Kampf ums Überleben

Das Leid der Tiere von Deggendorf

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Herzzerreißend: Ein Kadaver treibt neben einem Hof, zwei Kühe kämpfen ums Überleben

Deggendorf - Nicht nur für die Menschen, auch für die Tiere ist die Hochwasser-Katastrophe in Deggendorf eine große Qual. Gut Aiderbichl kämpft und ist auf Rettungsmission.

Kühe brüllen. wenn sie ahnen, das etwas Schlimmes aus sie zukommt. Pferde bocken und rennen weg, Hühner kreischen, fuseln wie wild durcheinander. Man mag sich gar nicht ausmalen, was derzeit in den Ställen und in der freien Wildbahn im Hochwasser-Krisengebiet Deggendorf los ist – neben dem unbeschreiblichen menschlichen Leid treffen die Fluten auch die Millionen von Viecherln. Seit Beginn der Flutkata­s­trophe befindet sich deswegen auch ein Team von Gut Aiderbichl im Hilfseinsatz; in der von Deggendorf nicht weit entfernten Dependance Eichberg finden Tiere ein Asyl. „Inzwischen stehen bei uns rund 70 Kühe und Bullen“, erzählt Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser.

Die Aiderbichler fanden sich in den vergangenen Tagen schnell in dramatischen Situationen wieder. Etwa bei einem drohenden Dammbruch – doch trotz der Evakuierungs-anordnung wollte eine Witwe das Milchvieh und die Jungbullen nicht alleine zurücklassen. Kälber konnte sie selbst auf höheres Terrain bringen, doch mit den 23 Kühen im Stall war sie überfordert. Das Team konnte helfen. Stunden später fegte die Bäuerin den leeren Stall, obwohl ja Überschwemmung drohte. „Das alleine zeigt, wie schwer es für die Betroffenen ist, mit der Situation umzugehen“, erzählt Tierretterin Sandra Huber. Nachbarn trösten sich auch mal mit einem „so schlimm wird es schon nicht werden“.

Schock-Fotos: Land unter im Kreis Deggendorf

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Doch es sind nicht allein Kühe und Bullen, die ums nackte Überleben kämpfen. Da sind die versprengten Hunde und Katzen, die von Heizöl verschmierten Hühner, Gänse. Und Kitze, die keine Mutter mehr haben. Gut Aiderbichl in Deg­gendorf gleicht immer mehr einem Flüchtlingslager für unsere tierischen Freunde, aber: Das Team um Michael Aufhauser stößt langsam an seine Grenzen. „Wir bräuchten dringend vier Melkmaschinen“, entsprechende Aufrufe wurden bereits abgesetzt.

Bei einem Flug im Hubschrauber, der aus Salzburg kam, um in Bayern keinen abziehen zu müssen, wurde das Ausmaß des Tierleids überdeutlich. Die Aiderbichler mussten mitansehen, wie zwei Kühe gegen den Ertrinkungstod kämpften, daneben trieb ein Kuh-Kadaver in den Fluten.

Geschockt zeigt sich auch ein Bauer im Flutgebiet. Hundert seiner gesunden Bullen musste der Gnadenschuss gegeben werden. Der Landwirt hatte eigentlich gedacht, dass die Tiere im Stall sicher sein würden – ein verhängnisvoller Fehler: Als die Flut kam, war es für eine Rettung zu spät. Die Bullen wurden erschossen, um ihnen ein langsames und qualvolles Ertrinken zu ersparen.

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Markus Christandl

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