Verdächtiger öffnet Ermittlern die Tür

Anneli ist tot - Dieser Bayer (39) sitzt in Haft

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Anneli ist tot. Das Foto rechts zeigt einen der beiden Verdächtigen: Markus B. (39).

Lampersdorf/Burgebrach - Seit Dienstag gibt es traurige Gewissheit: Die vermisste Anneli (17) ist tot. Die Spur der Täter führt auch nach Bayern. Ein Verdächtiger öffnete den Ermittlern die Tür.

Anneli ist tot! Nachdem die Polizei am späten Montagabend in Lampersdorf (Sachsen) die Leiche einer jungen Frau gefunden hatte, kam am Dienstag die traurige Gewissheit: Es handelt sich um die 17-jährige Anneli. Das teilten die Ermittler auf einer Pressekonferenz in Dresden mit.

Der Fundort, ein Feld in der Nähe eines alten Bauernhofes, liegt nur wenige Kilometer vom Wohnort der Unternehmerstochter entfernt. Wegen einer Lösegeldforderung gingen die Behörden zunächst von einer Entführung aus und ermittelten wegen erpresserischen Menschenraubes.

In der Nähe dieses Bauernhofes in Lampersdorf fanden Ermittler die Leiche von Anneli R., die seit Donnerstag vermisst war.

Zwei Tatverdächtige wurden am Montag festgenommen. Einen 61-Jährigen verhaftete die Polizei in Dresden, der 39-jährige Markus B., wurde in der Nähe von Bamberg (Bayern) in Gewahrsam genommen – er ist vorbestraft. Der Verdächtige aus Dresden gab den Ermittlern den Hinweis auf den Leichenfundort. Bereits am Sonntag hätten die Ermittler mittels einer DNA-Spur am Fahrrad Annelis eine erste Spur gehabt, sagte Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll.

Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht, wie die Fahnder weiter mitteilten. Oberstaatsanwalt Erich Wenzlich sprach von einem „Verdeckungsmord“. Die Täter seien bei der Entführung nicht maskiert gewesen, weshalb sie sich dazu entschlossen hätten, das Mädchen umzubringen. „Habgier wird auch im Spiel sein“, so Oberstaatsanwalt Wenzlich. Mindestens einer der beiden Festgenommenen habe Anneli gekannt. Die Tatverdächtigen wurden am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt, „die Ermittlungen beginnen jetzt erst richtig“, erklärt Kroll.

Anneli ist am Donnerstagabend verschwunden, nachdem sie das Haus ihrer Familie verlassen hatte, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Kroll zufolge begegnete sie dabei den Entführern, die sie überwältigten und mit ihr in einem Auto davonfuhren. Danach hätten sich die Entführer mit Annelis Handy bei den Eltern der 17-Jährigen gemeldet und bis Freitagmittag 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert. In einem zweiten Anruf hätten die Entführer gedroht, dass die Familie Anneli nicht wiedersehen werde, wenn sie das Geld nicht bezahle. Die Familie versicherte in einem am Sonntag veröffentlichten Brief „dass wir die angezeigten Forderungen erfüllen werden, um unser Kind bald in die Arme nehmen zu können“. Wahrscheinlich sei das Opfer aber bereits am Freitag gestorben, so die Fahnder.

Was bleibt, ist tiefe Trauer. Trauer, um ein junges Mädchen, das noch sein ganzes Leben vor sich hatte und das einem skrupellosen Verbrechen zum Opfer fiel.

Verdächtiger öffnete den Ermittlern die Tür

Die Fahnder warteten fünf Stunden auf den Zugriff, dann klingelten sie an dem noch unverputzten Einfamilienhaus in ruhiger Wohngegend des bayerischen 6500-Einwohner-Städtchens Burgebrach im Steigerwald: Der Verdächtige Markus B. (39) öffnete selbst der Polizei die Tür. Sein Komplize nannte wenig später dann das Versteck der seit vier Tagen vermissten Anneli (17) aus Meißen.

Der arbeitslose Koch Markus B. war erst vor zwei Wochen aus dem sächsischen Lampersdorf in den Landkreis Bamberg gezogen. Das Haus soll er nach tz-Informationen für 350 000 Euro gekauft haben, mehrere Rechnungen aber schuldig geblieben sein. Mit ihm lebte seine Frau, zwei Kinder und die Schwiegermutter in Burgebrach – die 58-Jährige hatte B. wohl auch den Auftrag gegeben, ihren Bauernhof zu verkaufen. Jenen Hof also, auf dem nun die Leiche des Mädchens entdeckt wurde. B.s Wagen war dort mehreren Zeugen aufgefallen.

Nachbarn hatten kaum Kontakt zu dem aus Baden-Württemberg stammenden Mann, der auch schon auf dem Erlebnisschiff AIDA gekocht haben, zuletzt hochverschuldet gewesen sein soll. Nach dem Zugriff am Montagmorgen arbeitete die Spurensicherung noch bis zum Mittag in dem Haus. Was dabei gefunden wurde, dazu hüllte sich das Polizeipräsidium Oberfranken bis Dienstag in Schweigen. Es habe „Abklärungsmaßnahmen im Raum Bamberg“ gegeben – mehr war nicht zu erfahren.

Chronik des Verbrechens

Donnerstag: Anneli-Marie R. verlässt zusammen mit dem Hund der Familie das Elternhaus in einem Dorf bei Meißen. Es ist ca. 19.30 Uhr. Sie verschwindet spurlos.

Freitag:  Ein Spürhund führt die Ermittler zu einem verlassenen Hof. Nach einer Durchsuchung die Ernüchterung: Anneli bleibt verschwunden.

Sonntag:  Die Ermittler und die Familie wenden sich an die Öffentlichkeit. Aufgrund einer Lösegeldforderung ermittelt die Polizei wegen erpresserischem Menschenraubes.

Montag: Es gehen mehr als 50 Hinweise ein. Die Polizei durchsucht Gebäude in der Umgebung in Meißen. In Dresden und in der Nähe von Bamberg werden zwei Verdächtige verhaftet. Am Abend findet die Polizei in Lampersdorf (Sachsen) die Leiche einer jungen Frau.

Dienstag: Die Polizei bestätigt: Bei der Leiche handelt es sich um Anneli.

tz

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