Auch der Vater sitzt auf der Anklagebank

Tote Babys in Wallenfels: Mordanklage gegen Mutter Andrea

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Acht Babyleichen wurden in diesem Haus in Wallenfels gefunden.

München - Die acht toten Babys in Wallenfels (Oberfranken) schockten im November 2015 ganz Deutschland. Nun wird gegen die Mutter Anklage wegen Mordes erhoben.

Acht Babyleichen, eingewickelt in Plastiktüten und Handtücher, versteckt in einer Abstellkammer: Dieser Grusel-Fund im oberfränkischen Wallenfels schockte im November 2015 ganz Deutschland. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Anklage fertig. Sie wirft der Mutter Mord in vier Fällen vor. Das unfassbare Motiv laut Ermittler: Andrea G. (45) wollte ihren Lebensstil beibehalten – ohne die Verantwortung für weitere Kinder!

Die Ermittler werfen Andrea G. (45) vor, zwischen 2003 und 2013 acht gemeinsame Kinder in der Wohnung des Ehepaars zur Welt gebracht zu haben. Vier dieser Kinder soll die Mutter vorsätzlich getötet haben. Bei den anderen vier gefundenen Babyleichen konnten der Staatsanwaltschaft zufolge nicht geklärt werden, ob die Kinder nach der Geburt tatsächlich lebten und lebensfähig waren.

Auch Vater Hans G. (55) soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft auf der Anklagebank sitzen: Er soll seiner Frau geholfen haben, ohne jedoch selbst an den Tötungen beteiligt gewesen zu sein.

Die Eheleute, die sich bereits vor dem Fund der Babyleichen getrennt hatten, haben gemeinsam noch drei lebende Kinder. Zudem brachten beide jeweils zwei Kinder in die Ehe mit, wie Christian Pfab von der Staatsanwaltschaft Coburg am Freitag sagte. „Das ist eine Patchwork-Familie.“

Den Gruselfall hatte Mitte November 2015 zunächst ein Notarzt ins Rollen gebracht. Er war wegen eines toten Säuglings in das Haus in Wallenfels gerufen worden. Als sich alarmierte Polizisten umsahen, entdeckten sie in einem Abstellraum die sterblichen Überreste von insgesamt acht Babys.

Wenig später wurde die Mutter gefasst, die sich mit ihrem neuen Lebensgefährten im nahen Kronach in einer Pension aufgehalten hatte. Sie räumte damals laut Polizei ein, mehrere Säuglinge lebend zur Welt gebracht und anschließend getötet zu haben. Andrea G. sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sie wurde inzwischen psychiatrisch begutachtet. Gegen den Vater Hans G. besteht kein Haftbefehl. „Dafür haben wir die gesetzlichen Voraussetzungen nicht gesehen“, sagte der Sprecher der Coburger Staatsanwaltschaft Christian Pfab.

Nun muss das Landgericht Coburg entscheiden, ob es die Anklage zulässt.

tz

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