Einkaufszeiten 

Rummel oder Ruhe - soll der Sonntag heilig bleiben oder möchten die Bayern lieber shoppen gehen?  

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Mehr verkaufsoffene Sonntage für Bayern fordert Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger will mehr verkaufsoffene Sonntage im Freistaat etablieren. Doch ob die Bayern das überhaupt wollen, ist noch nicht belegt.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (48, Freie Wähler) hat eine heftige Debatte losgetreten: Er will einige verkaufsoffene Sonntage auch ohne Anlass ermöglichen. Rummel oder Ruhe? Was ist die beste Lösung für Bayern? Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern findet Aiwangers Plan gut. „Das ist genau der richtige Weg. Die Kommunen brauchen Planungssicherheit.“ Bislang würden viele die Möglichkeit der vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr nicht nutzen, weil die Gewerkschaft häufig klage oder Klagen androhe. 

Die verkaufsoffenen Sonntage seien für den Einzelhandel aber enorm wichtig, so Ohlmann. „Viele Familien nutzen sie, um sich zu informieren oder gemeinsam einzukaufen.“ Die evangelische Landeskirche und das Erzbistum München-Freising zeigten sich erstaunt, dass Aiwanger vor seinem Vorstoß kein Gespräch mit den Kirchen gesucht habe. Beide betonten, dass der Schutz von Sonn- und Feiertagen ein hohes, verfassungsrechtlich geschütztes Gut sei. Allein ökonomische Interessen würden nicht ausreichen, um Marktsonntage als Ausnahmen des Sonntagsschutzes zu rechtfertigen. 

Verdi wirft Aiwanger Wortbruch vor. Noch 2018 habe er sich unmittelbar nach der Wahl gegen weitere Sonntagsöffnungen ausgesprochen. „Dass Aiwanger versucht, sich auf dem Rücken der Beschäftigten bei der Wirtschaft zu profilieren, ist bitter.“ Udo Klotz, Geschäftsführer des Amper-Einkaufszentrums in Fürstenfeldbruck, erhofft sich nicht viel von der Sonntags-Debatte: „Im Lebensmittelhandel rechnet sich das kaum.“ Deshalb öffne das AEZ sonntags so gut wie nie. 

Für viele Tankstellen würde es sogar Umsatzverluste bedeuten, wenn die Läden sonntags öfter öffnen würden. „Die Sonn- und Feiertage sind für uns eine große Umsatzstütze“, berichtet Elisabeth Kehrer, die in Peiting (Kreis Weilheim-Schongau) eine Tankstelle betreibt. Sonntags verkauft sie mehr Lebensmittel – wie Grillwaren. Wenig Personal wolle an Sonntagen arbeiten. „Die Leute dafür muss man erstmal finden.

Katrin Woitsch

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Sonntags zum Einkaufen? Zwei unserer Redakteure haben dazu eine unterschiedliche Meinung

tz-Redakteur Andreas Thieme ist dafür

Warum darf man sonntags am Hauptbahnhof und an Tankstellen einkaufen, aber nicht im Supermarkt? Für mich macht das keinen Sinn. Insofern freue ich mich über den Vorstoß von Hubert Aiwanger, der die Ladenöffnungszeit lockern möchte. Ich glaube, dass sich der Shopping-Stress dadurch entzerren würde – egal, ob es um Lebensmittel oder Kleidung und Elektroartikel geht. Denn: Unter der Woche schafft man es nach der Arbeit nicht immer, bis 20 Uhr einzukaufen. Samstags ist die Innenstadt randvoll. Viele bestellen deshalb online. Auch der Handel profitiert also, wenn sonntags öfter geöffnet wäre. Und wer darauf keine Lust hat? Der bleibt einfach zu Hause! 

tz-Redakteurin Stefanie Thyssen ist dagegen

„Der Sonntag ist heilig“ – dieser Satz ­bezieht sich auf mehr als „nur“ die Kirche. Sonntags haben die meisten Menschen frei. Zeit, sich um sich, die Familie, Freunde, Sport, kurzum: den Ausgleich zum stressigen Alltag zu kümmern. Runterkommen sollte das Motto sein – und bleiben! Wenn sonntags die Läden öffnen würden, müssten Verkäuferinnen und Verkäufer auf ­diese freie Zeit verzichten. Viele andere – da ­nehme ich mich gar nicht aus – würden das Angebot wahrscheinlich sogar mal nutzen. Ich finde aber, das muss nicht sein. Wenn schon, sollte man die Öffnungszeiten unter der Woche lockern. Woanders haben ­Supermärkte bis 22 Uhr auf. Das ist gut. Aber der Sonntag sollte heilig bleiben.

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