Elf Exemplare steckten im Seeboden

Ammersee: Das Ufer der verlorenen Eheringe

Herrsching - Das Ufer des Ammersees wimmelt nur so vor verlorenen (oder weggeschmissenen?!?) Eheringen. Ein Finder entdeckte die Schmuckstücke alle in Ufernähe.

Als der Vater eines Kollegen im Ammersee den Ehering verlor, zögerte ein Mann aus Greifenberg nicht lange. Er wollte unbedingt dem Unglücksraben helfen und suchte mit einem Metalldetektor im Uferbereich zwischen Herrsching und Breitbrunn nach dem Stück. Tatsächlich mit Erfolg. Und mehr: Er fand nicht nur den vermissten Ring, sondern laut "Starnberger Merkur" zehn weitere – neun Ehe- und einen Siegelring. Joachim Ulmer vom Fundamt in Herrsching geriet ins Staunen, als ihm der Mann. der anonym bleiben will, die zehn Ringe auf den Tisch legte.

Joachim Ulmer hat die Eheringe aus dem See aufgereiht, in der rechten Hand hält er den Siegelring.

Der Finder entdeckte die Schmuckstücke alle in Ufernähe – etwa drei bis fünf Meter vom Land entfernt. Sie steckten zwischen drei und sieben Zentimeter tief im Seeboden. Der Gravur nach gehörten neun der Ringe Männern, nur einer einer Frau. In den ältesten Ring ist die Jahreszahl 1956 eingraviert. Ein anderer trägt ein Datum aus dem Jahr 1959. Zwei Ringe sind mit dem Datum 1961 versehen.

Zu viele Hinweise darf Joachim Ulmer aus Datenschutzgründen nicht geben. Nur noch dies: In einem der 1961er-Ringe ist der Name Ruth, in dem anderen der Name Christine eingraviert. Alle zehn Ringe sind, wie zu Zeiten der Wirtschaftswunder-Jahre üblich, aus Gelbgold hergestellt.

Wie sie in den Uferbereich des Ammersees kamen, da­rüber lässt sich nur spekulieren. Sie könnten wie bei dem Vater einfach vom Finger gerutscht sein. Joachim Ulmer vom Fundamt sind aber auch zwei Fälle von Männern bekannt, die ein zweites Mal heirateten und davor die Ringe aus erster Ehe vom Dampfer aus dem Ammersee übergaben. Doch wie kamen dann die Ringe in den Uferbereich?

Zunächst gehören die entdeckten Eheringe übrigens dem Freistaat Bayern, da es sich um einen Schatzfund handelt. Das heißt: Die Ringe waren so lange verborgen, dass sich ein Eigentümer nach derzeitigem Stand nicht mehr ermitteln lässt. Vielleicht finden sich der oder die Eigentümer aber doch noch. Sie können sich im Fundamt Herrsching unter Telefon 081 52/3 74 52 melden. Sechs Monate lang warten sie hier gut verpackt. Falls niemand Anspruch erhebt, teilen sich Finder und Freistaat den Fund.

Auch das Landesamt für Denkmalschutz weiß von den Ringen. Es könnte auch Interesse an den Ringen anmelden. Dass dies so kommt, darf indes bezweifelt werden: Dafür sind die Ringe wohl zu jung.

grä

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