Bayerns wohl dienstälteste Bedienung

Sie läuft und läuft: Kathi (91) serviert seit 75 Jahren

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Liebt ihren Job seit 75 Jahren: Kathi (91) feierte im Wirtshaus Zum Goldenen Tal ihr Berufsjubiläum.

München - Katharina Kink – eigentlich kennt sie jeder nur als „Kathi“– hat auch am Sonntag ihr Dirndl angezogen und den Gästen in der Wirtschaft Zum Goldenen Tal frisch gezapftes Bier, Leberknödelsuppe oder Kalbsbraten mit Kartoffelknödel serviert.

So, wie sie es seit 75 Jahren macht. Sonntag feierte die 91-Jährige ihr Dienstjubiläum in Naring (Gemeinde Weyarn). Und sie hat bedient, so wie immer.

Kathi kann sich noch genau an ihren ersten Arbeitstag in dem Gasthaus im Leitzachtal erinnern. „Um 15.30 Uhr bin ich am 30. November mit dem Zug aus Prien angekommen“, erzählt sie im Gespräch mit der tz. Da war sie 16 Jahre alt und trat in Naring eine Stelle als Kindermädchen und Bedienung an. Ihr Arbeitstag begann morgens um 6 Uhr. „Wenn die Kinder im Bett waren, dann habe ich bedient“, sagt Kathi. Und das wurden bisweilen lange Abende und kurze Nächte: „Damals hatte keiner einen Fernseher, also sind die Leute lang im Wirtshaus gesessen und haben getrunken.“ Es kam öfter mal vor, dass sie erst gegen 2 oder 3 Uhr in der Nacht geschafft ins Bett fiel.

Wirt Max Huber und seine Schwester Irmgard wurden beide von Kathi aufgezogen.

17 Jahre lang habe sie diese Doppelarbeit so gemacht, „dann waren die Kinder groß“. Fünf Huber-Kinder waren es, die sie erzogen hat, als wären es ihre eigenen. Hat sie versorgt und umhegt und sich von der Rasselbande nicht hinters Licht führen lassen. Jedes Mal hat sie es entdeckt, wenn die Lauser abends wieder mit dreckigen Füßen ins Bett wollten. Dann kam die Wurzelbürste raus. Die fünf haben sie trotzdem – oder gerade deswegen – heiß und innig geliebt. Selbst geheiratet hat die Kathi nie.
Als sie nimmer fürs Waschen und Füttern zuständig war, hat sie die Gäste im Wirtshaus mit Essen und Trinken versorgt. Auch da konnte sie sich durchsetzen, und keiner hat ihr was vorgemacht. Einer der Gäste, der Toni, habe mal in der vollen Gaststube gesagt „auf die müsst ihr aufpassen, die bescheißt euch!“ Die Reaktion von Kathi war eindeutig: „Dem habe ich eine links und eine rechts gescheuert.“ Bsoffen sei der Toni gewesen, und krumm genommen hat er es ihr nicht: „Der kam wieder.“

Und viele andere Gäste kamen und kommen nach Naring, nicht wenige wegen der Kathi. „Sonntags ist immer voll, wer da nicht reserviert hat, kriegt keinen Platz“, sagt die vermutlich dienstälteste Bedienung im Freistaat. „Da kommen schon mal welche und sagen, sie haben vor 30 Jahren hier geheiratet und fragen, ob ich sie noch kenne“, erzählt sie. „Und dann kommt man ins Ratschen.“

"Mir fehlt nix! Bei der Arbeit denkt man gar nicht ans Altwerden"

Da geht es dann um die Musi, die einmal im Monat im Gasthaus spielt (früher war’s jeden Sonntag), darum, dass viele Gäste aus München kommen, die die traditionelle Küche schätzen. Ab und an geht’s auch um den Urlaub („zwölf Mal war ich auf Teneriffa, heuer habe ich eine Busreise in die Lüneburger Heide gemacht“). Um Zipperlein geht es bei den Gesprächen nie: „Mir fehlt nix! Bei der Arbeit denkt man gar nicht ans Altwerden.“

Und natürlich fragen sie nach ihrem Kilometerzähler. Den trägt sie seit dem 1. September 1977, weil damals Gäste wissen wollten, welche Strecken sie so zwischen Theke, Gaststube und Biergarten zurücklegt. 80 510 Kilometer sind es bis zum Sonntag geworden. Wenn es nach der Kathi geht, können es noch einige mehr werden. Sie läuft und läuft und läuft.

V. Pfau

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