Nachbar eilt den Eltern der Kinder mit einer Leiter zu Hilfe

Annika (2) stirbt in den Flammen - Xenia (4) gerettet

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Für die kleine Annika (2) 0kam jede Hilfe zu spät. Sie starb in den Flammen.

Hettstadt - Verkohlte Dachbalken, rußgeschwärzte Fenster, zertrümmerte Ziegel: Das einstmals schmucke Mehrfamilienhaus im unterfränkischen Hettstadt (Kreis Würzburg) ist nur noch eine Ruine.

Im Kinderzimmer unterm Dach war in der Nacht zum Samstag ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Für die kleine Annika (2) kam jede Hilfe zu spät!

Vermieter Wilhelm S. war erst von der Polizei aus dem Schlaf geklingelt worden. Als er nach draußen stolperte, stand das ganze Dach bereits in Flammen. Er sah seine beiden Untermieter, Irene S. und Thomas M. (beide 29) mit versengten Haaren und im Schlafanzug abseits stehen. Seine Frau sah nur die Älteste Xenia (4) bei ihnen. Sie fragte Irene noch: „Wo ist Annika?“ Doch die Hausfrau starrte nur entgeistert ins Leere.

Gegen 0.50 Uhr hatte ihr neuer Lebensgefährte noch selbst den Notruf alarmiert, weil er den Rauch in der Wohnung bemerkt hatte. Der Weg durch das Treppenhaus war da bereits abgeschnitten. Die kleine Familie rettete sich auf den Balkon, schrie um Hilfe. Nachbar Werner H. (55) legte die rettende Leiter an: „Ich habe den Erwachsenen und dem Mädchen nach unten geholfen. Ich war selbst Feuerwehrmann – ich wusste, dass bei dem Rauch niemand mehr in die Wohnung kann.“

Verzweifelt kämpften die Feuerwehrleute auf dem Dach des Hauses gegen Feuer und Qualm – aber die kleine Annika konnten sie nicht mehr retten.

Verzweifelt hatte Gärtner Thomas M. zuvor noch versucht, seine Stieftochter Annika in dem dichten Qualm zu finden. Werner S.: „Er war völlig schwarz von Ruß.“ Mit einem schweren Schock wurde die kleine Familie ins Würzburger Universitätsklinikum eingeliefert. Polizeihauptkommissar Jürgen Pfau: „Notfallseelsorger kümmerten sich um sie.“ Am Samstag konnten sie wieder entlassen werden. Sie kamen vorübergehend bei Freunden unter.

In der Nacht zuvor hatten 50 Feuerwehrleute stundenlang lang gegen die Flammen gekämpft. Brandnester unter den Dachschrägen ließen das Feuer immer wieder auflodern. Der Sachschaden liegt nach ersten Schätzungen bei 100 000 Euro. Pfau: „Das Haus ist nicht mehr bewohnbar.“

Heute sollen Brandfahnder des Landeskriminalamtes die Suche nach der Ursache für die Katastrophe aufnehmen. Vorsätzliche Brandstiftung scheidet aber offenbar aus.

Die Familie lebte erst seit September in dem Haus in der Wohnsiedlung „Point“. Beide Erwachsenen litten unter einer Lernbehinderung, die ums Leben gekommene Annika besuchte ein Förderzentrum.

Der Vermieter kümmerte sich rührend um die beiden Kinder. Erst zu Ostern hatte er ein Ostereierlaufen für sie organisiert. Werner M.: „Es ist so schockierend, dass es ausgerechnet die trifft, die ohnehin schon wenig haben.“ Das ganze Wochenende meldeten sich bei ihm Freunde des Paares, die nun mit Kleidung und Haushaltsgegenständen aushelfen wollen. Eine Ersatzwohnung hat Werner M. auch schon gefunden.

Quelle: tz

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