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Löschteich wird zur Badeanstalt: Die traurige Geschichte des Regensburger Altstadt-Freibads

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Von: Stefan Aigner

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Das Regensburger Altstadt-Freibad gab es bis Anfang der 50-er Jahre direkt am Minoritenweg.
Das Regensburger Altstadt-Freibad gab es bis Anfang der 50-er Jahre direkt am Minoritenweg. © privat

Bis Anfang der 50er Jahre gab es mitten in der Regensburger Altstadt ein kleines Freibad. Die Geschichte seiner Entstehung ist eher traurig.  

Regensburg – Es war kurz nach dem Krieg, als die Regensburgerinnen und Regensburger den Löschteich im Minoritenweg, in der Ostnerwacht, in Besitz nahmen und zu einem Schwimmbad umfunktionierten. Heute erinnert sich kaum noch jemand an dieses Schwimmbecken, das bis zur Eröffnung des Wöhrdbads im Jahr 1952 nicht nur ein beliebter Treff für Alt und Jung, sondern auch ein wichtiger Trainingsort für die örtlichen Sportler war.

Entstehung des Altstadt-Freibads: Am Anfang standen großspurige Behördenpläne

Doch die Geschichte, wie dieses Schwimmbad entstand, war für viele Regensburger auch eine bittere. In den Jahren zwischen 1935 und 1939 wurde der Plan umgesetzt, mehrere wichtige Behördengebäude, insbesondere das Neue Rathaus, in der Ostnerwacht anzusiedeln.

Diese Entscheidung, den Sitz der Stadtregierung und weitere wichtige Behörden just hier zu platzieren, dürfte zum einen dem Bauleitlinienplan des Münchner Architekten und Stadtplaners Otto Lasne geschuldet gewesen sein. Dieser Plan aus den 1920er Jahren sah vor, dass an der D.-Martin-Luther-Straße eine der künftigen Hauptverkehrsachsen für die Domstadt entstehen sollte.

Ein weiterer Punkt: Bereits vor Kriegsbeginn gab es erste Pläne für die Reichsautobahn von Regensburg nach Nürnberg, an die es am Galgenberg einen Direktanschluss geben sollte. Die Hoffnung, dass der Führer das Rathaus auf so direktem Weg erreichen könnte, dürfte die Pläne geradezu beflügelt haben.

Abrisse für Behördenbauten in Regensburg: BVP-NSDAP-CSU-Politiker hatte wichtige Rolle

Und so verfügte Hans Herrmann, der spätere CSU-OB von Regensburg, zunächst als BVP-, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als NSDAP-Bürgermeister den Abriss mehrerer Bürgerhäuser, um Platz zu machen für diese hochtrabenden Pläne.

1935 wurde mit dem Bau des Neuen Rathauses und Räumen für die Sanitätskolonne entlang des Minoritenwegs und der D.-Martin-Luther-Straße begonnen, der ein Jahr später abgeschlossen war. Mehrere alte Behördengebäude und Bürgerhäuser wurden dafür abgeräumt.

1937 zog die Polizei nach – seitdem erhebt sich im ehemaligen Klostergarten des Minoritenklosters die dreigeschossige Polizeidirektion mit ihrem mächtigen Satteldach. Zwei barocke Wohnhäuser in der Fahrbeckgasse mussten dafür weichen. 1939 wurde das neue Arbeitsamt fertiggestellt, für das vier Häuser im Minoritenweg und im Kirschgässchen abgebrochen wurden.

Wie das Altstadt-Freibad in Regensburg entstand: Am Anfang war ein Löschteich

Ein heute fast verblasstes Gemälde an der Außenwand der Polizeidirektion steht sinnbildlich für den Zeitgeist, der all dies möglich machte. Die Judikative mit der Waage kniet devot vor dem Wächter, der Exekutive, der sich alles unterzuordnen hatte. Das Hakenkreuz im Lanzenwimpel wurde nach dem Krieg übertüncht. Eine Mahnung ist das Bild bis heute.

Auf der damaligen Freifläche zwischen der Sanitätskolonne und dem Arbeitsamt wurde zum Schutz der neu errichteten Behördengebäude ein Löschteich gebaut, gespeist vom Stärzenbach, an den heute noch der entsprechende Straßenname erinnert.

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Regensburger machen Löschteich zum Freibad - die Stadt entdeckt eine Einnahmequelle

Nach Kriegsende entwickelte sich der Löschteich zur Badeanstalt für die Regensburgerinnen und Regensburger. Zu dieser Zeit gab es lediglich die Flussbäder an Regen und Donau – nicht geeignet für Schwimmtraining und Vergleichswettkämpfe, die nun hier im Minoritenweg stattfinden konnten. Die Regensburgerinnen und Regensburger trafen sich in großer Zahl im Sommer zum Schwimmen und im Winter zum Eisstockschießen und Schlittschuhlaufen.

Flugs erkannte die Stadt das neue Freibad als Einnahmequelle und errichtete einen Holzzaun um das Becken. Am Personeneinlass zwischen dem Gebäude der Sanitätskolonne und dem Arbeitsamt wurde fortan Eintritt verlangt.

Das Regensburger Altstadt-Freibad gab es nur bis Anfang der 50-er Jahre

Mit der Eröffnung des Wöhrdbads verlor das Schwimmbecken im Minoritenweg seine Bedeutung. Es wurde wieder zum Teich mit Algen, Fröschen und Kaulquappen, ehe 1955/56 ein weiterer Behördenquerbau entlang des Minoritenwegs entstand und er zugeschüttet werden musste.

Wo das kurzzeitige Schwimmbad einmal war sind heute die Tiefgarageneinfahrt für die Beschäftigten des Bürgerzentrums, ein paar Parkplätze und Bäume.

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