"Sobald mein Visum da ist, bin ich weg"

Ab in die USA: Urgestein Willi will's wissen

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Auf allen Touren begleitet ihn aber immer Hundedame Priscilla, sie ist einer der größten Fans von Willis Musik.

Höslwang - Er war mit 25 Jahren Jetpilot, ist Musiklehrer und besitzt eine eigene Schule. Jetzt zieht es Urgestein Willi Eitel mit 63 in die USA.

Trotz des Absturzes bleibt Willi Eitel beim Fliegen. Er besitzt die Privatpilotenlizenz und will auch in den USA in einem Ultralight-Flieger herumdüsen.

Amerika liegt ihm. Seit Jahren tourt Willi Eitel aus Höslwang, vielen im Kreis Rosenheim bekannt als Sunshine Willi, für Wochen musizierend durch die Staaten. Speziell Texas wurde sein Sehnsuchtsort. „Dort werde ich mich jetzt in Walburg, einer 200-Seelen-Gemeinde nördlich von Austin, niederlassen“, verrät der 63-Jährige dem OVB. Mit häuslich meint der Musiklehrer und Inhaber der Chiemgau-Musikschule sein Wohnmobil. Seine Augen leuchten, geradezu tatendurstig hört sich der Willi an. Ein Grund hierfür: An der Uni in Georgetown hat er einen Lehrauftrag für Harmonielehre, bayerisches Akkordeon und Volksmusik ergattert. „Sobald mein Visum da ist, bin ich weg.“ Wieder ein Neuanfang!

In den USA soll alles wieder gut werden. Seit dem Tod seiner geliebte Frau Margaretha, mit der er 40 Jahre verheiratet war, fühlt er sich in Höslwang „irgendwie einbeinig. Hier habe ich das Gefühl, umzufallen.“ In Amerika sei das anders. „Dort ist sie immer an meiner Seite. Ich fühle sie um mich.“ Deshalb sei es ihm nicht schwer gefallen, die Idee in einen Entschluss umzusetzen.

Mit den beiden erwachsenen Kindern (39 und 35) hat er alles ausführlich besprochen. „Sie haben mich in allem bestärkt.“ So wurde eine Hürde nach der anderen beseitigt und der Weg für die Auswanderung freigemacht: das Haus räumen, Mieter suchen, die Kranken- und Rentenversicherung in den USA organisieren sowie ein Künstlervisum anleiern. Und auch die Chiemgau-Musikschule wurde aufgelöst. „Das war für mich nicht einfach. Schließlich habe ich über 30 Jahre Musik unterrichtet und die Fortschritte meiner Schüler mit Herzblut begleitet.“

Natürlich hat der Sunshine Willi – der Künstlername ist sogar im Pass eingetragen – nicht alle Zelte abgebrochen. „Der Weg zurück zu meiner Familie ist immer möglich, aber ich will es halt noch mal wissen.“

Das Fernweh liegt ihm im Blut: Willi Eitel, 1951 in München geboren, ging nach dem Abitur als Pilot zur Marine. Die Düsenjäger­ausbildung erhielt er 1976 auf der Shep­pard Air Force Base in Wichita Falls, Texas. Dort wäre sein noch junges Leben beinahe vorüber gewesen: Bei einem Trainingsflug mit einem zweistrahligen Düsenflugzeug vom Typ Cessna T37 musste er in der Wüste notlanden. Dabei riss es zwar die Tragflächen weg, die Maschine ging aber nicht in Flammen auf. Willi hatte eine zweite Chance bekommen und genug vom Beruf als Jetpilot.

Seit der Kindheit spielte er ja Ziach und Gitarre. So wurde er Lehrer für bodenständige Volksmusik, machte Diplome in Akkordeon im Hauptfach, Gitarre, Ziach und Kontrabass und gründete 1982 die Chiemgau-Musikschule.

Je näher nun die Abreise heranrückt, umso mehr gespannt ist der Musiker auf das neue Leben. Dank des Visums darf er schließlich arbeiten und kann Geld verdienen. Fix gebucht sind zwei Dinge für die kommenden Jahre: Musikunterricht geben an der Uni und Konzertauftritte, etwa beim Jodlerwirt von Texas mit seinem riesigen Biergarten. Inhaber Ronny Doppelt ist ein Spezl vom Willi seit vielen Jahren. Dabei sein wird immer Hundedame Priscilla, die ständige Begleiterin.

Willi weiß, auf was er sich einlässt. „Natürlich bin ich mit meinen 63 Lenzen nicht einfach losgestolpert. Ich habe alles durchgerechnet“. Je länger er erzählt, umso begeisterter wirkt der Sunshine Willi. „Ich habe eine gewaltige Power und viele Pläne“, sagt er. „Das wird klappen, ich weiß es.“

Sigrid Knothe

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