Krimi immer verworrener

Akte Luxi: Das Drama um den kranken Millionär

Georg Luxi geht es inzwischen besser

Zwiesel - Georg Luxi liegt nach wie vor im Kreiskrankenhaus Zwiesel, ihm geht es etwas besser. Der Krimi um den kranken Millionär hat inzwischen schwer durchdringliche Ausmaße angenommen.

Auf der Station 4 in Kreiskrankenhaus Zwiesel liegt ein alter Mann, um den sich ein heftiger Vermögensstreit dreht. Georg Luxi, 87 Jahre alt, Schlaganfallpatient, mehrfacher Millionär. Sein Zustand? „Die Augen vom Schorsch sind manchmal offen“, sagt Luxis notarieller General- und Vorsorgebevollmächtigter, der Diplomkaufmann mit Uni-Abschluss, Georg S. „Aber es sind Nervenzellen im Gehirn abgestorben, er schläft sehr viel.“

Seit Herbst 2008 ist S. mit seiner Mutter Maria notariell beglaubigter Bevollmächtiger des Kranken, doch dieser juristische Status wird von den beiden Töchtern Luxis angezweifelt. Sie vermuten keine edlen Motive bei Georg und Maria, sondern Eigennutz. Luxi sei nach Ansicht der Töchter dement gewesen, als er die umfassende Vollmacht erteilte. Doch der so Beschuldigte Georg S. sagt zu dem Vorwurf: „Alleine im Jahr 2008 hat Herr Luxi bei vier verschiedenen Notaren und fünf notariellen Verträgen zu verschiedenen Zeiten persönlich seine Unterschrift geleistet. Die letzte gegen Ende 2008.“

Angst vor einer Unterbringung

Dazu führt S. eine ganze Reihe von Zeugen an, darunter einen Richter, sechs Notare, eine Betreuungskraft für Demenzkranke. Sie könnten Luxis volle Geschäftsfähigkeit bezeugen, bis ins Jahr 2012. Doch es geht um mehr als um Betreuung und um Geld. Es geht auch um Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Untreue. Die Staatsanwaltschaft Deggendorf ermittelt gegen Georg S. und dessen Mutter, seit Kurzem aber auch gegen Luxis Töchter auf Anzeigen von Georg S. Hier geht es um Betrug und Beihilfe zur Unterschlagung.

Doch zunächst waren es die Vorwürfe der Töchter, die den Fall des „entführten Millionärs“ spektakulär an die Öffentlichkeit brachten. Luxi und seine Lebensgefährtin Maria waren plötzlich für die Behörden im Januar 2012 nicht mehr greifbar gewesen. Der Höhepunkt: Eine Fahndung nach Luxi via Aktenzeichen XY, ungelöst… Wie sich später herausstellte, hielt sich das Paar auch in Tschechien auf. Dazu Georg S.: „Herr Luxi wollte weg, er hat so entschieden, weil er es nicht wollte, dass es ihm geht wie Gustl Mollath. Es lag nämlich eine Unterbringungsanordnung in die geschlossene Psychiatrie gegen Herrn Luxi vor, aufgrund von Falschangaben.“ Und genauso plötzlich, wie das Paar verschwunden war, tauchte es nach 15 Monaten Anfang Juni im Krankenhaus Zwiesel wieder auf, Luxi war schwer erkankt.

Der Fall Luxi, der Krimi um den Millionär und die eigentlich naheliegendste Frage: Weshalb sind Maria S. und ihr Sohn als Bevollmächtige überhaupt in Freiheit, wenn sie Luxi über eineinhalb Jahre lang seiner Freiheit beraubt haben sollen? Vielleicht findet sich die Antwort darauf in den Entwicklungen der letzten Zeit: Vergangene Woche legte Professor Volker Thieler, der Rechtsbeistand von Luxis Töchtern, eine Erklärung mit dem Titel: Entführter Millionär soll sterben? vor.

„Kein dringender Tatverdacht“

Das Amtsgericht hatte nämlich zuvor in einem Betreuungsverfahren seinen Antrag abgelehnt, Georg S. im Bereich der Gesundheitsfürsorge durch einen anderen Betreuer zu ersetzen. Hintergrund des Antrags: Georg S. wollte keine künstliche Ernährung von Luxi, gemäß dessen Patientenverfügung aus dem Jahr 2012. Das Amtsgericht stellte nun in seinem Beschluss fest: „Eine Unredlichkeit des Bevollmächtigen (also Georg S.) ergibt sich weder aus den Ermittlungen des Betreuungsgerichts noch aus staatsanwaltschaftlichen Erkenntnissen.“ Was in Widerspruch steht zum parallel laufenden strafrechtlichen Verfahren: Deggendorfs Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger wollte aufgrund ihrer Erkenntnisse U-Haft gegen die beiden mutmaßlichen Entführer erwirken, doch Amts-, Land- und schließlich Oberlandesgericht – also drei Instanzen – kamen ihrem Ersuchen nie nach. Der Grund: „Die Gerichte sahen keinen dringenden Tatverdacht“, sagt Schwai­berger. War die Öffentlichkeitsfahndung dann gerechtfertigt?

Nach dem Amtsgerichtsbeschlusses reichte nun Professor Thieler namens der Töchter per Eilantrag eine Betreuungsbeschwerde am Landgericht ein, die den Beschluss des Amtsgerichts aufhob und eine Art Übergangs-Bevollmächtigen bis Mitte September einsetzte, den Juristen Dr. Ronny Raith aus Kirchberg. Der Münchner Medizinrechtler Wolfgang Putz hält dies für eine vernünftige Entscheidung, die wohl von ärztlicher Seite gestützt werde. Putz: „Solange zwei Ärzte denken, dass sich der Patient erholen könnte, greift die Patientenverfügung nicht.“ Raith berichtete, dass es bei Luxi deutliche Fortschritte gebe, allerdings auch neurologische Schäden erkennbar seien.

Interessant an der Begründung des Landgerichts ist, dass Dr. Hans Simmerl, Leitender Facharzt für Neurologie und Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Mainkofen, bei Luxi neben schweren hirnorganischen Schädigungen nach Schlaganfall auch Hinweise erkannte auf ein „vorbestehendes dementielles Syndrom“. Offen sei, wann die Krankheit bei Luxi begonnen hat, so zitiert die SZ den Gutachter. Aus medizinischer Sicht gebe es keine Möglichkeit, das Einsetzen der Demenz rückwirkend festzustellen.

„Ich will jetzt endgültig abhauen“

Von Demenz will Georg S. nicht sprechen: „Schorsch ist alt, aber nicht dement.“ So sei auch Luxi damals aus freien Stücken weggegangen, aus Angst, dass er in die Psychatrie komme. „Der Ärger mit den Kindern regt mich immer mehr auf, ich will jetzt endgültig abhauen“, schrieb Luxi laut S. im November 2011. S. präsentiert einen entsprechenden Brief, dessen Echtheit er bezeugt. Vom Jahr davor liegt ein fünfseitiger Brief an Luxis Tochter Gabi vor, laut Georg S. ist sie die Treuhänderin des Millionärs. In dem Brief will Luxi von ihr wissen, „wie du das viele Bargeld angelegt hast“. Es geht darin auch um die Frage, wie die Tochter gedenke, gewährte Darlehen zurückzuzahlen. Auf Briefe von Georg S., in denen dieser eine Vermögensaufstellung verlangt, stritt sie ihre Funktion ab. Für Georg S. ein Unding: „Ich besitze rund 40 Überweisungen, die Gegenteiliges beweisen.“ Professor Thieler, der die Töchter vertritt, meint aber zur Treuhänder-Rolle der Tochter: „Das ist Quatsch, das stimmt nicht.“

Die rechtliche Auseinandersetzung um Luxi ist noch lange nicht vorüber, Georg S. ficht den derzeit gültigen Beschluss des Landgerichts an. „Das Landgericht hegt wohl Zweifel, dass Luxi zum Zeitpunkt der Patientenverfügung aus dem Jahr 2012 geschäftsfähig war.“ Er will nun mit inhaltsgleicher Verfügung aus dem Jahr 2008 diese Zweifel zerstreuen. Zusätzlich lässt er Zeugen auffahren, die Luxi bis ins Jahr 2012 „nie verwahrlost, immer gepflegt, rasiert und geistig wie körperlich fit erlebten“, so eine Bekannte des 87-Jährigen.

Wann eine Entscheidung fällt, ist nicht absehbar. Dagegen scheint sich der Gesundheitszustand des Ex-Unternehmers stabilisiert zu haben. Von einer möglichen Gesundung will Georg S. aber auf keinen Fall nicht sprechen: Luxi sei halt nicht klar und werde – was er nie wollte – über Magensonde ernährt.

Markus Christandl

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