Preisverfall für Milch und Fleisch

Agrarminister: Lage der heimischen Bauern „besorgniserregend“

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Der niedrige Milchpreis macht den Bauern zu schaffen. Aber auch für Fleisch ist die Lage alles andere als rosig.

München - Milch-Überschuss, Preisdruck, Russlandembargo - die Landwirte in Bayern geraten immer mehr unter Druck. Die Freien Wähler haben dazu eine Aktuelle Stunde im Landtag angestoßen.

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sieht neben dem Preisverfall die wachsende Bürokratie als Hauptschwierigkeit der heimischen Bauern. „Manchmal habe ich das Gefühl, das größte Problem für die Bauern sind die Preise - und Bundesumweltministerin (Barbara) Hendricks“, sagte Brunner am Dienstag im Bayerischen Landtag. Dies sorge dafür, „dass unsere Bauern oftmals der Mut verlässt“. Die Situation in der Landwirtschaft sei insgesamt „sehr besorgniserregend“.

In der von den Freien Wählern beantragten Aktuellen Stunde warnten Politiker quer durch die Parteien vor der Marktmacht weniger Einzelhandelsriesen. Hinzu kämen internationale Absatzprobleme, besonders durch das Russlandembargo. Der agrarpolitische Sprecher der Freien Wähler, Leopold Herz, plädierte angesichts schlechter Milchpreise unter anderem für eine kurzfristige Reduzierung der Menge gegen Entschädigung.

Brunner: Bayern werde weiter auf Qualität setzen statt auf Masse

Horst Arnold von der SPD-Fraktion sagte, gegen den Preisverfall helfe den Bauern eine - von anderen Rednern beschworene - gute Ausbildung nicht. Auch vergünstigte Darlehen seien keine Lösung. „Es ist nicht sinnvoll, wie die CSU nur in Pumpen zu investieren, wenn es ins Dach hineinregnet.“ Nötig sei unter anderem ein Systemwechsel bei der Preisbildung der Lebensmittel.

Brunner sagte, die schlechten Preise für Milch, aber auch für Ferkel, Getreide und weitere Produkte träfen nicht nur bayerische Bauern. „Die Landwirtschaft ist allgemein unter Druck, nicht nur in Bayern und Deutschland, sondern in der Europäischen Union und darüber hinaus.“ In Neuseeland etwa gebe es eine Schlachtprämie für Milchkühe. Hierzulande seien die Milchmengen seit dem Wegfall der Quote 2015 um 20 Prozent gestiegen. Dennoch sei die Lage der Bauern in Bayern vergleichsweise gut. Sie bekämen 30 Cent pro Liter Milch, in Sachsen seien es nur 23 Cent. Bayern werde weiter auf Qualität setzen anstatt auf Masse.

Der Bayerische Bauernverband verwies angesichts der Aktuellen Stunde auf seinen Maßnahmenkatalog und verlangte unter anderem Entlastungen bei Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträgen.

dpa

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