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Angeklagter im Inzest-Prozess: Tochter wollte Sex

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Der Angeklagte © dpa

Willmersbach - Seit Montag sitzt der Inzest-Vater von Franken auf der Anklagebank. Der 69-Jährige soll seine Tochter fast 500 Mal vergewaltigt und drei Kinder mit ihr gezeugt haben. Er sagt: "Der hat’s ge­passt!"

Wie ein Häufchen Elend wurde Adolf B. (69) ges­tern im Rollstuhl in

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den historischen Schwur­gerichtssaal 600 des Nürnberger Landgerichts geschoben. 34 Jahre lang soll er seine eigene Tochter Renate (46) gequält, missbraucht und mit ihr drei Söhne gezeugt haben. Doch zum Prozessauftakt war von ihm nur weinerliches Gestammel zu hören.

„Jawoll“, antwortete der Ex-­Bauarbeiter aus dem Bayerwald, als ihn Richter Günther Heydner fragte, ob es stimme, dass er mit seiner Tochter Sex hatte. Sie sei 17 ge­wesen und habe immer freiwillig mitgemacht, nuschelte B. in sei­nen ergrauten Schnauzer. Und fügte hinzu: „Der hat’s ge­passt!“

Fassungslose Stille auf der Rich­terbank und in den Zuschauerreihen. So, wie andere vom Einkaufen reden, berichtete B., wie er seine Tochter im elterli­chen Schlafzimmer nahm: „Sie war schon damals keine Jungfrau mehr.“ Sie hätten sich abgebusselt und dann die Unterhosen ausgezogen. Nur die Leibchen blieben an. „Wir wollten’s halt mal probieren. Mit meiner Frau, das war nicht mehr so wie früher. Renate hat besser mitgehalten.“

Energisch bestritt B. die Vorwürfe seiner Tochter, dass er sie seit ihrem 12. Lebensjahr vergewaltigt habe. Auch habe er sie nie mit dem Messer bedroht oder misshandelt, wie sie in ihrer Aussage im vergangenen März behauptet hatte: „I hab mei Mädel noch nie ange­rührt.“

Die Staatsanwaltschaft geht dage­gen davon aus, dass sich Renate B. aus Angst vor Schlägen und aufgrund der körperlichen Über­legenheit ihres Vaters in ihr Schicksal gefügt hat. Erst, als sie selbst wegen einer versuchten Erpressung verurteilt wurde und sich einer Bewährungshelferin anvertraute, kam der Fall im Frühjahr ins Rollen. Seitdem sitzt Adolf B., der noch vier weitere Söhne mit seiner Frau hat, in U-Haft.

Renate B. ist Nebenklägerin in dem Verfahren, sagt aber erst am 6. Dezember aus. Vom Leugnen ihres Vaters fühlt sie sich verhöhnt. Ihre Anwältin Andrea Kühne: „Nichts war einvernehmlich!“ Auch die Nachbarn im mit­telfränkischen Willmersbach ahn­ten, was sich in dem Haus in der Dorfmitte abspielte, reimten zur Kirchweih sogar einen Spottvers auf Adolf B.: „Die Kinder aus dem gelben Haus, die schaun recht wie ihr Opa aus.“ Doch trotz des gegenteiligen DNA-­Beweises bestritt Adolf B. am Montag so­gar die Vaterschaft der Kinder, von denen zwei behindert zur Welt kamen und früh verstarben: „Die sind von irgendwelchen Liebhabern“, behauptete der Rentner vor Gericht rotzfrech.

Das Urteil in dem Prozess um 497-fache Vergewaltigung soll noch vor Weihnachten, exakt am 19. Dezember, fallen. Dem 69-Jährigen drohen dabei bis zu 15 Jahre Haft!

tz

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