Erhöhtes Unfallrisiko

68.000 Tiere! Wildschwein-Alarm auf Bayerns Straßen

+
Samstag, 2.30 Uhr auf der A 9: Tote Tiere liegen auf dem Asphalt. Der Audi wurde bei dem Zusammenprall total zerstört.

München - Innerhalb von zwei Wochen sorgten Wildschweinrotten bei der Feuerwehr Augsburg mehrmals für Kopfzerbrechen. Wildschweine fühlen sich im Freistaat sauwohl - und das birgt Gefahren.

Augsburg am frühen Morgen. Schatten durchstreifen im Morgengrauen die Innenstadt. Meist gehen sie den Frühaufstehern aus dem Weg, aber nicht immer. Innerhalb von zwei Wochen sorgten Wildschweinrotten bei der Feuerwehr Augsburg mehrmals für Kopfzerbrechen. Die Bilanz: zwei verletzte Passanten, ein Auto mit Totalschaden und viele tote Säue. Die waren auf der Flucht oft in die Kanäle der Stadt gesprungen und mussten erschossen werden.

Wildschweine fühlen sich im Freistaat sauwohl. Die Borstentiere haben sich hier ungehemmt vermehrt. Sieht man sich die Schwarzwildstrecke, die Summe aus Abschüssen, Wildunfällen und natürlichen Todesursachen beim Schwarzwild in Bayern an, ist das Problem offenkundig. Laut bayerischem Forstministerium wurden in der Jagdsaison 2013/2014 in Bayern über 68.000 Wildschweine registriert. Anfang der 1980er-Jahre waren es nur knapp 3000!

Logisch, dass es da zu Begegnungen unschöner Natur kommt: Ein Mann verlässt etwa eine Gaststätte in Würzburg und steht am helllichten Tag vor einem Keiler. Das Tier rast heran, der Mann flüchtet ins Lokal – Tür zu! – und genau an der holt sich der Keiler einen blutenden Rüssel. Dann ist er wieder weg. Doch im Kreis Bad Kissingen hat ein Jogger weniger Glück, er wird beim Trainingslauf angegriffen und gebissen.

Wildschweine können also gefährlich werden, gehen aber Konfrontationen meist aus dem Weg. „Nur wenn sie sich bedrängt fühlen oder ihre Jungen verteidigen, greifen sie an“, sagt Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband. Und Nachwuchs wird über das Jahr, auch im Winter, häufig geboren. Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz in Bayern (BN) sieht drei Gründe für den zügellosen Anstieg der Population. „Als Erstes liegt es wohl am Klimawandel. Die Winter werden milder, mehr Frischlinge kommen durch“, so Straußberger. „Dann kommt der zunehmende Maisanbau. Mais ist ein exzellentes Futter und bietet super Deckung vor Jägern.“ Wird das Futter oder der Platz doch knapp, zieht es die Borstentiere in die Städte. Hier finden sie auf Komposthaufen oder an Mülltonnen zu fressen und in Parks genügend Verstecke. Als Letztes tragen die Jäger laut BN wohl selber auch eine Schuld. Die Waidmänner füttern die Tiere oft gezielt an, um sie vom Hochsitz aus erlegen zu können.

Dass die Wildschweinschwemme anhält, zeigt ein neuer Fall, diesmal in der Nacht zu Samstag auf der A 9: Am Autobahnkreuz Neufahrn konnte eine querende Rotte nicht von der Autobahn flüchten. Ein Audi raste in die Viecher, 15 Tiere starben. Der Fahrer kam ins Krankenhaus, sein Wagen ist Schrott.

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Tote Triathletin: So bewegend nehmen Weggefährten Abschied
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern
Tote und Verletzte bei Unfall in Bayern

Kommentare