Rückschlag bei Vergleichbarkeit

Bayerisches Corona-Abitur beginnt: Lehrer-Chef sieht sogar drei deutliche Vorteile für Schüler durch Pandemie

Das Abitur ist Ländersache – so ist es Tradition. Doch seit Jahren sollen die Abschlüsse deutschlandweit vergleichbarer werden. Corona ist ein Rückschlag.

München – Bayern wird in diesem Jahr fast keine Aufgaben aus dem gemeinsamen Abitur-Aufgabenpool der Kultusministerkonferenz verwenden. Das bestätigt das bayerische Kultusministerium unserer Zeitung. „Aufgrund der Verschiebung der ohnehin späten bayerischen Prüfungen wird voraussichtlich nur im Fach Französisch auch auf Aufgaben aus dem ländergemeinsamen Pool zurückgegriffen werden können.“

Die knapp 35.000 Schüler, deren Abiturprüfung am Mittwoch mit dem Fach Deutsch startet, schreiben somit (fast) ein reines Bayern-Abitur. Abgesehen von Französisch sind alle Aufgaben im heimischen Kultusministerium ausgesucht worden.

Bayern nutzt Länderpool für Abitur kaum: Vergleichbarkeit leidet wegen Corona-Pandemie

Für die Bemühungen, das Abitur deutschlandweit vergleichbarer zu machen, ist Corona* ein Rückschlag. Dabei hatte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) viel vorgenommen. Rückblick: Im Jahr 2012 beschlossen die Kultusminister der Länder, das Abitur zumindest in den Kernfächern Deutsch, Mathematik sowie Englisch und Französisch anzugleichen, um künftig bei der Anwendung des Numerus Clausus an den Universitäten mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Dafür wurde ein ländergemeinsamer Abituraufgabenpool geschaffen – seit 2017 ist es Pflicht, dass bei der Abiprüfung auch Aufgaben aus diesem Pool verwendet werden. Das klappte in den vergangenen Jahren leidlich gut. Die KMK beschloss sogar, gemeinsame Prüfungstermine zu vereinbaren – soweit das unterschiedliche Ferien zulassen. Ab 2022 sollte das Pflicht werden.

Ob dieser ehrgeizige Plan langfristig umgesetzt wird, ist offen. In diesem Jahr zumindest werde es reine Länderabiture ohne gemeinsame Bestandteile geben, vermutet der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. Der gemeinsame Aufgabenpool werde auch in den anderen Bundesländern „kaum eine Rolle spielen“. Ohnehin hält Meidinger einigen Bundesländern (nicht Bayern) Tricksereien vor. Bei den Korrekturen gebe es „unterschiedliche Philosophien“, formuliert er vornehm. Manche Bundesländer gewähren bei den Prüfungen auch mehr Zeit, etwa in Deutsch zum Einlesen.

Abitur: Corona-Verzögerung vereitelt Bundes-Plan - Schüler spüren das aber kaum

Praktische Auswirkungen für die Schüler hat der Verzicht auf gemeinsame Prüfungsbestandteile kaum. Meidinger ist sogar der Ansicht, dass die Abiturienten aus anderen Gründen einen Vorteil haben. Es gebe mehr Zeit bei den Prüfungen, beim Berechnen der Leistungen wurde eine „Günstigerregelung“ kreiert und die Lehrer würden sich wohl um eine „verständnisvolle Korrektur“ bemühen – wohl wissend, dass die Schüler im Distanzunterricht das ein oder andere versäumt haben könnten. Es sollte aber auch „kein nachgeschmissenes Abitur“ werden, mahnt er. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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