11.Klässlerin im Interview

Abi-Debakel: "Wir wollen unsere Schule retten"

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Mit einem Plakat machen acht Schüler der 11. Klasse deutlich, dass sie hinter ihrer Schule stehen.

Schweinfurt – Nachdem eine komplette 12. Klasse an einer privaten Fachoberschule durch die Abiturprüfung gefallen ist, meldet sich nun eine Elftklässlerin zu Wort. Sie und mehrere Schüler ihrer Klasse wollen trotz der Abi-Pleite weiter auf die Privatschule gehen.

Jessica R. (21, Name geändert), besucht die 11. Klasse der Schweinfurter Privatschule, an der ein kompletter Jahrgang durchs Abitur gefallen ist. Zusammen mit einigen Klassenkameraden will sie sich für die Schule einsetzen.

Ihren echten Namen möchte sie im Interview nicht nennen, weil die Schüler von diversen Medien bestürmt worden seien - ihr Name ist der Redaktion aber bekannt.

Wie hast Du davon erfahren, dass die komplette 12. Klasse durch das Abitur gefallen ist?

Unsere Klasse wusste schon von ein paar Leuten aus der 12., dass sie durch das Fachabitur gefallen sind. Dass es aber wirklich alle betrifft, haben wir erst so richtig aus den Medien erfahren. Durch die ganzen Vorwürfe, die die Medien unserer Schule gemacht haben, bin auch ich selbst ins Zweifeln gekommen. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir von unseren Lehrern schlecht vorbereitet worden sind. Hinterher habe ich im Internet den Lehrplan mit dem verglichen, was wir bisher gelernt haben. Wir haben sogar schon zwei Schulwochen vor den Ferien den kompletten Stoff durch. Ich habe keine Bedenken, dass der Unterricht schlecht ist.

Warum glaubst Du sind so viele aus der 12. durch das Fachabitur gefallen?

Ich will den 12. Klässlern keine Vorwürfe machen, aber ich glaube, sie haben zu wenig für das Abitur getan. Sie hatten die Bücher und hätten sich somit auch auf den Abschluss vorbereiten können. Ich habe gehört, dass viele der Schüler in der Prüfung Aufgabenstellungen einfach komplett ausgelassen haben. Die Vorwürfe gegen die Schule kann ich jedenfalls nicht verstehen und es wird viel zu viel Medienrummel um die ganze Angelegenheit gemacht.

Inwiefern übertreiben die Medien bei dem Thema?

Jeder will Kontakt zu uns oder den 12. Klässlern. Wenn wir in die Schule gehen, werden wir von Medienvertretern regelrecht aufgehalten. Mehrere Kamerateams von Fernsehsendern wie ZDF oder Sat1 stehen dann vor unserer Schule und wollen mit uns sprechen. Alle wollen Infos. Wir gehen dann immer kommentarlos an ihnen vorbei. Sogar Logo! von KiKa hat schon versucht, Kontakt mit uns aufzunehmen. Zum Teil rufen die Journalisten auch an unseren Handys an und fragen, ob wir Kontakt zu den Schülern aus der 12. Klasse herstellen können. Wir wissen noch nicht einmal, wie die unsere Handynummern raus bekommen haben. Und sogar auf Facebook werden wir von Medienanfragen bombardiert. Wir wollen unsere Ruhe und normal in die Schule gehen können. Das Schlimmste ist jedoch, dass die Abiturpleite in den Medien so übertrieben dargestellt wird. Die Sache wird ab jetzt für immer in den Köpfen der Öffentlichkeit hängen bleib en.

Wie geht es jetzt für Dich und Deine Klasse weiter?

Wir gehen weiter auf die private FOS. Doch unsere Klasse muss zweigleisig fahren, falls unsere Schule geschlossen wird. Als Nächstes steht eine komplette Aufnahmeprüfung auf die staatliche Fachoberschule an. Im Gegensatz zu den Schülern aus der 12. Klasse müssen wir in allen sieben Fächern Prüfungen schreiben. Die 12. Klässler werden hingegen nur in den Fächern geprüft, in denen sie schlechter als 4 Punkte sind. Unsere Klasse kämpft jedoch geschlossen dafür, dass die private FOS erhalten bleibt. Wir wollen unsere Schule retten und dort weiter zur Schule gehen können.

Was sagen Deine Eltern zur Abi-Pleite der 12. Klasse?

Meine Eltern unterstützen mich, wo sie können. Sie hoffen auch, dass die private Fachoberschule bestehen bleibt. Sicherheitshalber soll ich aber die Aufnahmeprüfung an einer staatlichen FOS machen. Ich hoffe, dass ich dann direkt in die 12. Klasse gehen kann. Immerhin will ich kein Jahr verlieren.

Was willst Du später werden?

Nach meinem Schulabschluss möchte ich Lehramt studieren. Später will ich als Grundschullehrerin arbeiten und die Fächer Englisch und Sport unterrichten.

jor

In der Zwischenzeit haben sich empörte Eltern zu Wort gemeldet. Hier die Reaktionen.

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