Was Polizei und Klinikum sagen

Amokfahrt: Josephine (5) war auf der Stelle tot

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Die Menschen in Regensburg sind geschockt und stellen Kerzen für Josephine an den Unglücksort

Regensburg - Nach der Amokfahrt in Regensburg, bei der die kleine Josephine ums Leben kam, herrscht Fassungslosigkeit. Die Polizei und das Klinikum, in dem der Fahrer behandelt wurde, haben Stellung genommen.

Stille herrscht an diesem Freitag am Hofgartenweg in Regensburg. Menschen stellen Kerzen ab, weinen. Keiner spricht ein Wort. Nur eine Frage wird immer wieder gestellt: „Warum?“ Alle trauern um Josephine B. (5), das kleine Mädchen, das am Donnerstagnachmittag sterben musste, weil ein psychisch kranker Mensch mit seinem Auto eine Amokfahrt durch Regensburg startete, mehrere Autos beschädigte und Menschen verletzte, bis er auf den Waschsalon im Hofgartenweg zuraste und die kleine Josephine erfasste.

Um 14.25 Uhr am Donnerstag ging der erste Notruf bei der Polizei ein. Ein graues Cabrio sei mit Tempo 100 über eine rote Ampel bei der Thundorferstraße gerast. „Wie ein Verrückter fuhr er“, berichten Augenzeugen später. Kurz darauf fährt der Mann, ein 46-jähriger Regensburger, der sich zum Tatzeitpunkt scheinbar in einem psychischen Ausnahmezustand befindet (siehe Text unten rechts), in die Fußgängerzone. Ein Mann des Stadtgartenamtes bemerkt den Autofahrer und stellt sich ihm in den Weg. Auch versucht der Mitarbeiter, dem Mann den Autoschlüssel abzunehmen, doch der 46-Jährige gibt Gas und schleift den mutigen Mann mehrere Meter mit. „Er ist ein Held“, heißt es von Seiten der Polizei bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Auf Höhe des Regensburger Justizgebäude stößt eine zufällig anwesende Streife auf den Autofahrer und heftet sich an seine Fersen. Es kommt zu einer Kollision, doch der Amokfahrer rast weiter Richtung Sternbergstraße. Dabei touchiert der Fahrer mehrere Autos, überfährt rote Ampeln und rast ungebremst von der Bischof-Konrad-Straße geradeaus auf den Waschsalon im Hofgartenweg zu.

Dramatische Verfolgungsjagd in Regensburg

Dramatische Verfolgungsjagd in Regensburg

Auf der Treppe vor dem Waschsalon sitzen zur selben Zeit die kleine Josephine (5), ihre Schwester Leonie (3) und Ziehpapa Christian F. Gemeinsam mit ihrer Mama Andrea B. verbringen die Schwestern den Nachmittag draußen, sind zu Besuch bei Christian. Ihr Zuhause hat die Mutter im 28 Kilometer entfernten Burglengenfeld.

Andrea B. holt gerade in der nahegelegenen Bäckerei Brezen, als sie Schreie hört. Sie rennt aus dem Café, blickt um die Ecke. Dort, wo ihre Töchter und ihr Lebensgefährte gerade noch saßen, steht das Wrack eines Mazda. Völlig unter Schock läuft sie zum Auto. Sieht, wie ihre Kinder darunter begraben sind. Sie weinen und schreien. Die Beamten, die den Fahrer verfolgt haben, treffen ein und helfen sofort. Sie ziehen die beiden Mädchen unter dem Auto hervor, reanimieren sie. Doch für die kleine Josephine kommt jede Hilfe zu spät. Ihre Schwester überlebt schwer verletzt. Am selben Abend verwechselt die Polizei die Kinder, vermeldete erst den Tod der Dreijährigen und berichtigt in der Nacht den Fehler.

Für die Familie von Josephine bricht eine Welt zusammen. Andrea B. (27) kann den Tod ihrer Tochter nicht fassen. Zeitgleich bangt sie jetzt am Krankenhausbett um Leonie. Im Internet machen sich die Angehörigen Mut: „Wir müssen jetzt zusammen stark sein, für Leonie.“ Auch die Anteilnahme in Regensburg gibt ihnen Kraft, doch fassen können sie das Unglück noch längst nicht.

Der Amokfahrer wird noch am Tatort festgenommen. Per Eilbeschluss kommt er am Freitag zur Unterbringung ins Bezirksklinikum. „Das Verfahren wird wegen vorsätzlicher Tötung und eines versuchten Tötungsdeliktes geführt,“ so die Polizei.

Kurz bevor der 46-Jährige seine Amokfahrt gestartet hatte, soll er laut Zeugenaussagen sein Cabrio im Stadtpark geparkt und im Brunnen gebadet haben. Ein Passant beobachte die Szenerie und meldete es der Polizei. Doch bis zum ersten Kontakt mit dem Amokfahrer vergingen 35 Minuten.

Die Polizei bedauert die tragischen Ereignisse. „Meine Anteilnahme und die Anteilnahme der Polizei gilt den Angehörigen der Mädchen sowie allen anderen Geschädigten“, sagte Polizeipräsident Rudolf Kraus am Freitag. Die schrecklichen Ereignisse hätten auch die Beamten, die am Einsatzort waren, schwer traumatisiert.

aw/age

Das sagt die Polizei

Die Polizei verfolgt einen Amokfahrer am helllichten Tag mitten in Regensburg – dann kommt es zur Katastrophe. Hätte der Fahrer nicht vorher irgendwie gestoppt werden können? Tatsache ist: Erst auf Höhe des Justizgebäudes traf eine zufällig aus dem Gebäude kommende Streife auf den rasenden Mazdafahrer und verfolgte ihn sofort. „Beim Hauptbahnhof kam es zu einer Kollision zwischen dem Streifenwagen und dem Cabrio“, so Einsatzleiter Markus Fuchs . Es gelang den Beamten, das Fahrzeug zu stoppen. Ein Polizist versuchte dann, den Zündschlüssel zu ziehen, doch der Mann gab plötzlich wieder Gas und brauste davon. Daraufhin verfolgten ihn mehrere Streifenwagen, die ihn aber wenig später aus den Augen verloren.

Das sagt das Klinikum

Der Amokfahrer von Regensburg hatte psychische Probleme und war in Behandlung im Bezirksklinikum von Regensburg. Da stellt sich die Frage: Warum durfte er die Klinik überhaupt verlassen? Dr. Fried Seier, der Medizinische Direktor, nahm dazu am Freitag Stellung: Demnach sei der Mann freiwillig in einer stationären Einrichtung untergebracht gewesen, er war also nicht in einer geschlossenen Anstalt und somit auch nicht eingesperrt. Seier: „Ich kann mitteilen, dass sich der Fahrzeugführer im Bezirkskrankenhaus zu einer medizinischen Behandlung befand. Er hatte mit ärztlichem Einverständnis regelmäßig Ausgang und hielt sich auch an die Absprachen.“ Am Vorabend der Tat tat er das hingegen nicht. An welcher Krankheit der Täter genau leidet, wollten die Mediziner unter Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht sagen.

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