600 Zeugen, 700 Spuren - aber keine zum Mörder

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Mordermittler am Morgen nach dem Auffindern der Leiche: Zunächst schien die Spurenlage vielversprechend.

Mitwitz - Werden sie ihn nie bekommen? Zwei Jahre nach dem Raubmord an dem Filialleiter eines Supermarktes im oberfränkischen Mitwitz (Kreis Kronach) fehlt vom Täter, der Beute von rund 38 000 Euro und den Tatwaffen noch immer jede Spur.

Der 61-jährige Norbert Ottinger war am Abend des 13. November 2006 erschlagen und erstochen worden. Vor dem offenen Tresor fand Ottingers Sohn kurz vor Mitternacht die blutüberströmte Leiche seines Vaters.

Die Sonderkommission Kreisel ließ nichts unversucht. Rund um die Marktgemeinde suchten Taucher 19 Teiche ab – in der Hoffnung, die Tatwaffen, einen Baseballschläger und ein Messer sowie die fünf gestohlenen Geldkassetten zu finden. Auf einer Mülldeponie wurden 100 Tonnen Abfall durchkämmt. „Wir haben mehr als 5000 Leute befragt“, berichtet der Coburger Kripochef Reinhard Müller. Im Frühjahr 2007 rief die Polizei 2300 Männer zu einem freiwilligen Speicheltest auf. Am Tatort hatten die Kriminaltechniker eine DNA-Spur gefunden, die nur vom Täter stammen kannn. Doch auch das umfangreichste Massenscreening, das es bis dahin in ganz Franken gab, brachte die Ermittler nicht weiter.

Auf dem Höhepunkt der Ermittlungen arbeiteten rund 50 Beamte in der Soko. In den ersten zwölf Monaten nach der Bluttat leisteten sie mehr als 26 000 Stunden. Die Überprüfung von mehr als 700 Spuren und die Vernehmungen von rund 600 möglichen Zeugen füllen allein 80 Aktenordner.

Im Mai dieses Jahres gingen erfahrene Beamte, die zuvor nicht in die Ermittlungen eingebunden waren, noch einmal die 25 000 Datensätze durch. Doch auch sie stießen nicht auf eine heiße Spur. Dabei gehen die Ermittler aufgrund ihrer Erkenntnisse davon aus, dass das Opfer seinen Mörder kannte. Das Controlling hatte nur einen Effekt: 20 weitere Aktenordner.

Die Hoffnung, dass die Festnahme des Täters lediglich eine Frage der Zeit sei, hat sich nicht erfüllt. Nach dem anfänglichen Optimismus bei der Suche nach dem Mörder macht sich mehr und mehr Resignation breit. Das Verfahren läuft weiter. Gezielte Ermittlungen werden aber erst wieder aufgenommen, wenn es neue Hinweise oder Spuren gibt. „Es ist nicht so, dass wir jetzt die Akten in den Keller stellen“, erklärt Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein. „Wo wir noch den Hauch einer Chance sehen, werden wir weiter machen.“

Quelle: tz

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