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4200 Freiwillige im Pflegepool Bayern - Zahl der Hilferufe könnte wegen Omikron bald stark steigen

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Von: Katrin Woitsch

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Pflegekräfte kümmern sich auf einer Intensivstation um einen Corona-Kranken.
Helfer dringend gesucht: Über den Pflegepool können Krankenhäuser oder Heime Verstärkung anfordern. Mehr als 4200 Freiwillige sind dort registriert. © Picture Alliance

Über 4200 Freiwillige haben sich im bayerischen Pflegepool angemeldet, um auszuhelfen, wenn in Krankenhäusern oder Heimen Notsituationen entstehen. Noch kommen die Hilferufe nur vereinzelt. Doch das könnte sich mit den steigenden Infektionszahlen schnell ändern.

München – Alexander Volk (Name geändert) hat die Pandemie aus vielen Perspektiven erlebt. Er arbeitete auf einer Intensivstation, in einem Impfzentrum und aktuell in einer Corona-Teststation. Eigentlich ist der 49-jährige Münchner selbstständiger Medizingeräte-Techniker, spezialisiert hat er sich auf Beatmungsgeräte. Als er im März 2020 von dem Pflegepool in Bayern erfuhr, meldete er sich sofort an. Auf der Plattform werden Freiwillige an Krankenhäuser, Pflegedienste oder -heime vermittelt, die dringend Unterstützung brauchen. Die meisten Freiwilligen haben einen pflegefachlichen Hintergrund. Aber auch Menschen mit anderen Berufen können helfen – Alexander Volk bekam sofort einen Einsatzort angeboten: die Corona-Station des Klinikums Neuperlach. Sein erster Einsatz fand direkt an vorderster Front bei der Virus-Bekämpfung statt.

Corona in Bayern: Münchner kämpft an vorderster Front - „Vieles war schockierend“

Volk kümmerte sich drei Monate lang um die Beatmungsgeräte – und erlebte Not und Elend in der Klinik unmittelbar mit. „Vieles war schockierend“, erzählt er. Es war die Phase der Pandemie, als die Schutzausrüstung knapp wurde. Volk hat damals mehr gearbeitet als acht Stunden am Tag. Die drei Monate waren anstrengend – körperlich und emotional. Aber er hat es nicht bereut, dass er sich freiwillig gemeldet hatte. „Ich wusste, dass ich gerade dort helfe, wo Hilfe dringend gebraucht wird.“

Der Wille zu helfen ist nach wie vor groß.

Michael Wittmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern

Krankenschwester hilft während Pandemie in Seniorenheim mit: „Ich wollte damals unbedingt helfen“

Ähnlich ging es Marion Zagler. Die gelernte Krankenschwester arbeitete im Frühjahr 2020 in einer HNO-Praxis und meldete sich, um in einem Seniorenheim mitzuhelfen, wo es einen Corona-Ausbruch gegeben hatte. Auch sie arbeitete deutlich mehr als die Stundenzahl, für die sie bezahlt wurde. „Ich wollte damals unbedingt helfen“, erzählt die 39-Jährige. Den überlasteten Pflegekräften im Heim – aber auch den Senioren, die die schweren Wochen wegen des Besuchsverbots ohne ihre Familien durchstehen mussten. Es war eine anstrengende Zeit, sagt auch sie. Aber das Helfen war schön, findet sie. Eine Herzenssache eben.

Volk und Zagler sind zwei von 4291 Freiwilligen, die sich im Pflegepool registriert haben. Mehr als die Hälfte von ihnen hat Erfahrungen im Pflegebereich. Einige haben den Beruf gewechselt, arbeiten mittlerweile in Arztpraxen oder sind bereits im Ruhestand – alle möchten helfen. Aber nicht nur Pflegekräfte werden vermittelt, erklärt Michael Wittmann, der Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern. Angemeldet haben sich auch mehr als 700 Medizinische Fachangestellte, 346 Menschen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, 34 Hebammen und 23 pharmazeutisch-technische Assistenten. Auch sie werden gebraucht.

Corona in Bayern: Pflegepool funktioniert wie Kontaktbörse

Der Pflegepool funktioniert wie eine Kontaktbörse, erklärt Wittmann. Sobald in einem Krankenhaus, in einem Heim oder bei einem Pflegedienst viele Mitarbeiter krankheits- oder Quarantäne-bedingt ausfallen, können die Einrichtungen einen Aufruf im Pflegepool starten. Jeder, der sich dort registriert hat, bekommt die Anfrage weitergeleitet – wenn sie sich auf den Umkreis und die Tätigkeit bezieht, die die Freiwilligen angegeben hatten. „Ob sie sich auf den Aufruf melden möchten, ist ihnen überlassen“, sagt Wittmann. Wenn sie einspringen, werden sie von ihren Arbeitgebern freigestellt. „Die bezahlen das Gehalt weiter, bekommen es aber vom Staat erstattet“, erklärt er. Allerdings müssen die Freiwilligen Mitglieder einer Hilfsorganisation sein. Denn das Katastrophenschutzgesetz ist die rechtliche Grundlage für den Pflegepool. Über die Hilfsorganisationen sind die Freiwilligen während ihres Einsatzes zum Beispiel unfallversichert. „Es gibt auch zeitlich beschränkte Mitgliedschaften“, sagt Wittmann. Der Pflegepool soll so niedrigschwellig und unbürokratisch wie möglich organisiert sein.

Als im November der Katastrophenfall ausgerufen wurde, kamen viele Anfragen von Einrichtungen. Seit Weihnachten habe sich die Lage etwas beruhigt. Aber die hohen Infektionszahlen könnten sich bald bemerkbar machen. Sollten viele Pflegekräfte krankheitsbedingt ausfallen oder in Quarantäne müssen, könnten die Anfragen laut Wittmann sehr schnell stark zunehmen. Dass die Zahl der Registrierungen kontinuierlich steigt, macht ihn zuversichtlich. „Der Wille, zu helfen, ist nach wie vor groß.“

Alle Nachrichten zum Coronavirus lesen Sie in unserem News-Ticker für Bayern.

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