Urteil ist gefällt

Klinik-Schütze muss ins Gefängnis

Kempten - Ein 43-Jähriger hat Mitarbeiter der psychiatrischen Klinik in Kaufbeuren mit einer Waffe bedroht und abgedrückt. Jetzt muss er wegen schweren Vorwürfen ins Gefängnis.

Eine Geiselnahme in einer psychiatrischen Klinik in Kaufbeuren muss ein 43 Jahre alter Mann mit zweieinhalb Jahren Haft büßen. Das Landgericht Kempten verurteilte den Mann am Dienstag wegen Geiselnahme, gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Führens einer Schusswaffe. „Der Angeklagte hat wirre Verhaltensweisen gezeigt und muss als unberechenbar angesehen werden“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Wegen einer Persönlichkeitsstörung sah das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit des 43-Jährigen und ordnete die Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus an.

Im August 2012 hat der ehemalige Patient des Bezirkskrankenhauses in Kaufbeuren mehrere Klinik-Mitarbeiter in ihrem Dienstzimmer für etwa eine halbe Stunde festgehalten und mit einer Gaspistole bedroht. Er forderte, einen Arzt seines Vertrauens sowie einen Patientenanwalt zu sprechen. Einem Krankenpfleger richtete er die Waffe gegen den Kopf, später gab er zwei Schüsse in den Raum ab. „Er hat die Waffe benutzt, um andere in Angst und Schrecken zu versetzen“, sagte der Richter. Der Krankenpfleger habe dabei Todesangst ausgestanden und leide noch heute unter den Erlebnissen.

Beamte konnten den bewaffneten Mann mit Hilfe eines Polizeihundes schließlich überwältigen. Bei den Pflegekräften, einem Arzt und den Polizisten hatte das Reizgas massive Atembeschwerden und Augenreizungen verursacht.

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte, der drei Tage vor dem Vorfall aus der Klinik entlassen worden war, die Vorwürfe eingeräumt. Er habe sich medizinisch nicht richtig behandelt gefühlt. Mit der Geiselnahme habe er erreichen wollen, dass die Polizei kommt, sagte er. „Für mich war das ein Protest und ein Hilferuf.“

Die Staatsanwaltschaft hatte für den 43-Jährigen eine Haftstrafe von fünf Jahren mit Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus gefordert. Die Verteidigung verlangte eine Strafe von maximal zwei Jahren und eine ambulante Therapie.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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