Afghanistan zu gewinnen.“

Quelle: tz

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