Ordnungshüter spielen in Punk-Video mit

Schnapsidee ruiniert Polizisten-Karrieren

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Diese Bilder würden die beiden Polizisten am liebsten nicht mehr im Netz sehen.

München - Kurioser Prozess: Ein schräges Musikvideo eines nicht ganz gewöhnlichen Musikers hat zwei Polizisten ordentlich Ärger eingebracht. Sie haben in ihrer Dienstzeit in dem Clip mitgespielt. Jetzt bereuen sie das offenbar.

Am Anfang war es nur eine Schnapsidee, nun hat sie das Münchner Landgericht erreicht. Es geht um ein paar Sekunden in einem Musikvideo: Zwei Polizisten springen aus ihrem Dienstwagen und rennen in eine Berghütte im Allgäu. Bässe, Schlagzeug. Drinnen singt Karl Gehring, 55, der Hüttenwirt: „Tatütata, die Polizei ist da“. Gehring ist auch Punkrocker, als Musiker nennt er sich El Carlos. Der Song, um den es geht, nimmt eine polizeikritische Haltung ein. Vorsichtig formuliert. Und hier beginnt das Problem.

El Carlos mit seinem Anwalt vor Gericht.

Gerichtsgebäude am Lenbachplatz, Montagnachmittag. Als Kläger ist der Polizist Andreas S. (Name geändert) erschienen, der im Video gemeinsam mit einem Kollegen zu sehen ist. Er fordert seit bald zwei Jahren von El Carlos und seinem Bandkollegen Martin Kilger, 39, das Video aus dem Netz zu nehmen. Sein Arbeitgeber, die Kemptener Polizei, macht Druck. Der Richter sagt: „Ich hätte uns das hier gerne erspart.“ Denn das Problem ist: Die beiden Beamten haben aus freien Stücken mitgespielt.

Ende 2012, zügig nach der Veröffentlichung des Videos, bekommt Andreas S. die Humorlosigkeit seines Arbeitgebers zu spüren. Er wird in den Innendienst versetzt, Beförderung auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Und das Video soll endgültig aus dem Internet verschwinden. Die beiden Musiker wissen um die beruflichen Folgen für die Polizisten: Kilger hat gleich nach der ersten Beschwerde die Gesichter der Polizisten verpixelt, ein paar Tage nach der Veröffentlichung. Auch das Autokennzeichen ist nicht mehr zu erkennen. Das reicht, sagen die Musiker. Das reicht nicht, sagt der Polizist. Deshalb sitzen sie sich am Montagnachmittag im Sitzungssaal 501 gegenüber.

Wie kam die Idee zustande, warum haben die Beamten mitgemacht? „Über eine Ecke bekannte Polizisten haben uns geholfen“, sagt Kilger. „Man hat sich einfach gekannt“, sagt El Carlos. Andreas S. schweigt. Er hat den Preis für die Schnapsidee längst gezahlt, so sehen es alle Beteiligten. Sein Kollege, dem es ganz ähnlich ergangen ist, hat auf eine Zivilklage verzichtet.

Heute hat das Video zu „Tatütata“ 60 000 Klicks. Für Kilger und El Carlos gibt es keinen Grund, den Clip zu löschen. Außerdem ist es längst auf anderen Plattformen zu sehen, nicht nur auf Youtube. Das Internet vergisst auch Schnapsideen nicht.

Schließlich kommt es im Gerichtssaal zum großen Finale. Die beiden Musiker und der Polizist, ihre Anwälte und der Richter schauen sich den Clip gemeinsam an. Nach eindringlichen Appellen des Richters einigen sich die Parteien auf einen Vergleich. Die verpixelte Fassung wird weiterhin im Netz zu sehen sein. Die Aufnahmen, auf denen die Polizisten eindeutig zu erkennen sind, dürfen nicht vertrieben werden. „Das haben wir auch nicht vor“, sagt Kilger.

Vor dem Videodreh war der Umgang mit der Kemptener Polizei entspannt, erzählt El Carlos. Seit der Aufregung kommen die Polizisten nicht mehr auf seiner Hütte vorbei. Sie werden das Bild vermutlich nicht sehen, das der Wirt bald aufhängen will. Im Gerichtssaal hat er gezeichnet. Eines seiner Motive: der Richter. „Eine verpixelte Fassung können sie aufhängen“, sagt der Jurist. Gelächter. Da muss sogar Andreas S. kurz schmunzeln.

Von Maximilian Heim

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