Die Allgäuer Drogen-Mafia

Angst vor Rache an verhaftetem Drogenfahnder

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München - Der Fall um Polizist Armin N. sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Bei dem Drogenfahnder war Kokain entdeckt worden. Derzeit sitzt er in Haft - "an einem sicheren Ort". Der Grund: Angst vor Rache.

War es Dreistigkeit? Oder schlicht Dummheit? Ausgerechnet im Spind seines Dienstzimmers entdeckte man beim Chef der Kemptener Drogenfahndung 1,6 Kilo Kokain. Kein Wunder, dass der Fall um Polizist Armin N. (52) vor einer Woche bundesweit Schlagzeilen machte. Doch der Krimi aus Kempten macht nur eins wieder deutlich: Das Allgäu ist schon lange eine Hochburg der Drogenmafia!

Anwalt Wilhelm Seitz vertritt Armin N..

Derzeit ist Armin N. „an einen sicheren Ort“ untergebracht, wie sein Anwalt Wilhelm Seitz der tz sagt. Wo genau, wolle er nicht sagen – zum Schutz seines Mandanten. Denn in einem normalen Gefängnis könnte der hochrangige Drogenermittler auf Insassen treffen, die er selbst hinter Gitter gebracht hat – und die könnten auf Rache sinnen. „Gegen meinen Mandanten wird wegen Fundes von Kokain sowie Körperverletzung ermittelt“, erklärt Seitz. Zur Erinnerung: Der Beamte hatte kurz vor seiner Verhaftung seine Ehefrau verprügelt. Die Ermittlungen bedeuteten aber auch: Es gebe noch keine Anklage wegen Verstrickungen in ein Mafia-Netzwerk. Noch nicht …

Warum ausgerechnet von Memmingen bis Oberstdorf?

Denn es ist bei Polizeiexperten längst kein Geheimnis mehr, dass die Cosa Nostra und die Ndrangheta vom Allgäu aus den gesamten Kokain-Handel im Freistaat steuern. Was hatte Armin N. mit diesen Organisationen zu tun? Kannte er deren Köpfe? Neben den Drogen machen die Gangster auch Geschäfte mit Geldwäsche und Schutzgelderpressung. Stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet von Memmingen bis Oberstdorf? Das Landeskriminalamt hat dafür eine simple Erklärung: Mit dem Eintreffen der italienischen Gastarbeiter in den 50er-Jahren seien auch „kriminelle mafiöse Netzwerke importiert“ worden. Und die bestehen heute noch. Zudem fühlten sich die Gangster in der ländlichen Region viel unbeobachteter als beispielsweise in Großstädten wie München und Nürnberg. Und so entwickelte sich über Jahre hinweg ein wahres Geflecht von illegalen Geschäften quer übers Allgäu. Auch mit Heroin.

"Es ist wie in einem Hollywood-Thriller"

Killer Giorgio Basile tötete mindestens 30 Menschen.

Wie drastisch die Gangster teils vorgehen, zeigt der Fall des Killers Giorgio Basile. Die Polizei schnappte den Mann 1998 in Kempten. Schnell stellte sich heraus, dass Basile nicht weniger als 30 (!) Auftragsmorde begangen hatte – alle für die Mafia-Organisation Ndrangheta (was übrigens „Helden“ bedeutet). Da wurden mitten im Allgäu Menschen in Salzsäure aufgelöst und anderes. „Es ist wie in einem Hollywood-Thriller“, sagte damals ein ermittelnder Beamter der bayerischen Polizei. Später wurde Basile zu einem Kronzeugen, er sagte gegen seine Freunde aus. Es gab aber nur wenige Festnahmen.

Heute ist klar, dass der Drogenhandel noch immer vom Allgäu aus gesteuert wird. Der Prozess gegen Armin N. wird zeigen, wie viel er damit zu tun hatte …

tz

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